75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Mittwoch, 1. Dezember 2021, Nr. 280
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 27.10.2021, Seite 1 / Titel
Handel im Wandel

Popcorn zum Rauswurf

Handelskette »Galeria« wird filetiert. Beschäftigte erfahren von Plänen des Managements im Kino. Immobilienmagnat René Benko profitiert
Von Gudrun Giese
Protest_gegen_geplan_65828730.jpg
Karstadt-Beschäftigte protestieren gegen die Schließung einer Filiale in Frankfurt am Main (29.6.2020)

Schrittweise nähert sich die Geschichte der Warenhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof ihrem Ende. Seit Mittwoch gehen nach zahlreichen Filialschließungen nun auch die traditionsreichen Namen verloren; die verbliebenen 131 Häuser firmieren ab sofort unter »Galeria«.

Vor dem sogenannten Neustart hat Unternehmenschef Miguel Müllenbach in den zurückliegenden Wochen bereits gründlich gekürzt und rationalisiert. So wurden Lager in Neuss, Dietzenbach und Köln geschlossen wie zuvor schon nach dem Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof die Logistikstandorte in Stuttgart, Würzburg, Erfurt, Berlin, Hannover und Frechen, berichtete die Lebensmittelzeitung Anfang Oktober. Ab sofort sollen Zentrallager in Essen und Unna die Warenhäuser beliefern und das Onlinegeschäft abwickeln. Außerdem werden vier Regionallager als Umschlagpunkte genutzt.

Galeria-Chef Müllenbach informierte die Beschäftigten am Mittwoch in einem etwa einstündigen Film, der in 125 Kinosälen in 95 Städten gezeigt wurde, über das, was »Galeria 2.0 praktisch bedeuten wird«, konkret also darüber, was ihnen künftig blühen dürfte. Dem allgemeinen Trend zum Onlinehandel folgend, will das Management bis 2025 den »E-Commerce-Umsatz auf mehr als 500 Millionen Euro steigern«, wie Müllenbach gegenüber der Wirtschaftswoche erklärt hatte. Das erfordere allerdings noch erhebliche Anstrengungen, lag der Onlineumsatz 2020 doch erst bei 130 Millionen Euro. Die große Wende soll dieser Mittwoch mit einem neuen Onlineauftritt und drei umgebauten Pilotwarenhäusern in Frankfurt am Main, Kassel und Kleve einläuten. Das meinte jedenfalls die Managerin für Einkaufsteuerung bei Galeria, Karin Busnel-Knappertsbusch, kürzlich gegenüber der Zeitschrift Textilwirtschaft. Insgesamt sollen bis zu 60 Warenhäuser ein neues Konzept erhalten und – je nach Lage und Bedeutung – zum »Weltstadthaus«, »regionalen Magnet« oder »lokalen Forum« umgemodelt werden. Zentrale Idee dabei ist, Warenhausflächen abzugeben, etwa für Services wie Paketstationen oder eine E-Bike-Vermietung durch Drittanbieter.

Für die verbliebenen noch etwa 18.000 Beschäftigten dürften die Zukunftsaussichten alles andere als rosig ausfallen: Nach dem Verlust von Arbeitsplätzen an den geschlossenen Lagerstandorten droht vermutlich auch weiterer Abbau in den Warenhäusern, wenn die Sortimente weiter ausgedünnt, Flächen an Fremdanbieter abgegeben und das eigene Geschäft zunehmend ins Internet verlagert wird. Dafür äußerte sich Galeria-Chef Müllenbach gegenüber der Wirtschaftswoche optimistisch, den Kredit über 460 Millionen Euro aus dem staatlichen Stabilisierungsfonds nach und nach zurückzuzahlen – bis Jahresende zunächst 50 Millionen Euro.

Unterdessen will Galeria-Eigen­tümer René Benko, Chef des österreichischen Signa-Konzerns, weitere Warenhausimmobilien verkaufen: Nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Capital von Anfang September sucht Signa Käufer für zehn Häuser unter anderem in Hannover, Bonn und Aachen. Insgesamt repräsentieren diese Immobilien einen Wert von etwa einer Milliarde Euro. Das wertvollste Einzelobjekt soll dabei das ehemalige Kaufhof-Gebäude in Hannover sein, das auf ungefähr 200 Millionen Euro taxiert wird. Die jährliche Miete, die die zehn Häuser einspielen, liegt laut Capital bei rund 40 Millionen Euro – nur Peanuts für Benko.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Regio: