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Aus: Ausgabe vom 09.11.2021, Seite 8 / Ansichten

Rüstungslobbyist des Tages: Lars Klingbeil

Von Sebastian Edinger
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Der nächste Karrieresprung: Armeeliebling Klingbeil soll Norbert Walter-Borjans an der Spitze der Sozialdemokraten beerben

In Munster gibt es 16.000 Einwohner und 7.000 Soldaten. Die Armee betreibt Schwimmbad, Sporthallen und ein Restaurant und ist auch als Lohngeber für Zivilisten omnipräsent. Ein Umfeld, wie gemacht für Lars Klingbeil, der dort mit 47,6 Prozent der Stimmen und mehr als 20 Prozentpunkten Vorsprung auf den Herausforderer von der CDU zum wiederholten Male das Direktmandat für den Deutschen Bundestag holte. Schließlich gilt Klingbeil nicht erst seit er Bundesmittel organisierte, um den Ewig­gestrigen ein Panzermuseum bauen zu lassen, als Mann des Heeres.

Nun steht der nächste Karrieresprung an: Klingbeil wurde am Montag einstimmig vom SPD-Parteivorstand nominiert, um Norbert Walter-Borjans an der Spitze der Sozialdemokraten zu beerben. Seine vermeintlich zukünftige Kovorsitzende, Saskia Esken, kann sich eine Doppelspitze mit dem modernen, digitalaffinen und halbwegs jungen Mann aus Munster »sehr gut vorstellen«. Die Rüstungsindustrie wird es freuen. Schließlich gilt er dort als Mitglied des »Förderkreis Heer« und der »Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik« als kompetenter Ansprechpartner. Dass die Soldaten gut ausgestattet werden, war nach eigenen Angaben schon »immer seine Position«. Praktisch auch, dass er über ein ähnlich selektives Gedächtnis verfügt wie Bundeskanzler in spe Olaf Scholz. Insbesondere Treffen mit Rüstungskonzernen wie Rheinmetall fallen bei öffentlichen Nachfragen gerne den Lücken zum Opfer.

Freuen über die Personalie Klingbeil dürften sich derweil nicht nur Rüstungslobbyisten, sondern auch die vermeintlichen Koalitionspartner von FDP und Grünen. Denn die SPD-Führung hätte dann nicht mal mehr formal den Anspruch, links zu sein. Klingbeil kommt vom Seeheimer Kreis. Ihn an die Parteispitze zu heben, wäre der nächste große Coup des rechten Flügels nach der Nominierung von Scholz für die Kanzlerkandidatur.

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