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Aus: Ausgabe vom 24.11.2021, Seite 10 / Feuilleton
Pop

Sie macht Mut

Und strahlt dabei: Ein sehr schönes Konzert von Arlo Parks in Köln
Von Frank Schwarzberg
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Da wackelt das Dach: Arlo Parks hat live den Extrawumms

Arlo Parks, die 21jährige Popaufsteigerin aus London, gastierte Montag abend in Köln. Der Club, »Gebäude 9« sein Name, ist klein, circa 400 Leute passen rein. Natürlich ist das Konzert ausverkauft, seit Monaten schon, verlegt in eine etwas größere Halle wurde es aber nicht. Da ist es doch eine gute Nachricht, dass wir am Eingang darüber informiert werden: Die Band wünscht sich, dass bitte alle ihre Maske aufbehalten, was tatsächlich passiert. Geht doch. Erstaunlich, wie laut das langgezogene »Caa-roo-line« aus dem gleichnamigen Song unter Stoff mitgesungen werden kann. Arlo Parks hält das Mikro in unsere Richtung und strahlt. Sie macht das in jeder Stadt, sagt sie und lobt: »That was pretty loud!«

Ja, es wird viel gestrahlt und gejubelt an diesem Abend. Als Arlo Parks in schwarzem Dizzy-Gillespie-T-Shirt, roten Sportshorts und roten Strümpfen auf die Bühne kommt, bricht der erste Jubel los. Da wackelt das Dach. Parks hat eine natürliche Aura, die die Energie des Raums sofort aufnimmt und weiterträgt. Sie freut sich über die Atmosphäre, freut sich über ihren Erfolg, aber sie tut das mit Haltung und erstaunlichem Charisma. Den Song »Cola« sagt sie so an: 17 war sie, als sie ihn schrieb; sie ging noch zur Schule, war mit den A-Levels (dem Abitur vergleichbar) beschäftigt. Musik war etwas, das sie nebenbei ausprobierte, für sich allein. 2019 erschien die EP »Super Sad Generation«, die den Nerv der Generation Z traf. Anfang 2021 veröffentlichte sie ihr Album »Collapsed in Sunbeams«, vom Himmel regnete es Poppreise und Lobeshymnen.

Arlo Parks holt viele ab, vor allem den sensibleren, oft auch labileren Teil der Jugend. Ihre einfühlsamen Texte machen Mut. Etwa »Black Dog«, in dem sie die schwere psychische Erkrankung Depression akzeptierend beschreibt. Der Song »Hope« bewegt sich sozusagen im selben Fahrwasser, darin heißt es: »You’re not alone / Like you think you are / We all have scars / I know it’s hard / You’re not alone.« So allein, wie du dich manchmal fühlst, wenn du dich schämst dafür, dich den ganzen Tag eingeschlossen zu haben, bist du nicht. Wir haben alle unsere Narben, sie gehören nun mal zu uns: »Making peace with our own distortions.«

Soul ist ein weiteres Stichwort. Arlo Parks spielt ihn nicht, aber man spürt ihn in ihrer Musik. Dieses Soul-Feeling, versetzt mit trockenen, basslastigen Beats und Triphop-Elementen, dazu die Poesie in den Texten (ein paar Rapeinlagen) – das ist eine Mischung, von der sich viele Menschen angesprochen, angezogen fühlen. Ein Großteil des Publikums in Köln ist studentisch, ebenfalls gut vertreten sind die Millennials, auch die Generation X (Jahrgang 1965 bis 1980) muss man nicht groß suchen.

Sie alle feiern mit Arlo Parks. Ihre auf dem Album ziemlich lässig daherkommenden Songs haben live noch einmal einen anderen Wumms. Der Sound der Band: kraftvoll, klar, angeschoben von treibendem Schlagzeug- und präsentem Bassspiel. Gezielte Trompeteneinsätze, sich überlagernde Keyboardsounds, tolle E-Gitarre, auch das. Getanzt wird fast durchgängig: »Ich habe ein paar gute Moves gesehen«, freut sich Arlo Parks über die Party, die sie da angezettelt hat. Nach einer knappen Stunde ist Schluss. Mehr Material hat sie noch nicht.

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