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Aus: Ausgabe vom 02.12.2021, Seite 8 / Abgeschrieben

Contergan-Opfer fühlen sich verhöhnt

Der Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer e. V. (BCG) erklärte am Mittwoch anlässlich des 60. Jahrestags der Marktrücknahme von Contergan in der BRD:

Am 27.11.1961 erfolgte die Marktrücknahme von Contergan und anderen thalidomidhaltigen Präparaten. Ein guter Tag vor 60 Jahren. Denn damit wurde der Tötung und Verstümmelung Tausender ungeborener und geborener Kinder in Deutschland durch das für die Grünenthal-Eignerfamilie Wirtz höchst lukrative Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan endlich ein Ende bereitet. Selbstverständlich musste der Wirtz-Clan vor 60 Jahren zu der Marktrücknahme durch entsprechende Medienberichte erst gezwungen werden. Doch in Brasilien ging mit dem Grünenthal-Produkt Sedalis das Töten und Verstümmeln durch den Wirtz-Clan munter weiter. Und die Brasilianer kämpfen noch heute um ihre Rechte.

2012 hatte sich Grünenthal unter erheblichen Protesten der Betroffenen lediglich dafür entschuldigt, nicht früher auf die Opfer zugegangen zu sein. »Als ob die entstellten Überlebenden nur darauf gewartet hätten, dass Grünenthal ihnen dafür anerkennend auf die Schulter klopft, dass sie das von ihr zusammengepanschte Dreckszeug auch noch überlebt haben!« sagt Andreas Meyer, Vorsitzender des BCG. Und nun will sich der frühere geschäftsführende Gesellschafter Grünenthals, Michael Wirtz, »in aller Offenheit und hochoffiziell unter Zeugen«, »für diese Thematiken, die sich bei all diesen Familien abgespielt haben, ausdrücklich« entschuldigen.

»Was für uns Tod, Elend und Leid war, sind für Michael Wirtz lediglich ›Thematiken‹«, sagt Meyer. (…) »Die Wortwahl ›Thematiken‹ vom Paten des Wirtz-Clans klingt in meinen Ohren wie eine Verhöhnung seiner Opfer.«

Pro Asyl, die Landesflüchtlingsräte und »Jugendliche ohne Grenzen« fordern anlässlich der Innenministerkonferenz bis zum 3. Dezember einen umfassenden Abschiebestopp Schutzsuchender:

Aufgrund der grassierenden Pandemie müssen die Innenminister*innen auf ihrer Konferenz einen generellen Abschiebestopp verhängen. Abschiebungen während der Pandemie sind unverantwortlich und gefährden Menschenleben. Insbesondere nach Syrien, Afghanistan und Äthiopien kann wegen der anhaltend katastrophalen politischen und wirtschaftlichen Lage nicht abgeschoben werden – in diesen Ländern herrschen Krieg und Terror.

Die Ampelkoalition hat erfreulicherweise beschlossen, eine Bleiberechtsregelung zu schaffen. Das neue »Chancenaufenthaltsrecht« will »Menschen, die am 1. Januar 2022 seit fünf Jahren in Deutschland leben, nicht straffällig geworden sind und sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen«, eine einjährige Aufenthaltserlaubnis auf Probe ermöglichen, »um in dieser Zeit die übrigen Voraussetzungen für ein Bleiberecht zu erfüllen«. Aber: »Wir befürchten eine Abschieberitis einzelner Ausländerbehörden und Bundesländer, die ungeachtet der Pandemie und der kommenden Regelungen Fakten schaffen, wo immer möglich. Dazu darf es nicht kommen«, sagt Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl. »Deshalb sollten sich die Länder auf der Innenministerkonferenz auf eine Vorgriffsregelung einigen, die dafür sorgt, dass niemand abgeschoben wird, bevor die neue Bleiberechtsregelung in Kraft tritt.« (…)

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