75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Donnerstag, 2. Dezember 2021, Nr. 281
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 20.11.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

jW_Leserbriefe_Standart(2).jpg

Kein Schwarzweiß

Zu jW vom 13./14.11.: »Aus Leserbriefen an die Redaktion«

Ich kann nicht anders, als auf die Zuschrift von Alexandra Liebig zu reagieren, die ich als einseitig und einer unerträglichen Schwarz-Weiß-Logik unterliegend empfinde (…): 1. Die Verhaftung von Kommunisten nicht nur des PCF vor dem Krieg ist das Ergebnis eines Regierungswechsels, aber auch eines großen Misstrauens, das durch den Nichtangriffspakt zwischen der UdSSR und dem Dritten Reich hervorgerufen wurde. (…) 2. Die französische Vorkriegsregierung, die die Kommunisten verfolgte, war nicht mehr die Regierung der Volksfront. 3. Dass der sogenannte Sitzkrieg nicht so »ruhig« war, zeigt die Saarland-Offensive, bei der die französische Nordostarmee im September 1939 kurz nach dem Überfall der Nazitruppen auf Polen siegreich an die Saar vordrang und nur auf geringen Widerstand stieß: Die deutschen Nazitruppen waren im Osten konzentriert. Das Kalkül war, einerseits Polen zu helfen, indem man das Reich zwang, seine Ostfront zu räumen, und andererseits im schlimmsten Fall (Niederlage Polens) eine Pufferzone (bis zum Rhein) zu schaffen, um die Rückkehr der Nazitruppen in den Westen und den unvermeidlichen militärischen Zusammenstoß mit Frankreich vorzubeugen. Leider bekamen die Offiziere, die diese Entscheidung getroffen hatten, vom französischen Generalstab den Befehl, sich hinter die Maginot-Linie zurückzuziehen. Dies zeigt die Uneinigkeit dieses Stabs in bezug auf die zu verfolgende Strategie, ganz zu schweigen von den Sympathien einiger Franzosen für das Reich, die allerdings nicht unbedingt in der Mehrheit waren. 4. Nach der militärischen Niederlage wurden viele Mitglieder der Volksfrontregierung verhaftet und deportiert. Léon Blum selbst wurde in Buchenwald inhaftiert (…), ebenso wie der konservative Georges Mandel. (…) – Die Feinde meiner Feinde sind nicht unbedingt meine Freunde, und der Zweck heiligt nicht die Mittel. Nicht alles war weiß auf der »sowjetischen« Seite, und nicht alle Rechten spielten die faschistische Karte. Dies ist eine manichäische und mechanistische Sicht der Geschichte, die durch die Fakten widerlegt wird. (…)

Jean-François Maréchal, Wegnez/Belgien

Falscher Autor

Zu jW vom 11.11.: »Aus Leserbriefen an die ­Redaktion«

Anders als Leserin Heike Presberger sich erinnert, ist Ruth Werner nicht Autorin von »Dr. Sorge funkt aus Tokio«. Das Buch hat drei Autoren. Es basiert auf einer Artikelfolge von Horst Pehnert und Gerhard Stuchlik in der Jungen Welt. Sie wurde schließlich erweitert durch Julius Mader, seinerzeit ein auf Geheimdienste spezialisierter Autor.

Fritz Wengler, Berlin

So ein Quatsch

Zu jW vom 24./25.4.: »Kreuzworträtsel«

Ich habe eine Anfrage bezüglich des bei Ihrem Rätsel gewonnenen Buches von Éric Hazan, »Die Dynamik der Revolte«. Mich befremdet die völlig falsche Übersetzung von Elfriede Müller, die alles und jeden unzulässig verweiblicht. Die französischen Philosophen waren Männer, keine »Philosophinnen«. Bei den Aufständen in Frankreich wurden die Leute von keinen »Offizierinnen« und bei der Oktoberrevolution erst recht nicht von »Kosakinnen« angegriffen. Wo hat man »Bergarbeiterinnenstädte« oder »Arbeiterinnenviertel« gesehen? So ein Quatsch! Sie entstellt das ganze Buch, weil diese verfehlte Endung ständig auftaucht. Sie nennt sich ja selbst auch nicht Elfriede Müllerin. Ob der Autor davon überhaupt weiß? (…) Ansonsten ist das ein sehr lesenswertes Buch!

Heike Presberger, Potsdam

Lösungen sind da

Zu jW vom 17.11.: »›Glasgow hat diesen ­Ländern wenig gebracht‹«

(…) Globale Konferenzen bringen wenig, weil die Interessengegensätze zu groß für substantielle Ergebnisse sind. Außerdem nähren sie die Illusion, das Klimaproblem sei das einzige, mit der Beschränkung auf 1,5 Grad seien alle Probleme gelöst. In der Realität gibt es mindestens eine Handvoll lebensbedrohender Krisen. Hauptursache ist das zerstörerische »fossil-nukleare« Energiesystem, dessen Emissionen und Abfälle die Erde zunehmend unbewohnbar machen. Dazu gehören die energieintensive, bodenzerstörende Landwirtschaft und die Bauwirtschaft. Wir können hoffen, dass die Transformation auf solare Energiesysteme schnell genug gegen »fossile« Energiekonzerne durchgesetzt werden kann. Die Lösungen sind da, die Sonne liefert 20.000mal mehr Energie, als wir brauchen. Genauso wichtig ist die Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft. Wir ersticken in Abfällen, dabei gehen uns wichtige Rohstoffe wie Buntmetalle und Phosphat, selbst Sand aus. (…)

Wolfgang Doster, Erding

Paradoxe Erkenntnis

Zu jW vom 16.11.: »Deutsches Kapital sucht das Weite«

Wenn es stimmt, was die Bertelsmann-Stiftung hier behauptet, dann ist das eine unglaublich weitreichende Erkenntnis. Sie zeigt, dass viele Kapitalisten gar kein Problem mit einer sozialistischen Gesellschaft hätten, solange sie ihnen nur ihre Profite gewährt (…) Wenn man unter einer sozialistischen Wirtschaftsordnung so was wie in China versteht, nämlich eine zentralisierte Makroplanung, die über staatliche Banken den Zugang zu Kapital nach staatlichen Interessen gewährt, dann kann das durchaus auch im Interesse von Teilen des Kapitals sein. Was China erreicht hat, ist, dass die zentrale Planung makroökonomisch soviel effizienter ist als unsere Kein-Plan-Wirtschaft, dass es nicht wehtut, vom erzielten Mehrgewinn auch den Kapitalisten ein paar Prozent abzugeben. Man kann das überspitzt so formulieren: Der DDR-Sozialismus war so ineffizient, dass selbst die Arbeiter ärmer waren als im Kapitalismus, und der chinesische ist so effizient, dass selbst die Kapitalisten reicher werden als im Kapitalismus. Ein schönes linkes Ziel für Europa wäre, eine Gesellschaft zu errichten, die dank ähnlicher Planwirtschaft wirtschaftlich so effizient funktioniert wie die chinesische und dabei gesellschaftlich so liberal bleibt wie die europäische (…)

Hagen Radtke, Rostock

Chinas Ökonomie ist durch Planung soviel effizienter als unsere Kein-Plan-Wirtschaft, dass es nicht wehtut, vom Mehrgewinn auch den Kapitalisten ein paar Prozent abzugeben.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

  • Leserbrief von Ralph Petroff aus Schweinfurt (20. November 2021 um 17:23 Uhr)
    Leserbriefschreiber Maréchal führt die Verhaftung von Kommunisten in Frankreich auf Misstrauen aufgrund des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts zurück. Man könnte daraus schließen, die Sowjetunion sei schuld an dieser verständlichen Reaktion des französischen Staates. Wie aber kann ein Nichtangriffspakt Misstrauen erregen? Diese Frage stellt sich mir um so mehr, als Frankreich bereits vor der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Nazideutschland geschlossen hatte. Es ist sicher richtig, dass auf sowjetischer Seite nicht alles weiß war; aber wir müssen auch nicht schwarze Flecken suchen, wo keine sind.