75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 22. / 23. Januar 2022, Nr. 18
Die junge Welt wird von 2569 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 27.10.2021, Seite 2 / Ausland
Corona

Pandemie vertieft Spaltung

WHO-Bericht zu Corona: Weltweite Verschärfung von Ungleichheiten
Von Alexander Reich
imago0133682272h.jpg
Die Coropandemie hat die Fehler im System schonungslos offengelegt. Protest beim »Unteilbar«-Marsch in Berlin (4.9.2021)

In einer kaputten Welt habe die Coronakrise Ungleichheiten extrem verschärft, heißt es in einem Bericht, der am Dienstag in Berlin von einem Gremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgestellt wurde. Im ersten Jahr der Pandemie sei konsequentes Handeln auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse versäumt worden, das zweite Jahr sei von der Vertiefung ohnehin krasser Spaltungen geprägt. Weltweit seien 17 Millionen Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Der Zugang zu Impfstoffen und Behandlungen bleibe abhängig von Nationalität und gesellschaftlicher Stellung, nicht vom Bedarf. Während in den Industriestaaten bis Mitte dieses Jahres fast jeder eine Impfung angeboten bekommen habe, liege die Quote in den ärmeren Ländern derzeit bei 4,5 Prozent – selbst die Risikogruppen würden womöglich noch jahrelang auf Vakzine warten müssen, Gesundheitspersonal eingeschlossen. Entsprechend hoch sei die Wahrscheinlichkeit von Virusvarianten.

Es gebe ein grundlegendes Missverständnis, nach dem Solidarität nur mit Wohlwollen und Barmherzigkeit gegenüber Schwächeren zu tun habe, nichts mit Gleichheit und allgemeinem Interesse, heißt es in dem Bericht des WHO-Gremiums zur Überwachung der Bereitschaftsplanung, der auf der »World Health Summit«-Konferenz in der Karl-Marx-Allee präsentiert wurde: »Reiche Länder spenden medizinische Mittel, statt den Aufbau von Herstellerkapazitäten zu fördern, Technologie zu teilen und fairere Patentschutzvorgaben zu akzeptieren.«

Anhand von Grafiken wird in dem Bericht verdeutlicht, wer am stärksten von Arbeitsplatzverlusten, Schulschließungen und dem Zusammenbruch von Lieferketten betroffen ist: Frauen und junge Menschen in armen, marginalisierten Ländern. Das Wort Kapitalismus kommt im Bericht der unabhängigen Experten des 2018 von WHO und Weltbank gegründeten Gremiums nicht vor. Entsprechend hilflos wirken seine Appelle zur Stärkung von Organisationen wie eben der WHO. Hierzulande wird solche Moral der Begeisterung über den Erfolg von Biontech kaum Abbruch tun. Ab Ende 2021 wird der Mainzer Konzern 900 Millionen zusätzliche Impfdosen für jeweils 19,50 Euro an die EU liefern, vor allem für Auffrischungen. Im ersten Halbjahr 2021 war mit noch 15,50 Euro pro Dosis ein Nettogewinn von 3,9 Milliarden Euro erzielt worden.

Zeitung gegen Profitlogik

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die zeit ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern tun.

Um dieses Jubiläum entsprechend zu würdigen, hat die junge Welt die 75er-Aktion gestartet. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Ähnliche:

  • Geschafft: Medizinische Fachkräfte der Universität Wuhan im kurz...
    01.07.2021

    Ammenmärchen des Westens

    Debatte. Leider nur das halbe Bild: »Zero-Covid«-Politik in China. Eine Replik auf Renate Dillmann
  • Die Massentierhaltung bietet ideale Voraussetzungen für die Muta...
    10.06.2021

    Seuchenherd Maststall

    Die Risiken der Massentierhaltung für künftige Pandemien. Über Zoonosen und ihre Entstehung (Teil II und Schluss)
  • Indien wurde vom Virus besonders hart getroffen: Familienangehör...
    01.06.2021

    Warme Worte helfen nicht

    Jahrestreffen der WHO: Globale Ungleichheit konstatiert, Reformbestrebungen bleiben unverbindlich

Mehr aus: Ausland