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Aus: Ausgabe vom 16.11.2021, Seite 4 / Inland
Preisverleihung

Energieriese am Pranger

Stiftung Ethik und Ökonomie zeichnet Aminata Dramane Traoré aus. Negativpreis geht an RWE
Von Markus Bernhardt
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Ausgezeichnet: Menschenrechts- und Friedensaktivistin Aminata Dramane Traoré neben dem griechischen Ökonomen und Exfinanzminister Yanis Varoufakis (La Courneuve, 10.9.2016)

In der Berliner Kulturbrauerei findet am kommenden Sonnabend die mittlerweile traditionelle Verleihung der »Internationalen Ethecon-Awards« statt. Ursprünglich war die Konferenz der Stiftung Ethik und Ökonomie (Ethecon) als Präsenzveranstaltung geplant. Sie kann jedoch aufgrund der aktuell hohen Anzahl von Neuinfektionen mit dem Coronavirus nur als Onlineveranstaltung stattfinden.

Mit dem »Internationalen Ethecon Blue Planet Award« soll eine herausragende persönliche Leistung für den Schutz und die Bewahrung des »blauen Planeten« ausgezeichnet werden. In diesem Jahr wird die malische Menschenrechts- und Friedensaktivistin Aminata Dramane Traoré damit geehrt. Sie setze sich »seit Jahrzehnten ehrlich und uneigennützig für gerechten Welthandel, Migrationsfreiheit, Klimagerechtigkeit und gegen den Militarismus ein«. Zudem habe sie ihre Ämter als Koordinatorin des UN-Entwicklungsprogramms und malische Ministerin riskiert, »indem sie den Neokolonialismus der Industrienationen angriff und die Institutionen des Welthandels als Stützen der Konzernherrschaft entlarvte«. Für ihre Kriegsgegnerschaft und die öffentliche Forderung nach Abzug der seit 2013 in Mali stationierten ausländischen Truppen wurde sie unter Hausarrest gestellt. Traoré nehme »für die sozialen und ökologischen Interessen ihrer Mitmenschen bedenkenlos Konflikte mit Herrschenden und Nachteile für Leib und Leben bzw. die eigene Existenz in Kauf«, heißt es in der vorab veröffentlichten Begründung für die Ehrung. Die Laudatio für die Menschenrechtsaktivistin wird der ehemalige Linke-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Parteivorsitzende Tobias Pflüger halten.

Die Auszeichnung mit dem »Internationalen Dead Planet Award«, dem Negativpreis der Stiftung, ist hingegen Personen und Unternehmen vorbehalten, die eine »schockierende persönliche Verantwortung für die Gefährdung und den Ruin unseres ›blauen Planeten‹ hin zu einem toten, unbewohnbaren Planeten« haben. In diesem Jahr geht diese Negativauszeichnung an den Kohle- und Atomstromkonzern RWE AG. Konkret sollen Markus Krebber (Vorsitzender des Vorstands), Werner Brandt (Vorsitzender des Aufsichtsrats), Larry Fink (CEO des Großaktionärs Blackrock) und Armin Laschet, Noch-CDU-Parteichef und mittlerweile ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, öffentlich an den Pranger gestellt werden. Diese stünden »in einer zunehmend auf den Profit als einzigem Kriterium jeglicher Entscheidung und Entwicklung ausgerichteten Welt gegen die Interessen der Menschheit« und gehörten »zu denjenigen, denen die Menschheit Krieg, Ausbeutung und Umweltzerstörung« verdanke. Als Vorstände, Aufsichtsräte und Vertreter der Anteilseigner des Konzerns trügen sie »Verantwortung für den weltweiten Kollaps des Klimas und die katastrophale Schädigung der menschlichen Gesundheit«.

Schließlich stoße RWE durch die Kohleverstromung mehr CO2 aus als jeder andere europäische Konzern und trage damit »massiv zum Kollaps des Erdklimas und der Ökosysteme« bei. Auch vergifte der Konzern die Bewohnerinnen und Bewohner der Tagebauregionen mit Schwermetallen und Feinstaub, zerstöre Dörfer und Agrarflächen, riskiere mit seinen Atomkraftwerken hochgefährliche Unfälle und bürde den radioaktiven Abfall den nachfolgenden Generationen auf, so die Stiftung.

Bei der Konferenz wird der Jurist Rolf Gössner einen Vortrag zum Thema »Auf dem Weg in einen präventiv-autoritären Sicherheitsstaat?« halten. Ein Liveauftritt der deutsch-türkisch-italienischen Rapgruppe »Microphone Mafia« und eine Fotoausstellung zum Thema »Widerstand gegen RWE« runden die Tagung kulturell ab.

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