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Aus: Ausgabe vom 09.11.2021, Seite 2 / Ausland
Lebenshaltung

Hohe Mietlast

Europäischer Gewerkschaftsbund kritisiert steigende Wohnkosten
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Nicht nur in der deutschen Hauptstadt eine Plage für Geringverdiener: Immobilienhaie (Berlin, 11.9.2021)

Mindestlohnempfänger in elf EU-Staaten müssen nach Angaben des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) im Schnitt mindestens 40 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben. In Spanien, Portugal, Luxemburg, Ungarn und Bulgarien bleibe Vollzeitbeschäftigten mit Mindestlohn nach Abzug der Miete nur die Hälfte oder weniger ihres Lohns für Lebensmittel, Heizung und andere Kosten, teilte der sozialdemokratische kontinentale Gewerkschaftsdachverband am Montag in Brüssel mit.

In weiteren fünf Ländern habe die Miete in dem Zeitraum zwischen 41 und 48 Prozent des Lohns ausgemacht. Deutschland liege demnach mit 30 Prozent im unteren Drittel der EU-Länder mit gesetzlichem Mindestlohn.

Die Werte basieren nach EGB-Angaben auf eigenen Berechnungen. Grundlage seien Zahlen von 2019, die bei einer EU-Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen gewonnen wurden. Verglichen wird der gesetzliche Mindestlohn mit den monatlichen Durchschnittsmieten für Wohnungen mit höchstens zwei Schlafzimmern.

Hinzu kommt folgendes: Bereits Ende September hatte der EGB Daten vorgelegt, wonach es sich fast drei Millionen Einwohner der EU aufgrund niedriger Löhne nicht leisten können, Wohnungen und Häuser angemessen zu heizen. Hohe Energiekosten und steigende Strompreise hätten die Situation zusätzlich verschlimmert, erklärte der EGB. Die europäischen Gewerkschafter wiesen darauf hin, dass wegen des Anstiegs der Lebenshaltungskosten die Gefahr bestehe, dass noch mehr Erwerbstätige in eine Art Energiearmut gestürzt würden. Die höchsten Prozentsätze an erwerbstätigen Armen, die sich keine Heizung leisten können, verzeichneten Zypern (45,6 Prozent), Bulgarien (42,8 Prozent) und Litauen (34,5 Prozent).

Der EGB forderte in dem Zusammenhang das Europäische Parlament auf, einen Entwurf für eine EU-Mindeslohnrichtlinie vorzulegen, die einen menschenwürdigen Lebensstandard garantiert. Die stellvertretende EGB-Generalsekretärin Esther Lynch sagte damals: »Es gibt Millionen von Niedriglohnarbeitern in Europa, die sich trotz Vollzeitbeschäftigung entscheiden müssen, ob sie ihr Zuhause heizen, ihre Familie richtig ernähren oder die Miete zahlen.« Das sei inakzeptabel und verfehle den Sinn eines Mindestlohns. (dpa/jW)

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