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Aus: Ausgabe vom 25.11.2021, Seite 6 / Ausland
Türkische Währungskrise

»AKP, tritt zurück«

Türkei: Proteste gegen Erdogan nach Lira-Absturz
Von Nick Brauns
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Lira im Sturzflug: An einer Wechselstube in Istanbul (Istanbul, 24.11.2021)

In Ankara, Istanbul und weiteren Städten der Türkei ist es in der Nacht zu Mittwoch zu spontanen Protesten gegen die AKP-Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gekommen. Auslöser waren ein neuer historischer Tiefstand der türkischen Lira sowie infolge der Inflation extrem angestiegene Preise für Grundnahrungsmittel. Die türkische Währung, die in diesem Jahr schon 40 Prozent ihres Wertes verloren hat, wurde erstmals mit zwölf Lira für einen US-Dollar gehandelt. Der erneute Kurssturz erfolgte, nachdem Erdogan am Montag die Senkung des Leitzinses verteidigt und erklärt hatte, die Türkei befinde sich in einem »ökonomischen Unabhängigkeitskrieg«.

»AKP, tritt zurück!« lautete die Hauptparole auf Demonstrationen, denen sich trotz Polizeiübergriffen in verschiedenen Istanbuler Stadtvierteln jeweils mehrere hundert Menschen angeschlossen hatten. Dazu aufgerufen hatten nach Angaben der Nachrichtenplattform Bianet unter anderem die Arbeiterpartei der Türkei (TIP) und die Kommunistische Partei (TKP). »Wir werden diejenigen, die unser Brot stehlen, zur Rechenschaft ziehen. Wir werden die Türkei aus der Dunkelheit holen und ins Licht bringen«, erklärte die TIP auf einer Kundgebung vor der Istanbuler Filiale der Zentralbank.

In Ankara und Diyarbakir protestierten Anwohner lautstark mit Töpfen und Pfannen auf ihren Balkonen. Studenten der Technischen Universität (ODTÜ), die sich in der Hauptstadt den Protesten anschließen wollten, wurden von der Polizei mit Pfefferspray attackiert. Die kemalistische CHP, die die größte Oppositionsfraktion stellt, wies ihre Parteiverbände an, sich »nicht an diesen illegalen Protestaktionen zu beteiligen«. Der seit fünf Jahren inhaftierte frühere Kovorsitzende der vor allem unter Kurden verankerten linken HDP, Selahattin Demirtas, rief am Mittwoch über Twitter die Oppositionsparteien zu gemeinsamen Demonstrationen für sofortige Neuwahlen auf.

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