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Aus: Ausgabe vom 23.10.2021, Seite 10 / Feuilleton
Pop

Ein begabter Gralshüter

Der niederländische Musiker Benny Sings auf Yachtrock-Tour
Von Markus von Schwerin
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Fährt die Ernte ein: Benny Sings

Wenn man Mitte der 2000er Jahre einzelne Mitglieder der damals heiß gehandelten deutschen Soulpop-Band Tele nach inspirierenden Zeitgenossen fragte, waren es mitnichten nur französische Retropopper wie Phoenix, sondern vor allem US-amerikanische R-’n’-B-Acts wie Bilal oder D’Angelo, die sie mit der Zunge schnalzen ließen. Ein europäischer Newcomer-Name fiel aber auch. Und das war Benny Sings alias Tim van Berkestijn, der 1977 in der niederländischen Hafenstadt Dordrecht geboren wurde, sich um 1998 der HipHop-Szene Den Haags anschloss und 2003 sein Solodebüt »Champagne People« veröffentlichte. Auf dem Cover posierte er in tief hängender Jeanshose, und auch die weit nach vorne gemischten Beats ließen auf Bennys Prägungen schließen. Doch gerappt wurde hier nur noch ansatzweise. Stücke wie »Unconditional Love« zeigten vielmehr, dass Benny oft Sly & The Family Stone gehört hatte und sein sanfter, leicht zum Lispeln neigender Gesang ließ schon damals erkennen, dass er prädestiniert für Midtempo-Blue-Eyed-Soul-Nummern wäre, wie sie Mitte der 1970er Jahre auf Platten von Michael Franks oder dem Zwillingsbrüderduo Alessi zu hören waren.

»Little Donna«, das Eröffnungsstück des live eingespielten zweiten Albums »Benny Sings I Love You«, klang dann auch wie der Folgehit, den Alessi nach ihrer Eintagsfliege »Oh, Lori« von 1976 gut hätten brauchen können. Doch auch der begabte Gralshüter eines Musikstils, der erst zehn Jahre später unter dem Etikett »Too Slow to Disco« (das der Berliner DJ Marcus Liesenfeld kreierte) eine Renaissance erfuhr, musste sich eine Weile gedulden, bis er die Ernte für seinen von LP zu LP verfeinerten Yachtrock einfahren konnte. Nicht zuletzt waren es Musikerkollegen aus Übersee wie Mayer Hawthorne oder Mac DeMarco, die ihm dank ihrer Kooperationen zu einem größeren Bekanntheitsgrad verhalfen. Beide sind auch am jüngstem Benny-Sings-Werk »Music« beteiligt, auf dessen Cover der 44jährige nun wie ein leicht übernächtigter Barry Gibb mit Anfang 30 aussieht. Bei seiner Deutschlandtour spielt er noch in kleineren Jazzclubs. Das könnte sich bald ändern!

Benny Sings live: 23.10., Dortmund – Junkyard, 24.10., Berlin – Gretchen, 25.10., Hamburg – Nochtspeicher

Aktuelles Album: »Music« (Stones Throw/Rough Trade)

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