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Aus: Ausgabe vom 25.11.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Zoff bei Autobauer

Personalrochaden bei VW

Präsidium berät über mögliche Neuordnung an Konzernspitze. Vorstandschef könnte Einfluss verlieren
Von Gudrun Giese
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Volkswagen-Chef Diess besucht E-Auto-Werk in Zwickau (23.6.2021)

Der VW-Konzern kommt vorerst nicht zur Ruhe. Nachdem Vorstandschef Herbert Diess im September mit Aussagen über einen möglichen Abbau von bis zu 30.000 Stellen im Zuge der anstehenden Umstrukturierungen große Empörung bei Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall ausgelöst hatte, stand zwischenzeitlich seine Führungsposition zur Debatte.

Laut verschiedenen Medienberichten zeichnet sich aber mittlerweile ein Kompromiss für die künftige Aufgabenverteilung im Vorstand ab, wobei Diess wichtige Kompetenzen entzogen werden könnten. Vor der nächsten Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember beriet das Präsidium des Gremiums über die mögliche Neuordnung an der Konzernspitze, hieß es am Dienstag bei N-TV. Bevor der Aufsichtsrat über anstehende Milliardeninvestitionen unter anderem in den Ausbau der Elektromobilität und die künftige Aufgabenverteilung zwischen den VW-Werken entscheiden könne, müsse die Führungsfrage geklärt sein, hatte bereits vergangene Woche die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) geschrieben.

Dabei wird aller Voraussicht nach Diess zwar seine Chefposition behalten, allerdings wichtige Zuständigkeiten abgeben. Als Favorit für die Neuaufnahme in den Konzernvorstand gilt VW-Markenchef Ralf Brandstätter, der dort dann die Verantwortung für die Marken VW, Skoda und Seat von Diess übernehmen könnte. Damit würde Brandstätter zum zweiten Mal von einem VW-internen Machtkampf mit dem oft provozierend auftretenden Konzernchef profitieren. Im Sommer 2020 hatte Diess nämlich laut N-TV bereits die Zuständigkeit für die Marke VW an Brandstätter abgeben müssen, dem vor allem zugute gehalten wird, mit Belegschaft und Betriebsrat einen verbindlicheren Umgang zu pflegen. Das liegt wohl auch daran, dass Brandstätter anders als Diess seinen beruflichen Werdegang komplett VW zu verdanken hat. So sei er laut FAZ bestens mit den besonderen Gepflogenheiten des Konzerns im Umgang mit dem mächtigen Betriebsrat, dem Management sowie dem zweitgrößten Anteilseigner, dem Land Niedersachsen, vertraut. Attestiert würden dem Wirtschaftsingenieur Qualitäten als »Mannschaftsspieler«, während Diess lieber polarisiere.

Rückhalt hat der Vorstandschef hingegen derzeit noch bei den VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, die die Mehrheit im Unternehmen haben. Genervt hatten allerdings auch die auf den jüngsten Konflikt des Bosses mit Belegschaft und Betriebsrat reagiert. Doch nachdem der Vertrag mit Diess erst in diesem Sommer verlängert worden sei, wolle man ihn jetzt nicht gleich wieder auswechseln, hieß es in dem Zeitungsbericht unter Berufung auf Porsche und Piëch. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch soll wohl auch aus diesem Grund die Neuverteilung der Vorstandsaufgaben zwischen Diess und Brandstätter vorbereiten.

Bei der Aufsichtsratssitzung im Dezember sollten alle Probleme im Verbund gelöst werden, hatte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Das werde neben Beschlüssen zu den Vorstandsposten und Aufgabenverteilungen einen milliardenschweren Investitionsplan für die nächsten Jahre sowie Beschäftigungsperspektiven für die Mitarbeiter umfassen. Mittlerweile soll auch im Betriebsrat die Bereitschaft zu einem Kompromiss deutlich gewachsen sein. Es gebe keine Forderung, »Diess muss weg«. Gleichwohl setzen die Beschäftigtenvertreter ihre Hoffnungen stark auf die Aufnahme Brandstätters in den Vorstand, da er sie bereits in der Vergangenheit in alle wichtigen Entscheidungen stets früh einbezogen habe. Es dürfte spannend bleiben beim größten deutschen Autobauer.

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