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Aus: Ausgabe vom 16.11.2021, Seite 6 / Ausland
Coronapandemie

Premiere im Atombunker

Israels Staatsapparat bereitet sich mit Übung auf noch schwerere Pandemien als Covid-19 vor
Von Knut Mellenthin
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Israels Premier Naftali Bennett (l.) am Donnerstag während der Virussimulation im Atombunker in Tel Aviv

In Israel fand am Donnerstag eine landesweite Bereitschaftsübung statt, die von der Regierung offiziell als »erste ihrer Art in der Welt« bezeichnet wurde. Durchgespielt wurde dabei ausnahmsweise nicht die Abwehr eines militärischen Feindes, sondern der »Krieg« gegen eine unbekannte, noch tödlichere Variante des Corona­virus. Da die Mutationen in der Reihenfolge ihres Auftretens mit griechischen Buchstaben benannt werden, hatte man sich bei der Planung an den letzten Buchstaben des Alphabets, Omega, gehalten. Unter diesem Namen lief dann auch die Übung.

Die Leitung lag beim Direktor der Abteilung Zivilverteidigung im Kriegsministerium, Moshe Edri. Beteiligt waren unter anderem Premierminister Naftali Bennett, die Generaldirektoren aller relevanten Ministerien und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und auch Vertreterinnen und Vertreter des Nationalen Sicherheitsrats und der Streitkräfte. Hauptschauplatz der landesweiten Übung »im Format eines Kriegsspiels« war das National Management Center in Jerusalem. Dieses war am 26. März vorigen Jahres in einem vor mehr als zehn Jahren gebauten atomwaffensicheren Bunker eröffnet worden, um bei der Koordinierung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie verfügbar zu sein, wie es damals hieß. Zur unterirdischen Anlage gehören Kommandoeinrichtungen und Wohnräume. Man gehe davon aus, »dass diese Krise uns noch für einen ausgedehnten Zeitabschnitt begleiten wird«, hatte bei der Eröffnung ein nicht namentlich genannter Funktionär während einer Pressekonferenz erläutert.

Zum Zweck der Übung am vergangenen Donnerstag sagte Bennett: »Israel befindet sich in einer ausgezeichneten Situation. Wir haben die vierte Welle besiegt und sind auf dem Weg, die Delta-Variante hinter uns zu lassen. Gleichzeitig schauen wir aber ständig nach vorn und bereiten uns auf die Fortsetzung der Kampagne vor. (...) Während sich die Lage mit dem Coronavirus weltweit verschlechtert, ist Israel sicher und geschützt. Damit das so bleibt und um die Kontinuität des normalen Lebens zu gewährleisten, müssen wir die Situation ständig im Blick behalten und uns auf alle Szenarien vorbereiten.«

Tatsächlich geben die israelischen Zahlen schon seit mehreren Wochen ein zuversichtlich stimmendes Bild, nachdem die Lage zwischen Ende Juli und Anfang September kurzzeitig sehr viel schlechter ausgesehen hatte als beispielsweise in Deutschland. Die Zahl der »aktiven Fälle« – also der positiv getesteten und noch nicht wieder als »genesen« geltenden Personen – lag am Montag bei 6.500. Auf dem Höhepunkt der sogenannten vierten Welle hatte sie Anfang September die Marke von 90.000 überschritten. Die Zahl der »ernsten Fälle« in den Krankenhäusern wurde am Montag mit 145 angegeben. Im August hatte sie zwischen 800 und 900 gelegen.

Da in Israel schon frühzeitig mit Massenimpfungen begonnen worden war, hatte man dort auch früher als in den meisten anderen Ländern entdeckt, dass die Wirkung der Impfstoffe nach wenigen Monaten erheblich nachlässt. Seit dem 17. Oktober gelten alle, deren letzte Impfung oder Genesung mehr als sechs Monate zurückliegt und die keine »Auffrischungsspritze« erhalten haben, rechtlich als ungeimpft. In vielen Bereichen benötigen diese Menschen Bescheinigungen über einen frischen Negativtest, um am allgemeinen Leben teilnehmen zu können. Experimente mit »2G« wie in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern, die praktisch einem außergesetzlichen Impfzwang gleichkommen, hat es jedoch bisher nicht gegeben.

Seit vergangenem Mittwoch ist es in Israel erlaubt, auch Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen das Coronavirus zu impfen. Praktisch wirkt sich das noch nicht aus, weil die Lieferung der ersten für diese Altersgruppe bestimmten kleineren Dosen erst in den nächsten Tagen erwartet wird. Nachteile für ungeimpfte Kinder dieser Altersgruppe soll es vorläufig nicht geben. Das wird aber wohl nur für eine Übergangszeit gelten.

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