75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Montag, 24. Januar 2022, Nr. 19
Die junge Welt wird von 2569 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 23.11.2021, Seite 16 / Sport
Ski alpin

Kalte Nächte in Levi

Der Gewinnerin ein Rentier: Am Wochenende fanden in Finnland Slalomweltcuprennen der Damen statt
Von Gabriel Kuhn
imago1008160718h Kopie.jpg
Toll, 80 Kilo Gulasch! Da freut sich die Familie (Petra Vlhova und ihr Hauptpreis, 21.11.2021)

Nähert man sich dem finnischen Wintersportort Levi mit dem Auto, fährt man weite Strecken über Schotterwege. Gelegentlich blockieren Rentiere die Straße. In Levi angekommen, glaubt man sich in einer anderen Welt. Architektonischer Alpenkitsch vermischt sich mit Fast-Food-Restaurants, Santaschlitten stehen neben Aprés-Ski-Bars.

Levi liegt im traditionellen Siedlungsgebiet der Sámi, der indigenen Bevölkerung des europäischen Nordens. Alle Orte hier haben auch samische Namen. Außer Levi. Wie ein Sámi einst erklärte: »Levi ist kein richtiger Ort. Das ist etwas anderes.«

Weltcupslaloms finden hier trotzdem statt. Oder vielleicht gerade deshalb. Die ersten wurden vor 17 Jahren ausgetragen. Seit 15 Jahren sind sie im November angesetzt, am Anfang der Saison. Die nördliche Lage garantiert zwar nicht genug Schnee, aber genug kalte Nächte, um diesen künstlich zu produzieren.

Die Gewinner der Slaloms von Levi erhalten ein Rentier. Der achtfache Weltcupgesamtsieger Marcel Hirscher besitzt drei von ihnen. Sie heißen Ferdl, Leo und Mr. Snow. Hirscher beendete seine Karriere vor zwei Jahren. Es heißt, er besuche die Tiere von Zeit zu Zeit.

In der Saison 2020/21 kam es aufgrund der Coronapandemie zu einer Änderung im Programm. Anstatt einen Slalom der Herren und einen der Damen auszutragen, wurden zwei Damenrennen abgehalten. Man versuchte, die »Blasen« der Herren und Damen so gut wie möglich voneinander zu trennen. Auch in diesem Jahr wurde an der Programmänderung festgehalten. Das mit den Blasen sieht man zwar nicht mehr so eng, aber auch der Internationale Skiverband FIS gibt sich mittlerweile klimabewusst. Mehr Rennen derselben Athleten an einem Ort bedeuten weniger Reisen, das macht sich gut.

Die Slaloms der Saison 2021/22 fanden am vergangenen Wochenende statt. An der Spitze gab es keine Überraschungen. Die Gesamtweltcupsiegerin des Vorjahres, Petra Vlhova, siegte zweimal vor US-Superstar Mikaela Shiffrin. Die Österreicherin Katharina Liensberger, im Vorjahr überraschend Gewinnerin des Slalomweltcups, blieb mit den Rängen sechs und acht hinter den Erwartungen zurück.

Erfreulich verlief das Wochenende aus Sicht des Deutschen Skiverbandes. Die 30jährige Lena Dürr (SV Germering) wurde an beiden Tagen ausgezeichnete Dritte. Angesichts der Dominanz von Vlhova und Shiffrin wurde Dürr von der Onlineplattform skiweltcup.tv gar zur »heimlichen Skikönigin« von Levi erklärt. Im Januar 2013 hatte sie schon einmal überrascht. Als Ersatzläuferin für Viktoria Rebensburg eingesprungen, gewann sie ein Weltcupparallelrennen in Moskau, ein sogenanntes »City-Event«. Bis zum vergangenen Wochenende war es Dürrs einzige Podestplazierung im Weltcup.

Eine beeindruckende Talentprobe legte Emma Aicher (SC Mahlstetten) ab, die erst vor wenigen Tagen ihren 18. Geburtstag feierte. Aicher startet erst seit 2020 für den DSV. Aufgrund ihrer schwedischen Mutter durchlief sie die Nachwuchskader des Schwedischen Skiverbandes. Es waren die besseren Trainingsmöglichkeiten in den Alpen, die sie von einem Verbandswechsel überzeugten. Am Sonnabend fuhr sie auf Rang 14. Am Sonntag fiel sie nach missglücktem zweitem Lauf von Rang 13 noch auf Rang 23 zurück, gewann jedoch abermals Weltcuppunkte. Auch Jessica Hilzinger (SC Oberstdorf) punktete mit Rang 25 am Sonnabend und Rang 22 am Sonntag doppelt. Für Rang 18 am Sonntag reichte es für Andrea Filser (SV Wildsteig).

Der Skiweltcup der Damen wird am kommenden Wochenende mit einem Slalom und Riesenslalom in Killington in den USA fortgesetzt. Die Herren werden in Lake Louise (Kanada) zwei Abfahrtsläufe und einen Super-G bestreiten.

Zeitung gegen Profitlogik

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die zeit ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern tun.

Um dieses Jubiläum entsprechend zu würdigen, hat die junge Welt die 75er-Aktion gestartet. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Mehr aus: Sport