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Aus: Ausgabe vom 23.10.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Voreiliger Schluss

Zu jW vom 16./17.10.: »›Es platzt keine Blase, da geht nur ein Unternehmen pleite‹«

Es werden in China durchaus »Wohnungen gebaut, die keiner braucht«. (…) Ob Landflucht und Zunahme an Wohlstand hinreichend ausgeprägt sind, daran etwas zu ändern, kann ich nicht beurteilen. Da ist eine ganze Menge Spekulation mit im Spiel. Indes macht der hohe Eigenkapitalanteil bei der Immobilienfinanzierung in China einen wichtigen Unterschied zur Lehman-Pleite 2008. Notverkäufe sind dadurch weniger wahrscheinlich. Von Bedeutung wäre allerdings auch noch, wie stark die Schultern sind, die die uneinbringbare Schuldenlast von Evergrande tragen müssen, und ob die Gläubiger im Ausland oder in China ansässig sind. Ohne diese Informationen scheint mir der Schluss voreilig, dass keine Blase platzen würde. Gleichwohl ist es spannend, wie China das Problem in den Griff bekommen wird und ob man daraus etwas für den westlichen Umgang mit übermächtig werdenden Konzernen lernen kann, die wenig Steuern zahlen und dennoch der Politik zu gern die Richtung vorgeben. Dass ein Konzern wie Blackrock mehr Geld verwaltet, als in jedem Jahreshaushalt eines beliebigen Staates dieses Planeten steckt, stimmt sehr bedenklich.

Ulf Gerkan, Hannover

Den Hals nicht voll genug kriegen

Zu jW vom 16./17.10.: »›Ampel‹ auf Gelb«

(…) Kaum präsentiert die »Ampel«-Koalition zwölf Euro Mindestlohn, schon quaken die Arbeitgeberverbände (BDA), ein höherer Mindestlohn sei »brandgefährlich«. Aber so sind sie, die Ausbeuter, selbst den Hals nicht voll genug kriegen, die lieben Mitarbeiter aber sollen umsonst arbeiten. Warum eigentlich? Wurden doch die US-amerikanischen Wissenschaftler David Card und Alan B. Krueger 2021 ausgezeichnet, weil sie belegt hatten, dass Mindestlöhne keine negativen Auswirkungen haben. Reichtum verteilen ergibt also Sinn! (…) Gleiches gilt übrigens für die bürgerlichen Medien! Bei Rüstungsausgaben und Kriegen fragen sie nie: Wer soll das bezahlen? Nur wenn die Beschäftigten mehr bekommen, gibt es Gezeter. Aber wem sage ich das? Wie gut könnte es allen gehen, gäbe es keine gierigen Milliardäre.

Lothar Böling, Düren

Bedeutungslosigkeit droht

Zu jW vom 12.10.: »›Eine Partei ist kein ­Selbstzweck‹«

Die Feststellung von Hans Modrow, dass eine ernsthafte Analyse des Wahlergebnisses im Vorstand der Partei Die Linke noch nicht in Gang gekommen ist, stimmt. Doch ich fürchte, dass sich daran kaum etwas ändern wird, da die Verweigerung von Analysen seit Jahren ein Kennzeichen der Parteiführung ist. Es fehlen Analysen über den Zustand der Partei, ihre Stellung in der Gesellschaft Deutschlands und erst recht zu den außenpolitischen Problemen. So verkennt sie die reale Situation in allen Bereichen. (…)

Im Wahlkampf wurden alle wichtigen Merkmale linker Politik über Bord geworfen, nur um unbedingt mitregieren zu können, obwohl Partner dafür nicht einmal am Horizont zu erkennen waren. Die Ausblendung der Friedenspolitik als früheres Markenzeichen der Linken gehört zu den wesentlichen Ursachen der Wahlniederlage. Wie bei allen anderen Parteien wurde auch beim Wahlkampf der Linken nicht über Krieg, Militäreinsätze, Aufrüstung oder Waffenhandel gesprochen. Die unbedingte Forderung nach einem Stopp der Erhöhung der Militärausgaben wäre z. B. real und wirkungsvoll. Es wurde auch nicht thematisiert, dass die Hetze gegen Russland Teil einer ideologischen Kriegsvorbereitung ist. Gerade im Osten Deutschlands ist die Haltung zu Russland nicht unbedeutend, da die Russland-Hetze stark abgelehnt wird.

Recht hat Modrow auch, wenn er den Umgang der Partei mit der DDR-Geschichte benennt. Um sich bei möglichen Koalitionsparteien anzubiedern, beteiligt sich die Linke mal stärker, mal weniger stark an der Verteuflung des verschwundenen Staates (…). So wie Hans Modrow fürchte ich auch um die Folgen, wenn die Partei in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Nur ein drastischer Politikwechsel auf einem notwendigen Parteitag kann dies verhindern.

Horst Neumann, per E-Mail

Klare Worte

Zu jW vom 12.10.: »›Eine Partei ist kein ­Selbstzweck‹«

Wenn die Genannten klar gesagt hätten, dass es eine rote Linie bei Auslandseinsätzen ohne UN-Mandat gibt und dass man mit Parteien, die so etwas befürworten, eben keine Koalition machen kann als kleinerer Partner ohne den Preis der Aufgabe einer solchen Position, dann wäre für manchen Wähler Konsequenz erkennbar gewesen. Wenn jedoch z. B. Klaus Lederer im Rundfunk verkündet, darüber könne man doch reden, ist das das genaue Gegenteil. Dann werden für ein Verwaltungssesselchen Grundpositionen verschenkt, und das ist Prinzipienlosigkeit. Auch Gregor Gysi hätte als erreichbares Zwischenziel den Austritt Deutschlands aus der NATO fordern können statt eines undenkbaren Umschwenkens der USA zu einer NATO-Friedenspolitik. Der Schritt vom politischen Kompromiss zur politischen Prinzipienlosigkeit ist ein sehr großer, den macht man nicht aus Versehen. Danke an Hans Modrow für seine trotz diplomatischer Formulierungen klaren Worte. So höflich kann ich nicht mehr sein, wenn meine Partei in den Abgrund geritten wird.

Peter Schmidt, Berlin

Nicht vergessen

Zu jW vom 14.10.: »Spieler des Jahrhunderts«

Irgendwie ist es schön, dass die junge Welt die »ollen« Fußballspieler der DDR nicht vergisst. Weit sind die Mannschaften bei Turnieren leider nicht gekommen, aber das lag nicht alleine an den Spielern. Als mein Vater noch jung war, ging er oft zu Spielen von Carl Zeiss Jena und hat sich auch ab und an mal mit den Fans von Rot-Weiß gekloppt. Am Ende hat man sich wieder vertragen und gemeinsam über den BFC Dynamo geschimpft. In seinen Erzählungen habe ich später dann auch oft den Namen Peter Ducke gehört, außerdem Schnup­hase und Grapenthin und viele mehr. Er konnte die Namen runterbeten. Nun wird man ab und zu durch euch an diese Zeit erinnert. Falls es der Platz zulässt, könntet ihr doch öfter DDR-Fußballer vorstellen. Sie müssen ja nicht immer ein rundes Jubiläum feiern.

Anja Bittrich, Apolda

Der Schritt vom politischen Kompromiss zur politischen Prinzipienlosigkeit ist ein sehr großer, den macht man nicht aus Versehen.

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