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Aus: Ausgabe vom 21.10.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Keine Sekunde sicher

Zu jW vom 13.10.: »Strahlender Wahnsinn«

Der Kommentar zu Frankreichs Atomplänen ist gut und richtig. Vielleicht hätte der Autor noch mehr die Atomlobby in Deutschland in seinen Überlegungen berücksichtigen müssen. Es gibt von der CDU über die FDP bis zur AfD immer wieder Versuche, diese profitträchtige, aber lebensgefährliche Energiegewinnung auch hierzulande weiterzubetreiben. Die Konzerne im Hintergrund wären schnell in der Lage, den Atomausstieg wieder umzudrehen. Und mit Siemens und Co. gibt es immer noch Technologiekonzerne, die weltweit bei der Errichtung von Atommeilern kräftig mitmischen. Auch das Schielen auf die rüstungspolitische Nutzung der Atomkraft, auf den Besitz von und die Verfügung über Nuklearwaffen, ist ein weiterer Grund, dass wir uns keine Sekunde des sicheren Atomausstiegs in der Bundesrepublik sicher sein können. Leider ist weltweit die Atomenergienutzung immer noch eine breit akzeptierte Form der Stromproduktion. Auch China, das in vielen Bereichen andere Wege geht, setzt auf Atomkraftwerke und ist weit davon entfernt, Ausstiegsszenarien zu entwerfen.

Konrad Wanner, Heilbronn

Wähler verprellt

Zu jW vom 12.10.: »›Eine Partei ist kein Selbstzweck‹«

Hans Modrow hat in seiner kritischen Stellungnahme in der jW völlig recht. In der gegenwärtigen historischen Situation sind weder von einer CDU/CSU- noch von einer SPD-geführten Bundesregierung eine akzeptable Innen- und Außenpolitik zu erwarten, sondern eher soziale Kahlschläge, Vernachlässigungen auf wichtigen Gebieten wie Umwelt, Kultur, Wissenschaft, Bildung, Gesundheitswesen, außerdem Aufrüstung, Einsätze der Bundeswehr im Ausland, Ausbeutung der »dritten Welt« und nicht zuletzt Antipathie gegen Russland und China. In dieser Situation wäre eine starke, konsequente sozialistische Opposition im Bundestag (wie bisher oder noch stärker) dringend notwendig. Auf diese Oppositionsrolle hätte sich die Linkspartei im Wahlkampf einrichten müssen. Aber die Mehrheit der Fraktions- und Parteiführung wollte die Regierungsbeteiligung und hielt das auch für eine realistische Option. Sie verprellte damit einen großen Teil der Mitglieder und Wähler der Partei. Hier liegt nach meiner Meinung die Hauptursache für die Wahlniederlage.

Gregor Schirmer, per E-Mail

Vertrauen zurückgewinnen

Zu jW vom 12.10.: »›Eine Partei ist kein Selbstzweck‹«

Wie kam es zu unserer Wahlkatastrophe? Gewiss, mit ihrem kritischen Buch mitten im Wahlkampf hat Sahra Wagenknecht geschadet. Gewiss, abzulehnen ist ihre Unterschätzung (oder gar ihr Verlassen) von linken Traditionen des Internationalismus, von vereintem Gefecht aller arbeitenden Menschen gegen jegliche Distanzierung von Migranten, Schwarzen, Frauenrechtlerinnen oder umweltaktiven Jugendlichen. Gewiss wirkte die »Aufstehen«-Bewegung nicht verstärkend, wie manche hofften, sondern vielmehr spalterisch, wie viele gleichzeitig fürchteten. Aber dennoch: Ihr die Hauptschuld für das Desaster zu geben ist völlig daneben und wirkt eher wie eine Ablenkung von den echten Hauptfehlern. In einem wichtigen Punkt trifft Sahras Kritik allerdings leider zu: unsere mangelhafte Unterstützung und Teilnahme an den (…) Kämpfen der arbeitenden Bevölkerung (und jener, die noch zu jung oder schon zu alt sind, um im Arbeitsprozess zu stehen). (…) Es gibt viele gute Leute bei der SPD und den Grünen. Wenn sie sich mal für gute Sachen einsetzen, etwa für Frauenrechte, manchmal gegen Neofaschisten, dann sollte man gern mit ihnen gemeinsam kämpfen. Doch muss man immer klar erkennen, dass ihre Führungen, bei der SPD seit 1914, bei den Grünen wohl seit Joseph Fischer, bei wichtigen Entscheidungen immer mit denen »da oben« konform gehen. Unsere Linke-Politiker in eine Position zu bringen, wo sie – gar als Schwächere – deren Politik mittragen müssten, im Inland und vor allem im Ausland, würde unserer Partei jede Bedeutung nehmen, wenn nicht gar ihre Existenz. Am 26. September waren wir nah dran. Nur in einer Gegnerschaft zu den Milliardären, die stets danach gieren, die ganze Welt in ihre Klauen zu bekommen, haben wir eine Bedeutung. Und wenn wir das mit klugen Ideen tun, stets unter den Menschen, nicht nur in den Landtagen oder im Bundestag, sondern auf Märschen, Konzerten, Diskussionstreffen, mit Freude und Entschlossenheit, mit Elan, mit Liedern und einer großen Portion Frechheit, können wir wieder das Vertrauen vieler Menschen gewinnen.

Victor Grossman, Berlin

Neussscher Rat

Zu jW vom 13.10.: »Rotlicht: Taiwan-Frage«

Angesichts des allgemeinen China-Bashings sollte die Taiwan-Frage mit Schweigen beantwortet werden. Wenn ich könnte, würde ich den chinesischen Genossen denselben Rat geben, den der Kabarettist Wolfgang Neuss einst seinen westdeutschen Nichtgenossen zur deutschen Wiedervereinigung gegeben hatte: Immer dran denken, nie drüber reden. Hat ja denn auch funktioniert.

Thomas Kuczynski, Berlin

Selbstgerechte Führungsmacht

Zu jW vom 14.10.: »Reich und kaputt«

(…) Die USA sind ein Land voller hochexplosiver innerer Widersprüche. Wie gefährlich diese für die Welt insgesamt werden können, hat die Ära Trump zur Genüge bewiesen. Den Herrschenden ist es über lange Zeit gelungen, einen Teil dieser Widersprüche zu exportieren. Mit einer nun seit über 30 Jahren fast ungezähmten Aggressivität sorgen sie für den Fortbestand von internationalen Ausbeutungsverhältnissen, die dem Land zugute kommen und es (noch) nicht explodieren lassen. Auch die dafür erforderliche riesige Militärmaschine könnten die USA aus eigener Kraft niemals bezahlen. Die Mittel dafür stammen aus der neokolonialen Ausbeutung von Milliarden Menschen in aller Welt. Die Armen dieser Welt dürfen jene Waffen bezahlen, die auf sie selbst gerichtet sind. Und die notfalls auch gewissenlos benutzt werden sollen, um uns alle umzubringen. Wie perfide ist doch die so selbstgerechte Führungsmacht der kapitalistischen Welt!

Joachim Seider, per E-Mail

Die Armen dieser Welt dürfen jene Waffen bezahlen, die auf sie selbst gerichtet sind. Und die notfalls auch gewissenlos benutzt werden sollen, um uns alle umzubringen.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg (21. Oktober 2021 um 12:22 Uhr)
    Vielen Dank an Victor Grossman für seinen Leserbrief vom 12.10.: »›Eine Partei ist kein Selbstzweck‹«. Er spricht mir aus der Seele.