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Aus: Ausgabe vom 21.10.2021, Seite 4 / Inland
Militante Rechte

Söldner in spe

Ex-Bundeswehr-Soldaten aufgrund von »Terrorverdacht« festgenommen. Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Plänen für Einsatz in Jemen-Krieg
Von Kristian Stemmler
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Einheiten wie das KSK oder Fallschirmjäger der Bundeswehr gelten schon länger als braune Sammelbecken (Pfullendorf, 15.6.2019)

Man kann fast die Uhr danach stellen. Erneut ist offenbar ein rechtes Netzwerk von ehemaligen Bundeswehr-Soldaten aufgeflogen. Die Bundesanwaltschaft teilte am Mittwoch mit, dass zwei Exfallschirmjäger am frühen Morgen in München und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald durch Spezialkräfte der Bundespolizei festgenommen wurden. Sie hätten eine Söldnertruppe von 100 bis 150 Mann aufbauen wollen, vor allem aus ehemaligen Soldaten oder Polizisten, mit der sie »durch Kampfhandlungen in den im Jemen herrschenden Bürgerkrieg eingreifen« wollten.

Laut Ermittlungsbehörde wollten die als Beschuldigte genannten Arend-Adolf G. sowie Achim A. »das Bürgerkriegsgebiet ›befrieden‹ und Friedensverhandlungen zwischen den Huthi-Rebellen und der jemenitischen Regierung erzwingen«. »Primäre Triebfeder« sei bei den Beschuldigten »die Aussicht auf einen angestrebten monatlichen Söldnerlohn von rund 40.000 Euro für jedes Mitglied der Einheit« gewesen. Der nach dem »gemeinsamen Tatplan« für Anwerbung und Rekrutierung zuständige G. habe mit mindestens sieben Personen Kontakt aufgenommen, um diese für das Vorhaben zu gewinnen.

Finanzieren sollte die Umsetzung demnach vorzugsweise Saudi-Arabien. A. habe über einen längeren Zeitraum »hartnäckig« versucht, in einen Dialog mit Verantwortungsträgern der saudischen Regierung zu treten, so die Bundesanwaltschaft. Die kontaktierten Stellen hätten allerdings »keinerlei Reaktionen« gezeigt. Die Behörde spricht daher auch nur vom Verdacht einer »versuchten Gründung einer terroristischen Vereinigung«.

Was dem Vorgang Brisanz verleiht: G. und A. sollen nach ihrer aktiven Zeit bei der Bundeswehr für die berüchtigte »Sicherheitsfirma« Asgaard mit Sitz in Münster aktiv gewesen sein, wie der Spiegel am Mittwoch berichtete. G. sei zeitweise sogar deren Geschäftsführer gewesen. Die Firma, bei der laut Spiegel-Bericht vom 17. September 2020 auch schon mal die Nazizeit verherrlicht worden sei, ist seit Jahren im Visier der Behörden, weil sie aktiv um frühere Angehörige von Spezialeinheiten der Bundeswehr und der Polizei wirbt. In der Bundeswehr befürchte man, so das Portal, dass Asgaard geheime Einsatztaktiken und heikle Informationen zu Auslandseinsätzen von Spezialkräften abgreifen könnte.

Mit den Worten »Die unendliche Geschichte geht weiter« kommentierte Tobias Pflüger, Verteidigungsexperte der Partei Die Linke, die Festnahmen am Mittwoch gegenüber jW. »Stück für Stück fliegen die rechten Netzwerke bei der Bundeswehr auf.« Bislang habe die Bundesregierung »da oft weggeschaut«, so Pflüger: »Jetzt ist es wichtig, auch die Netzwerke der Tatverdächtigen, beispielsweise bei Asgaard, in den Blick zu nehmen.« Zu dem Unternehmen habe er im Verteidigungsausschuss des Bundestags, umfangreich nachgefragt. Das Verteidigungsministerium habe erklärt, es ermittele noch. Bei Asgaard handele es sich, so der Linke-Politiker, um »einen Augiasstall, in dem sich auch Rechte tummeln«. Dass einer der beiden festgenommenen Soldaten seine Wohnung bei Calw hat, deute ferner darauf hin, dass »wiederum das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr involviert ist«. Das KSK hat seinen Sitz in dem baden-württembergischen Städtchen.

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