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Aus: Ausgabe vom 22.10.2021, Seite 12 / Thema
Spanischer Krieg

¡No pasarán!

Vor 85 Jahren wurden die Internationalen Brigaden gegründet. Tausende Freiwillige kämpften an der Seite der spanischen Volksfrontregierung gegen die faschistischen Putschisten um Franco
Von Werner Abel
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Grenzenlose Solidarität. Kämpfer der Internationalen Brigaden (undatierte Aufnahme)

Am 7. November 1936 deutete viel darauf hin, dass es den von General Francisco Franco angeführten Putschisten gelingen würde, die von den spanischen Republikanern hartnäckig verteidigte Hauptstadt Madrid einzunehmen. Teile der von der deutschen Luftwaffe auf den Kontinent übergesetzten Afrika-Armee waren, unterstützt von italienischen Faschisten und marokkanischen Söldnern, bis an die Stadtgrenze vorgedrungen, die Panzer der Putschisten standen am Rand des Madrider Vorortes Carabanchel. Einigen kleineren marokkanischen Einheiten war es bereits gelungen, in den Ort einzudringen. Mit Mühe konnten sie von der notdürftig bewaffneten Bevölkerung und von Milizionären, die eifrig Gräben ausgehoben hatten, aufgehalten werden. Es war, wie das Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei (PCE) Dolores Ibárruri, die legendäre Pasionaria, später schrieb, ein »Kampf auf Leben und Tod«.

Die »Rusos« kommen

Die Lautsprecher des aus der Milicia Popular des PCE hervorgegangenen 5. Regiments bereiteten die Bevölkerung der von der faschistischen Luftwaffe fast permanent bombardierten Stadt darauf vor, dass der Feind nach Madrid eindringen könne. Die Lage war äußerst angespannt. Am Morgen des 8. November war es still. Doch dann, so berichtete die Pasionaria weiter, hörten die wartenden Madrilenen ein seltsames Geräusch:

»Da beginnt in der Stille (…) ein erschreckendes Geräusch von festen Marschtritten hörbar zu werden. Es schwillt an, es kommt näher. (…) Schon vernimmt man deutlich das dumpfe Dröhnen von Nagelstiefeln auf dem Straßenpflaster. Einen Augenblick lang macht sich Erstarrung, Unschlüssigkeit breit. Wer kommt da? Wer sind diese Männer, die am 8. November auf den Straßen unseres Madrid marschieren, stumm, in aufrechter Haltung, ernst, das Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett geschultert und den Boden unter ihren Füßen erzittern lassen?« Verzweiflung kam auf, Rufe ertönten: »Sie sind eingedrungen!« Die Menschen griffen zu den Waffen, aber da ertönte aus den Reihen der Marschierenden ein Befehl, und ein Lied wurde angestimmt, in fremden Sprachen, dessen Melodie aber war den Madrilenen längst vertraut. Es war die »Internationale«, gesungen in französischer, italienischer, deutscher, polnischer, ungarischer und rumänischer Sprache.

Die Madrilenen freuten sich, dass die »Rusos« gekommen waren, dass die Sowjetunion nun auch Bodentruppen geschickt hatte. Das war logisch gedacht, denn die Sowjetunion hatte inzwischen erklärt, dass sie sich wegen des Eingreifens der deutschen und italienischen Faschisten zugunsten der Franquisten nicht mehr an das im August 1936 in London abgeschlossene Nichteinmischungsabkommen halten würde. Im Oktober hatte die UdSSR mit der Lieferung der von der Republik dringend benötigten Flugzeuge, Panzer und Artillerie begonnen. Aber die Männer, die über die berühmte Gran Vía marschierten, gehörten keiner Abteilung der Roten Armee an, sondern waren die Kämpfer der drei Wochen zuvor in Albacete aufgestellten 11. Internationalen Brigade mit ihren Bataillonen »Etkar André«, »General Dabrowski« und »Commune de Paris«.

Kommandeur der 11. Brigade war der 1896 in Tschernowitz in der Bukowina geborene Offizier der Roten Armee, Manfred Stern, der schon im Fernen Osten, in Deutschland und in China gekämpft hatte und nun mit einem kanadischen Pass, der auf den Namen »Emilio Kléber« lautete, nach Spanien gekommen war. Inzwischen zum General ernannt, richtete er einen Aufruf an die Bevölkerung: »Männer und Frauen Madrids, wir sind gekommen, um euch zu helfen, um eure Hauptstadt mit der gleichen Hingabe zu verteidigen, als ob es die Hauptstadt eines jeden von uns wäre. Eure Ehre ist unsere Ehre, euer Kampf ist unser Kampf.«

Hans Kahle, der Kommandeur des »Etkar André«-Bataillons, und Jules Dumont, der das Bataillon »Commune de Paris« befehligte, hatten sich im Ersten Weltkrieg als Feinde gegenübergestanden. Nun, vor Madrid, kämpften sie gemeinsam für die bedrohte Republik.

Den Franquisten war es gelungen, den Río Manzanares zu überschreiten, das Universitätsviertel von Madrid war unmittelbar bedroht. Zwei Bataillone der 11. Brigade sollten deshalb die Universität sichern, das dritte Bataillon griff die Franquisten bei der strategisch wichtigen Brücke Puente de los Franceses an. Kléber richtete seinen Gefechtsstand in der Philosophischen Fakultät ein. Es entbrannte ein erbitterter Kampf, in dem um einzelne Häuser, ja sogar Stockwerke gekämpft wurde. Die 11. Brigade und die spanischen Einheiten erhielten Verstärkung durch die aus Katalonien anrückende, gut bewaffnete anarchistische Columna Durutti. Letztlich gelang es, die Franquisten zurückzuwerfen und die Hauptstadt der Republik zu sichern. Aber der Blutzoll war gewaltig. Die 11. Brigade hatte nahezu ein Drittel ihrer Kämpfer verloren. Es machte sich bemerkbar, dass für ihre Formierung und Ausbildung nur knapp drei Wochen Zeit zur Verfügung gestanden hatten. Seit Beginn des Putsches der reaktionären Generale bis zum Erlass des Dekrets über die Bildung der Internationalen Brigaden am 22. Oktober 1936 waren nur wenige Monate vergangen. Ein großer Verlust war überdies der Tod Hans Beimlers, des Beauftragten der KPD in Spanien. Auch Franz Vehlow (»Louis Schuster«), Kommissar des »Ernst Thälmann«-Bataillons, ließ sein Leben.

Hinein in die Milizen

Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gehörte mit zu den ersten kommunistischen Parteien, die begriffen hatten, welche Konsequenzen die Ereignisse in Spanien für den Kampf gegen den Faschismus und für den Frieden haben würden. Schon am 8. August 1936, also nicht einmal drei Wochen nach dem Putsch, erarbeitete das Politbüro der KPD einen Aufruf, in dem es hieß: »Wir appellieren an alle militärisch ausgebildeten deutschen Antifaschisten im Ausland, sich der spanischen Volksfront als Soldaten zur Verfügung zu stellen.« Der Aufruf wurde am 14. August 1936 veröffentlicht.

Kurz darauf bildete die KPD über die Abschnittsleitung West in Paris eine »Operative Leitung«, die sich als eine Art technische Kommission für die materielle, propagandistische und personelle Hilfe für das republikanische Spanien verstand. Ihr gehörten u. a. Walter Ulbricht, Siegfried Rädel, Hans Beimler, Franz Vehlow und der »Abwehrmann« der Abschnittsleitung, Hubert von Ranke (»Moritz«), an. In Spanien hatten sich unterdessen viele Emigranten, Sportler und Besucher der Arbeiterolympiade, die für den 19. Juli 1936 geplant war, aber wegen des Putsches abgesagt werden musste, den sich spontan gebildeten Milizen der verschiedenen republikanischen Parteien angeschlossen. Hinzu kamen Antifaschisten, die auf eigene Faust nach Spanien gereist waren.

In der zweiten Augusthälfte wurden Hans Beimler und Hubert von Ranke von der KPD nach Spanien delegiert. Beimlers offizielle Funktion war die des Beauftragten der KPD. In dieser Funktion organisierte er die aus circa 150 vor allem deutschen und österreichischen Kommunisten und Sozialisten gebildete Centuria »Thaelmann«, die sich als nahestehende Miliz der am 23. Juli 1936 gegründeten Sozialistischen Einheitspartei Kataloniens (PSUC) verstand. Sie gehörte der von den PSUC-Funktionären Manuel Trueba und José del Barrio gegründeten Columna »Carlos Marx« an, der späteren 26. Division der Spanischen Volksarmee.

Auch die Centuria »Thaelmann« musste schwere Verluste hinnehmen. Als Georg Hornung, ihr letzter Kommandeur, mit den Überlebenden nach Albacete kam, wo zaghaft damit begonnen worden war, die Internationalen zu sammeln, um – eine Anregung der Kommunistischen Partei Frankreichs aufgreifend – internationale Einheiten zu bilden, betonte er, dass die Freiwilligen sich in Zukunft als Angehörige einer Kaderarmee zu begreifen hätten.

In Albacete selbst war eine seltsame Situation entstanden. In der von Einheiten des 5. Regiments von den Putschisten freigekämpften Stadt der gleichnamigen Provinz hatte sich eine große Anzahl von Freiwilligen versammelt. Anfangs aber hatte die Regierung unter Ministerpräsident Francisco Largo Caballero der Bildung internationaler Freiwilligenverbände nicht zugestimmt. Die Regierung argumentierte, das republikanische Spanien brauche zu seiner Verteidigung Waffen und Munition, keine Männer. Wie die Anarchisten so befürchtete auch Caballero, dass die Internationalen die Bedeutung des PCE in der Innenpolitik erhöhen könnten. Er, der linke Sozialist und alte erfahrene Gewerkschaftsfunktionär, hielt wenig davon, zu eng mit den Bürgerlichen zu koalieren. Das aber war das Ziel der Volksfrontpolitik, die vom PCE wie von allen anderen kommunistischen Parteien nach dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale im Jahr 1935 vertreten wurde.

Auf Anraten von PCE-Generalsekretär José Díaz hatten drei Abgesandte der Komintern, der Italiener Luigi Longo (»Gallo«), der Pole Stefan Wisniewski und der Franzose Pierre Rebiére, um Gespräche mit den spanischen Behörden nachgesucht. Zuerst erhielten sie einen Termin bei Manuel Azaña, dem Präsidenten der Republik. Azaña empfing die Funktionäre herzlich und drückte aus, dass er den Krieg und den Faschismus hasse. Er versicherte sie seiner Sympathie, in militärisch-politischen Angelegenheiten aber konnte oder wollte er nichts entscheiden. Ähnlich verhielt sich Largo Caballero. Er riet Longo, Rebiére und Wisniewski sich mit Diego Martínez Barrio, dem Präsidenten des Parlaments, in Verbindung zu setzen, der den Auftrag hatte, die Aufstellung der Divisionen der neuen Volksarmee zu organisieren. Martínez Barrio hielt sich in Albacete auf. In der Folge wies er den nunmehr offiziell durch das Dekret vom 22. Oktober 1936 geschaffenen Internationalen Brigaden die Stadt als Verwaltungszentrum zu.

Aus dem Nichts

Als immer mehr Freiwillige eintrafen, platzte die Basis bald aus allen Nähten, und es fehlte an manchem. Für den Aufbau einer Verwaltung fehlte von der Schreibmaschine bis zum Papier sämtliches Material. Alles musste mühselig und mit Hilfe des PCE und des 5. Regiments beschafft werden. Die inzwischen mehrere tausend Mann zählenden Freiwilligen wollten mit ihren Angehörigen und Genossen korrespondieren, also musste ein Postdienst eingerichtet werden. Eine Post in Kriegszeiten brauchte jedoch eine Zensur. Zudem mussten eine Kaderabteilung und ein Sanitätsdienst aufgebaut und für Presse und Transport gesorgt werden. Problematisch war, dass sich zunächst kaum jemand für Verwaltungsarbeiten bereitstellte. Man sei nach Spanien gekommen, um zu kämpfen, nicht um in einer Schreibstube zu sitzen.

Ungeachtet dieser Schwierigkeiten gelang es in wenigen Wochen, die »Base orgánica de las Brigadas Internacionales«, wie das Verwaltungszentrum offiziell genannt wurde, arbeitsfähig zu machen. Luigi Longo, der spätere General­inspekteur der Internationalen Brigaden, schrieb nach dem Krieg, man habe eine gewaltige Militärorganisation buchstäblich aus dem Nichts erbaut. Die Komintern hatte ihre besten Kader geschickt und an ihre Sektionen appelliert, bewährte und qualifizierte Genossen für Spanien zu gewinnen. Die politische Verantwortung wurde an den Sekretär des Exekutivkomitees der Komintern (EKKI), André Marty, übertragen, der Vorsitzender der Zentralen Politischen Kommission der Interbrigaden wurde.

Um den Namen Marty ranken sich verschiedene Legenden, die vom »Oberbefehlshaber« der Interbrigaden bis hin zum »Schlächter von Albacete« reichen. Nichts davon stimmt. Marty war gewiss ein cholerischer Typ, unbeherrscht und sicherlich mit seinen Aufgaben überfordert, und wenn er sich in militärische Angelegenheiten einmischte, war seine Politik oft destruktiv. Es gibt aber keine Beweise dafür, dass er Menschenleben auf dem Gewissen hatte. Faschisten aus dem Pariser Stadtrat, dem auch Marty angehörte, hatten ihn als »Schlächter« verleumdet. Ernest Hemingway hat dann das negative Bild des Kommunisten in seinem Klassiker »Wem die Stunde schlägt« verewigt.

Die Leistung der Basis in Albacete jedenfalls war beachtlich. Es gelang in kürzester Zeit, einen Verwaltungsapparat und gleichzeitig kampfstarke militärische Einheiten aus dem Boden zu stampfen. Genannt werden sollen hier beispielgebend neben Luigi Longo der Italiener Giuseppe Di Vittorio (»Nicoletti«), der Arzt Jacob Kalmanovitch (»Calman«), der Franzose Vital Gayman (»Vidal«), der später Stabschef der Basis werden sollte, und die schon erwähnten Manfred Stern (»Emilio Kléber«) und Hans Kahle (»Jorge Hans«). Der Slowene Dragotin Gustincic baute die Feldpost (Servicio Central de Correo) und die Militärzensur auf. Er blieb bis zum Abzug der Internationalen Brigaden im Jahre 1938 Kommandeur dieser Dienste.

Auch heute noch beeindruckend ist der Aufbau des Sanitätsdienstes, der von Kalmanovitch mit der Unterstützung von Ärzten aus Bulgarien, Polen, Deutschland, Großbritannien und den USA organisiert wurde. Der Servicio Sanitario Internacional (SSI) mit seinem politischen Arm, der Ayuda Médica Extranjera (AME), verfügte neben der Feldsanität über Hospital- und Rekonvaleszenzgebäude in Murcia, Benicássim, Benisa, Dénia, Vic und anderen Orten.

Aus mehr als 50 Ländern

Die Situation an der Front und die Gefährdung der Hauptstadt Madrid drängten zur raschen Aufstellung der Brigaden. Als erste wurde die 11. Brigade zusammengestellt. Die Brigaden erhielten Nummern, die die Zählung der Brigaden der Spanischen Volksarmee ergänzten. Das Kommando der 12. Brigade übernahm der ungarische Schriftsteller Máté Zalka (eigentlich Béla Frankl), der in Spanien unter dem Namen General Pavol Lukács bekannt wurde. Ende November folgte die 13. Brigade, organisiert und kommandiert von Wilhelm Zaisser (General José Gómez); sodann die 14. Brigade, befehligt von Karol Swierziewski (»General Walter«) und die 15. unter dem Kommando von Janosz Galicz (»General Gal«). Im März 1937 folgte die 86. Brigada Mixta mit den Kommandeuren Aldo Morandi und Ernst Dudel, deren Kern das 20. Internationale Bataillon war. Als letzte Internationale Brigade wurde im Herbst 1937 die 139. Brigade aufgestellt, befehligt von dem Polen Wacek Komar.

Von Anfang an wurden in die Reihen der Internationalen Brigaden auch spanische Rekruten und Freiwillige aufgenommen. Vital Gayman begründete das mit der mangelnden militärischen Erfahrung der Spanier. Da das Land nicht am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, waren die Rekruten kaum mit den Erfordernissen eines modernen Krieges vertraut. Als ab 1937 immer weniger Freiwillige nach Spanien kamen, wurden die Internationalen Brigaden mehr und mehr mit Spaniern aufgefüllt. 1938 bestanden die Brigaden bereits zu 70, teilweise zu 80 Prozent aus Spaniern.

Insgesamt kämpften in Spanien mehr als 30.000 Freiwillige. Wilhelm Zaisser, nunmehr Kommandeur der Base Albacete, meldete dem spanischen Kriegsministerium am 11. März 1938, dass in der Kaderabteilung Unterlagen über 31.369 Freiwillige aus mehr als 50 Staaten vorhanden seien. 5.062 seien bereits in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt, 4.575 gefallen und 5.740 als vermisst gemeldet. In der Literatur ist oft zu lesen, dass es mehr als 5.000 deutsche Spanien-Kämpfer gegeben habe. Diese Zahl beruht indes auf einem Missverständnis. Einer Meldung des PCE an das EKKI in Moskau lässt sich entnehmen, dass es etwa 2.900 Deutsche waren, die in den Reihen der Internationalen Brigaden gekämpft haben. Das Missverständnis beruht wohl darauf, dass 1937 eine »deutsche Sprachengruppe« begründet wurde, zu der neben den Deutschen die Österreicher, Niederländer, Skandinavier und Schweizer gehörten. Diese Gruppe zählte etwa 5.000 Mitglieder.

Manfred Stern hatte wie später auch Franz Dahlem, den Nachfolger Hans Beimlers als Beauftragter der KPD, schon früh darauf aufmerksam gemacht, dass es sich die kommunistische Bewegung nicht mehr lange leisten könne, ihre besten Kader in Spanien zu verlieren. Stern schlug daher schon Ende 1936 vor, die Internationalen Brigaden in die Spanische Volksarmee zu integrieren und mit spanischen Kadern aufzufüllen. Stern, international als der »Retter von Madrid« gefeiert, was von seiten der spanischen Regierung mit Argwohn betrachtet wurde, fiel allerdings Ende 1936 in Ungnade, nachdem er die am 8. November erfolgte panische Verlegung des Regierungssitzes nach Valencia kritisiert hatte.

Erst am 23. September 1937 wurde durch ein Dekret des Verteidigungsministeriums die Stellung der Internationalen Brigaden als Bestandteil der Spanischen Volksarmee geklärt. Die Interbrigadisten erhielten das Recht, um die spanische Staatsbürgerschaft zu ersuchen. Laut dem Statut der Komintern sollte es in einem Land nur eine kommunistische Partei geben. Die fast 50 verschiedenen Parteivertretungen bei den Interbrigaden hatten sich längst als störender Faktor erwiesen. Die inzwischen mit über 283.000 Mitgliedern mächtige Kommunistische Partei Spaniens reagierte daher mit dem Aufruf, dass jeder kommunistische Interbrigadist um Aufnahme in die spanische Partei nachsuchen solle. Anfang 1938 wurde das schließlich zur Pflicht, und 90 Prozent der deutschen Interbrigadisten wurden Mitglieder des PCE.

Der Weg nach Berlin

Die Internationalen Brigaden nahmen an allen Schlachten des Spanischen Krieges teil, aufgrund der sie einenden antifaschistischen Überzeugung waren sie zu Eliteeinheiten geworden. »Der Weg nach Berlin führt über Madrid«, soll Hans Beimler geäußert haben. Für viele, die aus faschistischen und autoritär regierten Ländern nach Spanien gekommen waren, war es von besonderer Bedeutung, nach der Schmach der Niederlage und dem Elend der Emigration den Faschisten mit der Waffe in der Hand entgegentreten zu können. Die Mitglieder der Internationalen Brigaden waren, gemessen an der Größe der internationalen Arbeiterbewegung, nur wenige. »Weil aber«, schrieb Peter Weiss in seiner »Ästhetik des Widerstands«, »die Hunderttausenden nicht alles tun, um den Angriff des Faschismus zu brechen, müssen die Tausenden immer wieder genannt werden, denn diese sind es, die aus ihren politischen Einsichten die Konsequenzen ziehen.«

Literatur:

– Dolores Ibárruri: Der einzige Weg. Berlin (DDR) 1964

– Luigi Longo (Gallo): Die Internationalen Brigaden in Spanien. Berlin (DDR) 1958

– Ludwig Renn: Der Spanische Krieg. Berlin 2006

Werner Abel schrieb an dieser Stelle zuletzt am 4. Mai 2019 über die Internierung der Interbrigadisten nach ihrem Abzug aus Spanien.

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  • Leserbrief von Klaus Leger aus Mutterstadt (25. Oktober 2021 um 18:34 Uhr)
    Sehr guter Artikel. Dazu gehört auch, dass Buenaventura Durruti vor Madrid gefallen ist und dass Manfred Stern in den Lagern Stalins umgebracht wurde.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Graz (22. Oktober 2021 um 20:32 Uhr)
    Für Personen, die Spanisch verstehen, sei hier auf folgenden Artikel hingewiesen: https://www.publico.es/politica/pasionaria-feminista-defensora-emancipacion-mujer.html

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

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