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Aus: Ausgabe vom 06.11.2021, Seite 8 / Ansichten

Adept des Tages: Roland Koch

Von Jan Greve
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Seine Karriereleiter scheint kein Ende zu haben: Roland Koch (2014)

Es gibt sie noch, diese suchenden Geister. Sie streben stets nach mehr, Stillstand ist ihnen unbekannt. Roland Koch ist so einer. Einst studierte er Jura, spezialisierte sich als Anwalt auf Wirtschaftsrecht, war für die CDU Landtagsabgeordneter in Hessen, wurde 1999 Ministerpräsident, überstand Spendenaffären, leistete sich einen rassistischen Ausfall nach dem anderen, machte 2010 den Rückzieher vom Landesvaterdasein und wurde im Jahr darauf Aufsichtsratsmitglied des Baukonzerns Bilfinger Berger, um dort Millionen zu scheffeln – eine konservative Bilderbuchkarriere, die noch um etliche dunkle Kapitel reicher ist.

Doch das soll es noch nicht gewesen sein. Am Freitag hatte Koch, der seit 2017 »Professor of Management Practice in Regulated Environments« (zu deutsch etwa: Knecht des Kapitals) an der »Frankfurt School of Finance & Management« (nicht zu verwechseln mit der Frankfurter Schule) ist, einen wichtigen Termin: die »Frankfurter Regulierungskonferenz«. Was das Ganze soll, hatte das Koch-Fanzine FAZ bereits vergangene Woche berichtet. Unter der Überschrift »Mehr Sachverstand für Regulierer« heißt es dort, an der privaten Hochschule werde ein »Kompetenzzentrum für deutsche und globale Regulierung« gegründet. Koch sei einer der Initiatoren. Ziel sei es, »bei der Suche nach ›guter Regulierung‹« zu unterstützen, auch wissenschaftlich. Denn, so lehrt uns Professor Koch: »Heute verursacht Regulierung nicht selten exakt das Gegenteil des Gewollten.«

Es sind Sätze wie diese, die beweisen: Kochs Sachzwangsverstand, seine Kompetenz fürs kapitalistische Geschäft qualifizierten ihn wie keinen zweiten dafür, am Freitag die zukünftige Arbeit besagten Zentrums vor erlauchtem Publikum aus Vulgärwissenschaftlern, CDU-Parteifreunden und Chefausbeutern vorzustellen. Ach, ließe sich dieser Mann nur regulieren.

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