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Aus: Ausgabe vom 16.11.2021, Seite 16 / Sport
Ski alpin

Wenigstens hat’s geschneit

Parallelrennen Lech/Zürs: Vorarlberg lässt sich das Werbeevent einiges kosten
Von Gabriel Kuhn
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Leg’ nen Zahn zu, beim Mäcs sind Los Wochos! Leichtgewichte haben bei Doppelrennen keine Chance (Trevor Philp vs. Christian Hirschbühl, 14.11.2021)

Am Wochenende wurden die einzigen Parallelwettbewerbe der diesjährigen alpinen Skiweltcupsaison abgehalten. Schauplatz: das Luxusskigebiet Lech/Zürs im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Welchen Stellenwert die Parallelwettbewerbe bei den Sportlern selbst haben, wurde vor allem im Damenrennen deutlich. Dort traten die beiden Favoritinnen für den Gesamtweltcupsieg, der US-Superstar Mikaela Shiffrin und die slowakische Vorjahrssiegerin Petra Vlhová, gar nicht erst an.

Parallelrennen im alpinen Skilauf wurden erstmals in den 1970er Jahren in der nordamerikanischen World Pro Ski Tour ausgetragen. Dort fuhren Rennläufer, die sich im Weltcup nicht durchsetzen konnten. Mit skifahrerischem Können haben die Parallelrennen nur bedingt zu tun. Zwei identische Bahnen lassen sich im Alpinen Skilauf nicht herstellen, dem Start kommt eine enorme Bedeutung zu, und leichtgewichtige Rennläufer sind praktisch chancenlos.

Die World Pro Ski Tour wurde Anfang der 1990er Jahre eingestellt. Als der Internationale Skiverband FIS vor einigen Jahren nach Wettbewerben suchte, um den sinkenden Einschaltquoten bei Weltcuprennen entgegenzuwirken, besann man sich jedoch der Parallelrennen. Erstmals wurden diese auch im Weltcup ausgetragen. Die Rennläufer ließen sich nie überzeugen. Bei der alpinen Skiweltmeisterschaft 2021 verkamen die Rennen gar zur ­Farce. Der ehemalige Spitzenläufer Felix Neureuther bezeichnete sie in der ARD als »Katastrophe«.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrung wurden in dieser Saison die Parallelrennen fast gänzlich aus dem Weltcupprogramm gestrichen. Warum galt das nicht für die Rennen in Lech/Zürs, die zudem zu einer Zeit ausgetragen werden, in der noch niemand Skifahren geht? Der Grund ist derselbe wie beim terminlich absurden Weltcupauftakt drei Wochen zuvor am Gletscher von Sölden: Die Ski- und Tourismusindustrie braucht die Events für frühe Buchungen.

In Lech/Zürs lässt man sich den Werbespaß einiges kosten. Genauer gesagt: fast drei Millionen Euro. Alleine die TV-taugliche Flutlichtanlage kostet mehr als eine Million. Sie wird nur temporär errichtet. Für den Auf- und Abbau eines jeden Mastes bedarf es mehrerer Hubschrauberflüge. Es ist von Vorteil, dass die Wirtschaftstreibenden der Region gute Verbindungen zur Österreichischen Volkspartei (ÖVP) haben, die in Vorarlberg seit Jahrzehnten regiert. Die Landesregierung subventioniert die Rennen mit über einer Million Euro, die Gemeinde Lech schießt eine halbe Million dazu. Derweil verkauft der Österreichische Skiverband mit Freude die Fernsehrechte.

Mit Baugenehmigungen nehmen es die Veranstalter nicht so genau. Nach den Rennen im Vorjahr wurden mehrere Strafverfahren bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft eingeleitet. Weder für das angelegte Schneedepot oder die künstliche Beschneiungsanlage noch für das Umgraben des Hanges oder die Lkw-taugliche Zufahrtsstraße waren Genehmigungen eingeholt worden. Auch eine Hütte, die im Weg stand, wurde einfach einige hundert Meter versetzt. Eines der Verfahren ist abgeschlossen, die Veranstalter wurden zu einer Zahlung von 60.000 Euro verurteilt. Ein Klacks angesichts der Gelder, die aus öffentlicher Hand fließen.

Wenigstens schneite es in diesem Jahr. Im Vorjahr wurde auf einem weißen Band in brauner Landschaft gefahren. Bei den Damen gewann heuer die Slowenin Andreja Slokar vor den Norwegerinnen Thea Louise Stjernesund und Kristin Anna Lysdahl. Bei den Herren gab es einen österreichischen Doppelsieg durch Christian Hirschbühl und Dominik Raschner, der Norweger Atle Lie McGrath wurde Dritter. McGrath ist der einzige der Genannten, der auch bei einem traditionellen Weltcuprennen schon einmal auf dem Podium stand.

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