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Aus: Ausgabe vom 06.12.2021, Seite 6 / Ausland
Antikommunismus

Contras fordern Waffen

Systemgegner wollen von US-Regierung militärische Ausbildung und Kampfgeräte für Angriff auf Kuba
Von Volker Hermsdorf
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Verzweifelt und radikal: Exilkubaner in Miami (14.11.2021)

Die staatlich geförderte US-amerikanische Denkfabrik Cuban Studies Institute will die Regierung von Präsident Joseph Biden zu einer noch härteren Gangart gegen Kuba bewegen. Nach dem fehlgeschlagenen Versuch, in der sozialistischen Inselrepublik am 15. November »neue Massenproteste« zu organisieren, hat der Direktor der einflussreichen Einrichtung, Jaime Suchlicki, gefordert, den kubanischen Systemgegnern »Waffen und eine militärische Ausbildung« zur Verfügung zu stellen.

»Der landesweite Volksaufstand vom 11. Juli und die gescheiterten Demonstrationen in diesem Monat sind klare Anzeichen für eine mobilisierte Bevölkerung«, schrieb Suchlicki am 26. November in einem Beitrag der überregionalen US-Tageszeitung Miami Herald. Seiner Ansicht nach werde jedoch »der zunehmende wirtschaftliche Druck (durch die US-Blockade, jW) nicht zum Zusammenbruch des Regimes führen«. Auch »friedliche Proteste werden nur vorübergehend funktionieren«, führte der emeritierte Professor der Universität von Miami weiter aus. Daher bleibe der US-Regierung nichts anderes übrig, »als Kuba entweder als eine schwer zu knackende Nuss zu ignorieren oder eine Reihe von politischen Optionen zu ergreifen, um das Regime zu untergraben und seinen Untergang zu beschleunigen«, folgerte er. Als eine dieser Optionen fordert Suchlicki von der US-Regierung: »Stellen Sie der Opposition militärische Ausbildung und Waffen zur Verfügung. Das Ende des kubanischen Regimes wird höchstwahrscheinlich durch eine gewalttätige Opposition herbeigeführt, die durch die militärische Hilfe der Vereinigten Staaten und anderer Verbündeter ermutigt wird.«

Die klare Ansage widerlegt die angeblich friedlichen Absichten der Systemgegner und belegt die zunehmende Gewaltbereitschaft der Contras in Miami, die durch direkte Kontakte und Medien Einfluss auf Oppositionelle in Kuba nehmen. Der Miami Herald und die sich an die große spanischsprachige Gemeinde in Florida richtende Schwesterzeitung El Nuevo Herald gehören zu den einflussreichsten Publikationen der Region. Auch der zur Bewaffnung der Systemgegner aufrufende Gast­autor und das von ihm geleitete Institut verfügen über großen Einfluss auf die US-Politik. Wie der 2016 verstorbene kanadische Journalist Jean-Guy Allard bereits 2010 im Onlineportal Cuba­debate berichtete, war Suchlicki früher Analyst des Auslandsgeheimdienstes CIA. Ein Ziel des von ihm geleiteten Cuban ­Studies Institute, das eng mit der privaten Universität von Miami in Coral Gables verbunden ist, besteht nach Angaben auf der eigenen Internetseite darin, »den Wandel auf der Insel vorzubereiten«. Die Einrichtung wird unter anderem durch die dem US-Außenministerium unterstehende »Agentur für internationale Entwicklung« (USAID) finanziert. Laut Suchlicki versteht sich das Institut auch als Beratungsgruppe des »öffentlichen und privaten Sektors« für »die Beziehungen zwischen den USA und Kuba«.

Leitende Mitarbeiter der Denkfabrik sind unter anderem der in Kuba als Terrorist verurteilte, ehemalige CIA-Agent Carlos Alberto Montaner sowie der exilkubanische US-Diplomat Otto Reich. Der sich selbst als glühender »Antikommunist« bezeichnende Reich spielte von 1981 bis 1990 eine führende Rolle im Contra-Krieg gegen die sandinistische Regierung Nicaraguas. Zudem gilt er als einer der Drahtzieher des 2002 gescheiterten Putsches gegen den damaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und soll nach dessen Tod im Jahr 2013 an der Planung eines Mordanschlags gegen Amtsnachfolger Nicolás Maduro beteiligt gewesen sein. Als Lobbyist hatte der ehemalige USAID-Mitarbeiter Reich sich 1996 maßgeblich für das von der Familie Bacardi entworfene »Helms-Burton-Gesetz« zur Verschärfung der US-Blockade gegen Kuba eingesetzt. Der Bacardi-Konzern ist heute neben dem den Republikanern nahestehenden Internationalen Republikanischen Institut (IRI) und der als Teil der US-Streitkräfte dem Innenministerium unterstehenden Küstenwache (US Coast Guard) einer der privilegierten Partner der von Suchlicki geleiteten Denkfabrik.

Bereits vor dem 15. November hatten Terroristen wie der in Miami lebende ultrarechte Ramón Saúl Sánchez Rizo, der eine »Intervention unter Führung der USA« fordernde Leiter des vom US-Außenministerium finanzierten »Directorio Democrático Cubano«, Orlando Gutiérrez-Boronat, sowie Juan López de la Cruz vom Veteranenverein der CIA-Söldnertruppe »Brigade 2506«, die 1961 mit dem Versuch einer Invasion gescheitert war, Yunior García Aguílera ihre Unterstützung erklärt. Er war der Organisator der für den Tag angekündigten Proteste.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg ( 6. Dezember 2021 um 12:25 Uhr)
    Vielen Dank, lieber Volker Hermsdorf, für diesen wichtigen Rückblick auf die seit sechs Jahrzehnten andauernde obsessive Kuba-Politik der USA, für die Nennung der Namen der dafür maßgeblichen Drahtzieher, aber vor allem auch für die Erwähnung des leider 2016 verstorbenen kanadischen Journalisten Jean-Guy Allard. Ja, wir verdanken der unermüdlichen investigativen Arbeit dieses Journalisten, der von seiten der Contras vielen Angriffen ausgesetzt war, entsprechend wichtige Erkenntnisse. Leider fanden mein 2018 verstorbener Ehemann Dirk Brüning und ich seinerzeit noch keinen Verlag, der unsere Übersetzungen seiner Texte aus dem Englischen drucken wollte (siehe bspw.: »Miami FBI terrorist Connection« von Jean-Guy Allard, www.miami5.de/jean-guy/miami-fbi.html). Nach dem Zitat des anscheinend im Hass ergrauten, mittlerweile emeritierten Professors Jaime Suchlicki, der US-Regierung bliebe nichts anderes übrig, »als Kuba entweder als eine schwer zu knackende Nuss zu ignorieren oder eine Reihe von politischen Optionen zu ergreifen, um das Regime zu untergraben und seinen Untergang zu beschleunigen«, kann man vorläufig nur hoffen, dass Kubas jetzige Generation weiterhin daran festhält, die »schwer zu knackende Nuss« zu sein, um immerhin, wenn schon nicht endlich respektiert, »ignoriert« zu werden.

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