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Aus: Ausgabe vom 26.10.2021, Seite 16 / Sport
Ski alpin

Eine enge Beziehung

Ausblick auf die kommende Ski-alpin-Saison
Von Gabriel Kuhn
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Marlene Schmotz beim Riesenslalom-Weltcup in Sölden (23.10.2021)

Am vergangenen Wochenende kam es zum Auftakt des alpinen Skiweltcups in Sölden in Tirol. Es war bereits zum 21. Mal, dass der Skiweltcup auf dem Rettenbachferner-Gletscher mit einem Riesenslalom für Damen und Herren eröffnet wurde. Es handelt sich um eine Art Prolog. So richtig beginnt die Weltcupsaison erst in knapp sechs Wochen. Es ist naheliegend, den Sinn der Rennen in Sölden in Frage zu stellen. Nicht nur, weil sie terminlich vom Rest der Saison abgekoppelt sind. Gletscher sind sensible Ökosysteme, denen Kunstschnee­rennen dieser Art, die mit massenweise Grundwasserverbrauch und Chemikalieneinsatz einhergehen, alles andere als guttun. Rennläufer aus Nordamerika, Neuseeland und Japan müssen lange Reisewege für ein einziges Rennen auf sich nehmen. Aber: Im Oktober beginnt die Vorverkaufssaison für Skiurlaube in den Alpen, und es braucht effektive Werbeträger. In einer von der kapitalistischen Verwertungslogik durchzogenen Sportindustrie gibt es kein Argument, das stärker zieht.

Wie eng die Verbindung zwischen dem Skisport und den Interessen der Industrie mittlerweile ist, bestätigte die Wahl des schwedisch-britischen Unternehmers Johan Eliasch zum Präsidenten des Internationalen Skiverbandes (FIS) im Juni 2021. Eliasch trat die Nachfolge des verstorbenen Schweizers Gian Franco Kasper an, der das Amt 23 Jahre lang bekleidet hatte. Meriten als Athlet oder Sportfunktionär hat Eliasch keine. Dafür jede Menge Geld. 1995 übernahm er eine der größten Skifirmen der Welt. Perfekt für einen Sportverband, der immer mehr als Unternehmen geführt wird.

Das für die Gestaltung des alpinen Skiweltcups verantwortliche Komitee der FIS nahm für die Saison 2021/2022 einige Änderungen vor. Nicht nur ist die Anzahl der Rennen bei Damen und Herren ausgeglichen (je 37), sondern auch jene zwischen den Technik- und Speedwettbewerben: Es werden je neun Abfahrten, Super-Gs, Riesenslaloms und Slaloms ausgetragen. Dazu kommt ein einziges Parallelrennen. Nachdem jahrelang mit dem fernsehtauglichen, aber sportlich wertlosen Format experimentiert worden war, gaben die FIS-Verantwortlichen den Protesten der Fahrer endlich nach. Sie strichen das Jux-Event fast gänzlich aus dem Programm. Nur im österreichischen Nobelskiort Lech/Zürs wird es noch einen Parallelwettbewerb geben. Auch hier ist das dem Werbeeffekt für die Tourismusindustrie geschuldet. Völlig gestrichen wurde die seit langem umstrittene alpine Kombination (Slalom plus Abfahrt oder Super-G). Bei den Olympischen Winterspielen in Beijing wird der Traditionswettbewerb jedoch stattfinden.

Im Gesamtweltcup der Damen zeichnet sich in dieser Saison ein Zweikampf zwischen der Vorjahressiegerin Petra Vlhova aus der Slowakei und dem US-amerikanischen Superstar Mikaela Shiffrin ab. Shiffrin verzichtete nach dem Unfalltod ihres Vaters im Februar 2020 ein Jahr lang auf viele Rennen, will diese Saison jedoch wieder voll angreifen. Außenseiterchancen werden der Schweizerin Lara Gut-Behrami eingeräumt.

Bei den Herren könnte es wieder zu einem Duell zwischen dem Franzosen Alexis Pinturault und dem Norweger Aleksander Aamodt Kilde kommen. Den Gesamtweltcup 2019/2020 gewann Kilde vor Pinturault, wobei er vom vorzeitigen Abbruch der Saison wegen Corona profitierte. Pinturault triumphierte hingegen in der Saison 2020/2021, profitierte dabei jedoch von einer Verletzung Kildes. In acht nehmen müssen sich beide vor dem Schweizer Shooting-Star Marco Odermatt.

Die Auftaktveranstaltung in Sölden sah bei den Damen die Favoritinnen vorn: Shiffrin gewann ihr bereits siebzigstes Weltcup-Rennen, dahinter folgten Gut-Behrami und Vlhova. Bei den Herren zeigte Odermatt, dass mit ihm in diesem Jahr zu rechnen sein wird. Er gewann vor den Riesenslalomspezialisten Roland Leitinger aus Österreich und Zan Kranjec aus Slowenien. Die deutschen Teilnehmer plazierten sich eher unter ferner liefen. Beste bei den Damen wurde Marlene Schmotz (SC Leitzachtal) als 28. Bei den Herren belegte Stefan Luitz (SC Bolsterlang) Rang 17.

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