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Aus: Ausgabe vom 18.11.2021, Seite 5 / Inland
Lieferdienste

Kontra fürs Management

Gorillas-Beschäftigte demonstrieren gegen Unionbusting. Berliner Arbeitsgericht weist Antrag auf einstweilige Verfügung des Konzerns zurück
Von Simon Zamora Martin
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Proteste gegen Unionbusting bei Gorillas am Dienstag abend in Berlin

Gorillas-Beschäftige haben Angriffe des Managements zurückgeschlagen: Am Mittwoch wies das Berliner Arbeitsgericht den Antrag auf eine einstweilige Verfügung des Lebensmittellieferkonzerns zurück, mit dem dieser die Wahl eines Betriebsrates verbieten wollte. Diesem Erfolg war eine Demonstration am Dienstag abend in der Hauptstadt vorausgegangen, bei der rund 500 Menschen gegen das Unionbusting bei Gorillas protestierten.

Als der Demonstrationszug gegen 18 Uhr vom Startpunkt vor dem Warenlager in der Muskauer Straße loszog, glänzten die Augen einiger Gorillas-Rider. Gegenüber der Polizei wurden 200 Teilnehmer angemeldet. Mehr als doppelt so viele Personen folgten dem Aufruf, welcher neben dem Gorillas Workers Collective von einem breiten Bündnis an gewerkschaftlichen Gruppierungen, sozialen Bewegungen und linken Gruppen getragen wurde; von »Deutsche Wohnen und Co. enteignen« bis zur »Berliner Krankenhausbewegung«. Die Breite der an der Mobilisierung beteiligten Gruppen zeigte, dass der Kampf gegen prekäre Arbeitsbedingungen und Unionbusting eine Bedeutung weit über Gorillas hinaus hat.

Beschäftigte von Amazon, Taxifahrer und Angestellte verschiedener Lieferdienste wie Lieferando, Foodpanda, Wolt, Getir und Flaschenpost sowie sich im Warnstreik befindende GEW-Betriebsgruppen der Schule in der Köllnischen Heide schlossen sich den Protesten an. Für die Bio-Company-Arbeiterin Anai Paz und ihre Kollegen waren die Proteste der Gorillas-Beschäftigten inspirierend. Die wilden Streiks dort hätten für viel Aufmerksamkeit und Diskussionen unter ihren Kollegen gesorgt. »Lasst uns weiter zusammenarbeiten, um noch mehr Arbeiter zu organisieren und weitere Allianzen zu schmieden«, sagte die junge Verkäuferin in ihrer Rede. »Und lasst uns kämpfen, damit unsere Gewerkschaften diesen Kampf unterstützen und ihre Basis mobilisieren.«

Mit einer großen Delegation beteiligten sich auch die aktuell streikenden AWO-Beschäftigten an der Demonstration. »Ihr habt ein Recht auf faire und fristgerechte Bezahlung für alle«, verkündete eine streikende Sprecherin der AWO-Tarifkommission in ihrer Rede. »Sich zu Recht wehrende Kolleginnen und Kollegen wegen sogenannter wilder Streiks zu feuern, ist unter aller Sau.«

Im Verlauf des vergangenen Monats gab es eine Reihe von Angriffen auf die organisierten Teile der Gorillas-Belegschaft. Nach einem erneuten wilden Streik in der ersten Oktoberwoche wurde ein Großteil der Kollegen fristlos gekündigt – wegen der Teilnahme an »illegalen Streiks«, wie das Unternehmen mitteilte. Kurz nach den Massenentlassungen stellte der Konzern am Berliner Arbeitsgericht einen Antrag auf einstweilige Verfügung, um die für kommende Woche geplante Betriebsratswahl zu verbieten.

Zum 1. Oktober hatte Gorillas ein neues Tochterunternehmen gegründet, in welches das gesamte operative Geschäft verschoben wurde. In ihrem schriftlichen Antrag vor dem Arbeitsgericht nutze das Unternehmen die Ausgründung als Argument, warum die Wahl eines Betriebsrates unzulässig sei. Außerdem schickte Gorillas einen Tag vor dem Prozess am Mittwoch eine ­E-Mail an den Wahlvorstand, die jW vorliegt. Darin erklärt das Unternehmen, das Mandat des Wahlvorstandes sei mit sofortiger Wirkung erloschen, und die Berliner Warenlager seien in Franchise-Unternehmen umgewandelt. Bedeutet: Jedes Warenlager sei ein selbständiges Unternehmen ohne Verbindung zum Mutterkonzern. Vor Gericht konnte oder wollte das Unternehmen jedoch nicht beweisen, wie Gorillas intern organisiert ist. Ohne Beweise, dass die Warenlager wirklich unabhängig operieren und nicht an Weisungen aus der Firmenzentrale gebunden sind, wies das Berliner Arbeitsgericht den Antrag auf Abbruch der Betriebsratswahlen zurück. Die für kommende Woche geplante Betriebsratswahl bei Gorillas kann nun wie geplant durchgeführt werden. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass Gorillas die Wahlen im nachhinein gerichtlich anfechten wird.

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