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Aus: Ausgabe vom 20.10.2021, Seite 16 / Sport
Eishockey

Mehr Action

Das internationale Eishockey passt sich mit kleinerer Eisfläche dem Format der nordamerikanischen Profiliga NHL an
Von Andreas Müller
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Die Schwenninger Wild Wings, hier im Auswärtsspiel bei den Straubing Tigers, sind der erste deutsche Klub, der seine Halle an den neuen Standard der kleineren Eisfläche anpasste (Straubing, 17.10.2021)

Bei den Winterspielen im Februar 2022 in Peking werden sich die Stars aus der nordamerikanischen Profiliga NHL wie zu Hause fühlen. Schließlich wird der Internationale Eishockeyverband (IIHF) bei Olympia erstmals auf einer deutlich verkleinerten Eisfläche um Medaillen spielen lassen, wie sie im NHL-Alltag Standard ist. Nicht wie bisher üblich wird die Spielfläche 30 Meter breit sein, sondern nur noch 26 Meter. Auch die 1,20 Meter hohen Banden sollen etwas abgesenkt werden, zugunsten von etwas mehr Plexiglas, um das Geschehen auf dem Eis für Zuschauer und Kameras noch etwas »durchsichtiger« zu machen.

»Künftig werden alle großen Turniere im Welteishockey nur noch unter diesen Bedingungen ausgetragen, natürlich auch die Weltmeisterschaften. In Peking wird der Anfang gemacht«, weiß der (Noch-)Präsident des Deutschen Eishockeybundes (DEB), Franz Reindl, und macht klar, welchen Weg das Welteishockey einschlägt. Der führt nicht hin zur Reduzierung der Zahl der Akteure, um mit vier gegen vier plus Keeper Raum fürs »Schönspiel« zum Beispiel nach dem Vorbild früherer »Sbornaja«-Mannschaften zu schaffen oder gar auf ein Format drei gegen drei umzustellen, wie es inzwischen in der »Overtime« Usus und beim Publikum äußerst beliebt ist und bei den Jugendwinterspielen 2020 in Lausanne in der Schweiz erfolgreich als Turnierformat getestet wurde. Statt dessen soll zusätzlich verengt werden, damit der ohnehin schnellste Mannschaftssport der Welt zu noch mehr Action gelangt.

Mehr Checks und Körperkontakte sind ebenso die logische Folge wie weniger Zeit fürs Passspiel, für technische Kunststücke und andere »künstlerische Feinheiten«. Und es wird auf dem »Minieis« garantiert mehr Torschüsse geben, weil bei einer auf jeder Seite um zwei Meter verkürzten Fläche und entsprechend verändertem Radius in den »Ecken« hinter den Toren für zusätzliche Offensiveffekte im Angriffsdrittel gesorgt wird. »Von außen ist der Weg zum Tor deutlich kürzer, das macht sich natürlich bemerkbar«, hat Krischan Läubin beobachtet. Der Pressemann von den Schwenninger Wild Wings in der Deutschen Eishockeyliga (DEL) kann die veränderten Verhältnisse bei der Torejagd tagtäglich aus nächster Nähe begutachten.

Die Schwenninger sind der erste Klub hierzulande, der seine Eishalle an den neuen IIHF-Standard anpasste, als die Arena für zirka 5.300 Zuschauer im vorigen Jahr modernisiert wurde. Außerdem gibt es seit 2019 vor Ort bereits eine Trainingshalle mit einer Eisfläche im selben »Kleinformat«, so dass die Mannschaft sich lange genug mit den neuen Maßen vertraut machen und darauf einstellen konnte. »Eigentlich wird die kleinere Spielfläche kaum noch thematisiert. Auch die Gastmannschaften betrachten diese besonderen Verhältnisse bei uns als ganz normale Gegebenheit und für viele Spieler, die aus Nordamerika kommen oder schon einmal dort gespielt haben, ist es sowieso keine Umstellung«, berichtet Krischan Läubin. Vielleicht deswegen hat die schmalere Eisfläche den Wild Wings keinen Heimvorteil beschert. Aktuell rangieren sie in der DEL-Tabelle ganz hinten.

»Die technisch versierten Spieler, die besseren Spieler sind im Vorteil, wenn die Räume enger werden«, weiß der früherer Nationalstürmer Reindl, während der Hallenbetreiber in Schwenningen auf einen durchaus spürbaren ökologischen Effekt hinweist. Bei 240 Quadratmeter weniger Eisfläche werde adäquat weniger Energie für die Eisbereitung benötigt. Wieviel weniger im Detail und wie groß die Ersparnis in Euro und Cent, das sei »ein Betriebsgeheimnis«.

»Die Klubs können diesen Weg gehen, sie müssen es aber nicht zwingend machen«, kommentiert die DEL-Zentrale die Neuerung. Als nächstes wird der EHC Red Bull München die Eisfläche reduzieren, sobald zur Saison 2022/2023 der Puck in der neuen, rund 150 Millionen Euro teuren Multifunktionshalle im Olympiapark fliegt. Bis zu 11.500 Zuschauer werden sich dann im Münchner Eisdom wie in Übersee fühlen und hoffentlich erleben, was zuvor im kommenden Februar in Peking und bei der 85. Eishockey-WM in Finnland geboten werden soll: großes Eishockey im kleineren NHL-Format.

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