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Aus: Ausgabe vom 27.10.2021, Seite 1 / Ausland
Putsch im Sudan

Premier in Gewahrsam

Sudan nach Putsch: General hält Regierungschef fest. Sieben Tote nach Protesten
Von Gerrit Hoekman
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Mit brennenden Autoreifen protestiert die Bevölkerung im Sudan gegen den jüngsten Putsch (Khartum, 25.10.2021)

Der bei einem Militärputsch im nordostafrikanischen Sudan entmachtete Ministerpräsident Abdullah Hamduk wird in der Residenz des Generals Abdel Fattah Al-Burhan, festgehalten. Man habe Hamduk zu seiner eigenen Sicherheit dorthin gebracht, sagte Burhan während einer Ansprache am Dienstag. »Er ist bei mir zu Hause.« Demnach soll der Expremier auch das Recht haben, sich frei zu bewegen.

Das Militär hatte am Montag morgen die Macht in dem Land ergriffen. Premier Hamduk und zwei seiner Minister wurden unter Arrest gestellt und der nationale Notstand ausgerufen. Zehntausende gingen im Anschluss auf die Straßen, um dagegen zu protestieren. Mindestens sieben Demonstranten kamen dabei in der Hauptstadt Khartum ums Leben, rund 140 wurden verletzt. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Offiziellen des Gesundheitsministeriums.

Die Menschen waren am Montag einem Aufruf der »Kräfte der Freiheit und Veränderung« zu zivilem Ungehorsam und friedlichem Widerstand gefolgt. Sie skandierten: »Das Volk ist stärker!« Als die Menschenmenge in die Nähe des Hauptquartiers kam, seien Schüsse gefallen, berichteten Augenzeugen dem katarischen TV-Sender Al-Dschasira. Die sogenannten Kräfte der Freiheit und Veränderung sind eine Allianz verschiedener Oppositionsgruppen, die bereits 2019 eine maßgebliche Rolle beim Sturz des langjährigen Präsidenten Omar Al-Baschir spielte.

Seitdem regierte ein Regierungsrat aus Militärs und Zivilisten. Diesen Rat löste General Burhan als sein Chef auf. Am Dienstag mittag kündigte er im Staatsfernsehen an, die Regierungsgeschäfte würden bis zur Wahl im Juli 2023 von einem Expertenkabinett geführt.

Am Dienstag morgen legten von Demonstranten errichtete Barrikaden und Straßensperren der Armee den Verkehr in Khartum und Omdurman lahm, das gegenüber der Hauptstadt am anderen Nilufer liegt. Die Armee besetzte die Brücken über den Nil. Von den Minaretten der Moscheen aus wurde zum Generalstreik aufgerufen, viele Banken und Geschäfte blieben geschlossen, die Telefone außer Funktion, meldete Reuters.

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  • Leserbrief von Sigrit Bennert (27. Oktober 2021 um 11:10 Uhr)
    Vorsichtig und oberflächig wird über die aktuelle Entwicklung im Sudan berichtet. Warum die ökonomischen Verhältnisse dort so eskalieren, muss man schon bei Tagesschau.de nachlesen (https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/sudan-putsch-profiteure-101.html).