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Aus: Ausgabe vom 01.11.2021, Seite 15 / Politisches Buch
Forschung zur Arbeiterbewegung

Keine Harmonisierung

Neues Heft der Zeitschrift Arbeit – Bewegung – Geschichte erschienen
Von Horst Ollesch

Das Ende September herausgekommene neue Heft der Zeitschrift Arbeit – Bewegung – Geschichte versammelt Beiträge mit dem Schwerpunkt »historische Kommunismusforschung«. Im Editorial versuchen sich Riccardo Altieri und Bernd Hüttner an einer Bestandsaufnahme des Themas.

Altieri, David Bebnowski, Marcel Bois, Christian Dietrich, Ralf Hoffrogge und Uwe Sonnenberg steuern in einem Aufsatz mit dem Untertitel »Was es zur Geschichte der Linken im 20. Jahrhundert noch zu entdecken gibt« Überlegungen zu diesem Forschungsgebiet bei. Unter der Überschrift »Von Schiffen und Kähnen« nehmen sie Bezug auf Metaphern, die aus den Auseinandersetzungen innerhalb der kommunistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts stammen. Neben den Hauptströmungen der Sozialdemokratie und des Kommunismus, der großen »Schiffe« der Arbeiterbewegung, werden als »Kähne« die sogenannten »Zwischengruppen«, darunter USPD, KPO, SAP und der Internationale Sozialistische Kampfbund (ISK), die trotzkistischen Gruppen, die Anarchosyndikalisten, aber auch die »Neue Linke« der Nachkriegszeit identifiziert. Die wissenschaftliche Erforschung dieser »Kähne« ist, wie sich bei dieser Umschau zeigt, sehr unterschiedlich intensiv erfolgt. Als vielversprechende, mehr oder weniger »neue« Ansatzpunkte werden von den Autoren Biographik, Geschlechtergeschichte und Netzwerkforschung ausgemacht. Auch die spannende Frage der Beziehung zwischen der Arbeiterbewegung und dem Judentum gelte es weiter und vertieft zu untersuchen. Als linker Flügel einer nicht auf Harmonisierung der sozialen Antagonismen orientierten Demokratiegeschichte habe eine aktualisierte Geschichtsforschung und -schreibung zur Arbeiterbewegung großes Potential.

Die folgenden drei Beiträge nehmen die hier angerissenen Gedanken auf. Johannes Spohr und Claudia Krieg erinnern an die lettische Jüdin und Rotarmistin Eva Vater. Jakub Vrba beleuchtet das historische Bild des Hussitismus »als Mittel des (Inter)nationalismus« in der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei bis 1945. Rüdiger Stutz hat den Umgang mit ehemaligen Mitgliedern der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) untersucht, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Thüringen der SED angeschlossen hatten. Zu Widerspruch und Diskussion fordert der Beitrag von Jörn Schütrumpf heraus, der sich mit der Rolle von Clara Zetkin im Konflikt zwischen der Kommunistischen Internationale bzw. der Zentrale der KPD und dem 1921 aus der Partei ausgeschlossenen Paul Levi befasst. Schütrumpf vertritt die Ansicht, Zetkin habe sich von jenen instrumentalisieren lassen, die die Disziplinierung und Subordination der KPD betrieben hätten. Es geht dabei unter anderem auch um die »Offensivtheorie« und die Märzkämpfe in Mitteldeutschland 1921.

Außerdem enthält das Heft vier lesenswerte Beiträge zur Geschichtskultur, darunter zur German Labour History Association und zum Förderkreis Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung, zur antifaschistischen Erinnerung an den Berliner Widerstandskämpfer Hellmut Bock und zu einem frauengeschichtlichen Onlineprojekt über antifaschistische Widerstandskämpferinnen.

Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien, Heft 3/2021, Metropol-Verlag, Berlin 2021, 220 Seiten, Einzelpreis 14 Euro

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Wolfram A. aus Potsdam ( 1. November 2021 um 12:08 Uhr)
    Danke für diese Besprechung. Ich hätte es jedoch gut gefunden, wenn der Autor den Anlass dieses Rückblicks auf die Kommunismusforschung so deutlich benannt hätte, wie dies im besprochenen Heft auch geschehen ist. Es ist der 70. Geburtstag des aus der DDR stammenden Historikers Mario Keßler, der sich mit seinen Büchern, Artikeln und Vorlesungen zur Kommunismusgeschichte und zu vielen einzelnen ihrer Akteurinnen und Akteure, darunter insbesondere zu solchen mit jüdischem Herkommen, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus einen Namen gemacht hat.
    Wolfram Adolphi
    • Leserbrief von Redaktion Arbeit Bewegung Geschichte aus Berlin ( 8. November 2021 um 17:04 Uhr)
      Der Anlass des Heftes war die Verabschiedung des 1955 geborenen Kessler in den Un-Ruhestand. Also nix mit 70 Jahren.

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