75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 4. / 5. Dezember 2021, Nr. 283
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 17.11.2021, Seite 7 / Ausland
Sozialistisches Kuba

Contras liefern nicht

Kubanische Systemgegner scheitern mit erneuten »Massenprotesten«. Provokation soll verlängert werden
Von Volker Hermsdorf
7.JPG
Statt Bildern von Demos gab es am Montag nur Aufnahmen von Rollschuhfahrern aus Havanna

Kubanische Systemgegner und ihre Unterstützer sind am Montag mit dem Versuch gescheitert, der Welt neue Bilder über »Massenproteste« gegen die Regierung der sozialistischen Inselrepublik zu liefern. »Ich bin heute in Habana Vieja, Centro Havanna und Vedado herumgefahren. Überall war es ruhig und alles bei relativ geringer Polizeipräsenz. Eine Gruppe von etwa acht Polizisten habe ich lediglich in der Calle Obispo gesehen, die in einem kleinen Park ziemlich gelangweilt auf Parkbänken saßen«, berichtete der Hamburger Filmemacher Hans-Peter Weymar am Montag abend (Ortszeit) im Gespräch mit jW.

Statt gewalttätiger Ausschreitungen wie am 11. Juli gab es überall Feiern zur Wiedereinschulung der 1,6 Millionen Kinder, von denen die meisten bereits geimpft sind. Mit der Öffnung für den internationalen Tourismus verbindet Kuba bei einer am Montag auf 23,1 pro 100.000 Einwohner gesunkenen Sieben-Tage-Inzidenz – trotz verschärfter US-Blockade – zudem die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholungsphase. Selbst der staatliche US-Propagandasender Radio and TV Martí und das in Madrid erscheinende Contraportal Diario de Cuba konnten keine Belege für Massenproteste präsentieren. Statt dessen verbreiteten sie Bilder von Aufmärschen exilkubanischer Contras in Miami und anderen Teilen der Welt. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez warf Netzwerken wie Facebook und Twitter vor, durch Manipulation ihrer Algorithmen den Eindruck einer anderen Realität zu erwecken. Einige deutschsprachige Medien veröffentlichten ungeprüft Falschmeldungen der Systemgegner. So behauptete die »Tagesschau«, Yunior García Aguilera, ein Mitbegründer der von den USA unterstützten Contra-Plattform »Archipiélago«, sei von »Polizisten in Zivil« daran gehindert worden, seine Wohnung zu verlassen. Tatsächlich belegt ein Video, dass ihm Nachbarn an der Wohnungstür vorwarfen, als Handlanger der USA zu agieren. »Natürlich sind die Menschen hier nicht glücklich über die Versorgungsnöte, darüber, endlos in Schlangen anzustehen und über den Mangel an Medikamenten. Aber die meisten wissen, wo der Hauptgrund dafür zu finden ist«, habe ein Bekannter in Centro Havanna geäußert, berichtet Hans-Peter Weymar. »Und man kann natürlich auch darüber streiten, ob es richtig ist, Demonstrationen zu verbieten. Aber ich kann das verstehen, wenn man weiß, was alles von außen gesteuert und finanziert wird«, habe sein Gesprächspartner hinzugefügt, so der Filmemacher.

Mit Verweis auf die Rolle der USA und rechter Exilkubaner erklärte Außenminister Rodríguez am Montag: »Es gibt Leute außerhalb Kubas, die andere Erwartungen hatten, die aber diesmal nicht erfüllt wurden. Doch sie werden nicht aufgeben.«

Wie zur Bestätigung veröffentlichte Diario de Cuba bereits am Dienstag eine Ankündigung von »Archipiélago«, dass »der Marsch der Bürger für den Wandel bis zum 27. November, oder bis das Regime die Verletzung der Bürgerrechte einstellt, verlängert wird«. ­Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador verurteilte derartige Kampagnen gegen Kuba. »Es gibt keine Objektivität, es gibt keine Ausgewogenheit. Und wie ich bereits bei anderen Gelegenheiten gesagt habe, verdient ein Land, das nach zwei Jahrhunderten politischer Bevormundung in Amerika den Mut besitzt, sich frei und unabhängig zu fühlen, schon allein deshalb unsere Bewunderung und unseren Respekt, es ist einzigartig«, zitierte der lateinamerikanische Nachrichtensender Telesur den mexikanischen Staats- und Regierungschef am Montag.

Washington und die EU hatten der kubanischen Regierung dagegen schon vorab vorgeworfen, Proteste und Informationsfreiheit zu unterdrücken. Sie begründeten ihre Vorwürfe unter anderem damit, dass kubanische Behörden am Sonnabend fünf Mitarbeitern der spanischen Nachrichtenagentur Efe die Akkreditierung »zur Überprüfung« entzogen hatten. Nachdem zwei Betroffene ihre Erlaubnis am Sonntag zurückerhalten hatten, bezeichnete Efe-Chefin Gabriela Cañas dies als »unzureichend« und forderte die Rückgabe aller Beglaubigungsschreiben. Die Sprecherin des EU-Außenbeauftragen Josep Borrell, Nabila Massrali, sagte, man erwarte eine Erklärung der kubanischen Behörden.

Zeitung gegen Profite mit der Gesundheit

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

  • Leserbrief von Carsten Schulz aus Berlin (18. November 2021 um 12:13 Uhr)
    SPD und Grüne und natürlich auch die konservativen und liberalen Parteien der BRD fordern im Verbund mit scheinbar linken Blättern wie der Taz von uns Linken, sich von der kubanischen Revolution und ihrer Regierung zu distanzieren. Umsturzversuche, ansetzend auf den wirklich gravierenden Versorgungsmängeln, werden dabei faktisch toleriert und aktiv unterstützt, die durch die unmenschliche Wirtschafts- und Finanzblockade Kubas durch die USA und faktisch auch die EU zugespitzt werden. Die kubanische Zivilgesellschaft, die sich sowohl aus dem Studenten- und Jugendverband als auch den Gewerkschaften, dem Frauenverband, Organisationen kubanischer Auswanderer, sehr unterschiedlichen sozialen und Kulturinitiativen sowie aus den Komitees zur Verteidigung der Revolution zusammensetzt, macht dagegen mobil. Zu Recht! Die hiesige Presse diffamiert diese Menschen als bezahlte Handlanger der Regierung und »Büttel des kommunistischen Regimes« … Ich erwarte von Linken und Funktionsträgern und Mitgliedern meiner gleichnamigen Partei, die hier und da den Taz-Parolen folgen oder Glauben schenken, nach Kuba zu fahren, und sich vor Ort an verschiedener Stelle (!) zu informieren. Schließlich ist es aus meiner Sicht (»Entschuldigung«!) das Mindeste für Linke, die Worte des mexikanischen Präsidenten zu Kuba zu unterstützen: »Es gibt keine Objektivität, es gibt keine Ausgewogenheit. Und wie ich bereits bei anderen Gelegenheiten gesagt habe, verdient ein Land, das nach zwei Jahrhunderten politischer Bevormundung in Amerika den Mut besitzt, sich frei und unabhängig zu fühlen, schon allein deshalb unsere Bewunderung und unseren Respekt, es ist einzigartig.« So zitierte der lateinamerikanische Nachrichtensender Telesur den mexikanischen Staats- und Regierungschef Lopez Obrador am Montag. Es mag hier und da zu ungerechtfertigten Aktionen kubanischer Behörden gegen Contraaktionen oder auch gegen kritische Bürgerinnen gekommen sein. Die Kubanische Revolution und ihre Regierung hat in zweierlei Richtung aus den Ereignissen 1989/90 in Osteuropa gelernt und handelt sehr besonnen im Umgang mit Kritikern, solange die sich nicht offensichtlich in großem Stil von den USA mit Ziel des Umsturzes steuern und bezahlen lassen! Das lässt sich keine Regierung der Welt gefallen! Ich erwarte von einer sozialistischen Partei mit einem guten Programm (Erfurt), dass sie auch im alltäglichen politischen Geschäft jederzeit öffentlich wahrnehmbar dazu klar Stellung bezieht!

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Kann sich der Unterstützung seiner Bevölkerung sicher sein: Präs...
    15.11.2021

    ¡No pasarán!

    Gegen Contra-Attacken: Tausende solidarisieren sich mit sozialistischer Republik und fordern »Hände weg von Kuba«
  • Saß am längeren Hebel. Als US-Präsident (1901–1909) erweiterte T...
    08.11.2021

    Big Stick

    Varianten der Gewalt. Entstehung und Methodik des US-Imperialismus in Lateinamerika gestern und heute. 16 Thesen
  • Die CIA lässt grüßen: Der Schauspieler und Dramaturg Yunior Garc...
    30.10.2021

    Rückendeckung aus den USA

    Geplante Contraproteste in Kuba: Vernetzung mit Terroristen in Miami – »propagandistische Hilfe«

Regio: