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Aus: Ausgabe vom 16.11.2021, Seite 8 / Ansichten

Wiederholungstäter des Tages: Wolfgang Joop

Von Michael Saager
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»Besser Kontakt mit reichen Männern haben, als an der Supermarktkasse sitzen zu müssen« – Wolfgang Joop

Der gute alte Wolfgang Joop mal wieder. Nicht so verwirrt wie Jopi Heesters in seinen letzten Jahren, aber richtig frisch im Kopf ist der 76jährige Modemacher vermutlich auch nicht mehr. Oder doch? Das wäre noch schlimmer. Aber von vorn. In einem Interview mit dem Spiegel (13.11.) hatte Joop gesagt, er habe bei Karl Lagerfelds Tod geweint, weil damals eine Ära zu Ende gegangen sei, und »diese Welt so wunderbar frivol und frigide war. Alles war käuflich. Die Agenturen gaben die Schlüssel zu den Zimmern der Models, die nicht soviel Geld brachten, an reiche Männer. Und wenn sich ein Mädchen beschwerte, hieß es: Wir können auch auf dich verzichten.« Joop plauderte also, so ist er halt, quasi im Vorbeigehen aus, dass die Vergewaltigung von Models damals alltäglich gewesen sei. Die Interviewer entgegneten – tolle journalistische Intervention übrigens –, das sei doch fürchterlich. Joop darauf lapidar: »Ja. Aber wirklich schön ist die Modewelt nur, wenn es auch die Sünde gibt.« Genau: Du liegst auf deinem Bett, hörst einen Schlüssel im Schloss, siehst den Schatten eines Mannes, weißt, was als nächstes passiert. Sünde, Glamour, schöner Schein? Vielen Dank auch, du blödes … Es folgte ein Shitstorm und, na klar, die Entschuldigung Joops. »Meine Aussage bezüglich der Sünde in der Modewelt war im Kontext deplaziert«, schrieb er in einem am Sonntag abend veröffentlichten Beitrag bei Facebook und Instagram. Er habe halt mit drastischen Worten »auf die Korruption und Frivolität der siebziger und achtziger Jahre der Branche« hingewiesen. Das hat er getan. Sogar mehr als das. Und weil er nun mal nicht die Klappe halten kann, redete er sich beim Interview mit Bild (15.11.) gleich noch einmal um Kopf und Kragen: »Besser Kontakt mit reichen Männern haben, als an der Supermarktkasse sitzen zu müssen«. Respekt.

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