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Aus: Ausgabe vom 22.11.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Kein Mao

Zu jW vom 13./14.11.: »›Das neoliberale ­Fundament bleibt unangetastet‹«

Wieder einmal soll hier anscheinend das Ansehen eines lateinamerikanischen Präsidenten, der unabhängig und ohne »NATO Global Partnership« bleiben will, untergraben werden. Präsident Andrés Manuel López Obrador (AMLO) wurde in Mexiko für eine soziale und eine Justizreform gewählt. Er ist nicht der »Mao« Mexikos. Jetzt erhalten viele Ruheständler eine Rente, was vorher nicht der Fall war. (…) Präsident AMLO fördert die nationale Energiegewinnung gegenüber ausländischen Gesellschaften, junge Menschen erhalten eine Ausbildungsförderung. AMLO wurde nach seiner UN-Rede vor einer Woche begeistert von Mexikanern in New York begrüßt. Es gibt also eine Militarisierung? Das seit 1806 bestehende U. S. Army Corps of Engineers hat innerhalb der USA beständig 36.000 Ingenieure zum Erhalt und Ausbau der nationalen Infrastruktur im Einsatz! AMLO entsendet Mexikos Militäringenieure zum Bahn- und Flughafenbau sowie zur Hafenverwaltung. 1.445 Nationalgardisten kommen als Tourismuspolizei zum Einsatz. Die Touristen kommen wieder, weil Mexiko Covid ordentlich bekämpft mit 95 Prozent Geimpften in Mexiko-Stadt. (…) Kein »Jesus« kann in Mexiko die Kriminalität verhindern, weil sich die vielen Millionen US-Amerikaner in der Nachbarschaft jeden Tag berauschen müssen – mit Drogen aus Lateinamerika oder mit von der US-Pharmaindustrie hergestellten Drogen. (…) Bis Mitte der 1960er konnte man überall in Mexiko sogar in der Nacht allein herumlaufen. Auch in Tijuana, obwohl in Los Angeles schon Überfälle passierten. Der Film »Danzón« (suche unter »Película Danzón«) zeigt diese gemütliche Periode im Mexiko in der Mitte des vorherigen Jahrhunderts.

Itaia Muxaic de Ricart, San Juan/Puerto Rico

Einzigartig

Zu jW vom 17.11.: »Contras liefern nicht«

SPD und Grüne und natürlich auch die konservativen und liberalen Parteien der BRD fordern im Verbund mit scheinbar linken Blättern wie der Taz von Linken, sich von der Kubanischen Revolution zu distanzieren. Umsturzversuche (…) werden dabei toleriert und aktiv unterstützt. Die kubanische Zivilgesellschaft (…) macht dagegen mobil. Zu Recht! Die hiesige Presse diffamiert diese Menschen als Handlanger der Regierung und »Büttel des kommunistischen Regimes«. Ich erwarte von Linken und Funktionsträgern und Mitgliedern der gleichnamigen Partei, die hier und da den Taz-Parolen folgen oder Glauben schenken, nach Kuba zu fahren und sich vor Ort zu informieren! Schließlich ist es aus meiner Sicht das Mindeste für Linke, die Worte des mexikanischen Präsidenten zu Kuba zu unterstützen: »Es gibt keine Objektivität, es gibt keine Ausgewogenheit. Und wie ich bereits bei anderen Gelegenheiten gesagt habe, verdient ein Land, das nach zwei Jahrhunderten politischer Bevormundung in Amerika den Mut besitzt, sich frei und unabhängig zu fühlen, schon allein deshalb unsere Bewunderung und unseren Respekt, es ist einzigartig.« (…) Es mag hier und da zu ungerechtfertigten Aktionen kubanischer Behörden gegen Contra-Aktionen oder auch gegen kritische Bürger gekommen sein. Die Kubanische Revolution und ihre Regierung haben aus den Ereignissen 1989/90 in Osteuropa gelernt und handeln sehr besonnen im Umgang mit Kritikern, solange die sich nicht offensichtlich in großem Stil von den USA mit Ziel des Umsturzes steuern und bezahlen lassen! Das lässt sich keine Regierung der Welt gefallen! Ich erwarte von einer sozialistischen Partei mit einem guten Programm (Erfurt), dass sie auch im alltäglichen politischen Geschäft jederzeit öffentlich wahrnehmbar dazu klar Stellung bezieht!

Carsten Schulz, Berlin

Umstieg verpasst

Zu jW vom 6./7.11.: »Markt regelt Bahnverkehr«

Die Vorstellung von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP von einer Trennung von Betrieb und Infrastruktur sehe ich kritisch. Die Niederlande haben ihr Eisenbahnnetz Pro Rail gegeben. Jetzt bestimmt Pro Rail den Fahrplan. Wenn dort für einen Personenzug ein Signal auf Grün gestellt wird, muss er innerhalb von 20 Sekunden losfahren und dabei auch umsteigende Reisende auf dem Bahnsteig zurücklassen, weil sonst der Betreiber des Personenzugs Bußgelder an Pro Rail entrichten muss. Für Pro Rail gilt nur noch die Maxime, die Zugänglichkeit aller Bahnanbieter auf dem überlasteten niederländischen Schienennetz zu gewährleisten, wobei umsteigende Reisende nicht mehr die höchste Priorität haben. Und es klemmt mit Pro Rail auch beim Streckenausbau. (…) In den Niederlanden ist trotz weitaus häufigerer Streckensperrungen wegen Bauarbeiten als in der BRD das Bestandsschienennetz in einem derart schlechten Zustand, dass die Züge mit Ausnahme der ICE-Neubaustrecke Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen an keiner Stelle schneller als nur 140 km/h fahren können. (…) Daher sollte die BRD dem niederländischen Beispiel der Trennung von Bahnbetrieb und Infrastruktur nicht folgen (…).

Ulrich Neef, Plauen

Verbrecherisch

Zu jW vom 17. und 18.11.: »Die schleichende Pandemie« und »Planet der Keime«

Diese beiden Artikel liefern ein weiteres Beispiel dafür, wie verheerend und zerstörerisch der Kapitalismus heute wirkt. Zynisch könnte man sagen, dass es bald keiner Atombomben mehr bedarf, um die Menschheit auszurotten, an so vielen Stellen untergräbt das Profitmotiv ihre Fortexistenz. Wie so oft scheint es am mangelnden Denkvermögen der Handelnden zu liegen, wenn Unsinnigstes getan wird. Die Fähigkeit der Menschheit zu untergraben, sich auch in Zukunft gegen verheerende Krankheiten wehren zu können, scheint verbrecherisch und völlig unverständlich. Es sind, wie beschrieben, völlig verdrehte Verhältnisse, die erst gar nicht nach Sinn oder Unsinn menschlichen Tuns fragen lassen, wenn es um Geld und Profit geht. »Das Kapital ist gleichgültig gegenüber dem Gebrauchswert«, schrieb Marx einst. Was wohl einschließen kann, auch die Zerstörung der menschlichen Zivilisation zu riskieren, sollte sich das irgendwie profitabel gestalten lassen.

Joachim Seider, per E-Mail

›Das Kapital ist gleichgültig gegenüber dem Gebrauchswert‹, schrieb Marx einst. Was einschließen kann, auch die Zerstörung der menschlichen Zivilisation zu riskieren.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

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  • Leserbrief von E. Rasmus aus Berlin (22. November 2021 um 13:10 Uhr)
    Joachim Seider hat in Ergänzung zu den Artikeln »Die schleichende Pandemie« und »Planet der Keime« völlig recht mit seinem Leserbrief, und ich finde es gut, dass er Marx mit den Worten zitiert: »Das Kapital ist gleichgültig gegenüber dem Gebrauchswert«, mit dem eigenen Fazit, es würde »auch die Zerstörung der menschlichen Zivilisation (…) riskieren, sollte sich das irgendwie profitabel gestalten lassen«. Allerdings hätte ich mir zum Marx-Zitat die genaue Quellenangabe gewünscht, die vermutlich »Das Kapital« ist. Dem Kapital bleibt die Profiterheischung inhärent. Und das schließt allerdings genauso die globale Gier mit dem Rüstungswahn ein. Und wir sollten die Komplexität des Untergangsweges aktuell nicht außer acht lassen. Lenin schrieb bereits vor 108 Jahren in der Prawda Nr. 50 am 1. März 1913: »Die wahnsinnigen Rüstungen und die Politik des Imperialismus schaffen im heutigen Europa einen ›sozialen Frieden‹, der am ehesten einem Pulverfass gleicht.« Dabei weist er im weiteren auch auf die Zersetzung »aller bürgerlichen Parteien« hin. Für mich hat der Kapitalismus alternativlos den einzigen Gebrauchswert als Tauschwert zum Sozialismus, dessen Gebrauchswert in der Einheit von Weg und Ziel zu einer klassenlosen Gesellschaft ohne Ware-Geld-Beziehung im Einklang mit der Natur besteht.