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Aus: Ausgabe vom 16.10.2021, Seite 12 / Thema
Politik und Wahrheit

Querdenker im Kaninchenbau

Wer Politik als Kampf um Wahrheit versteht, wird weder der Wahrheit noch der Politik gerecht
Von Felix Bartels
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Haben die rote Pille geschluckt und die Wahrheit erschaut, zu der sie sich emphatisch bekennen – selbsternannte »Querdenker« in Berlin (18.11.2020)

Die Aufgabe der Linken scheint heute eher schwierig denn schwer. Wie je führen sie ihr bisschen Kampf gegen die kapitalistische Barbarei – die Verarmung der Menschen, den Rückbau des Staates, den imperialistischen Dauerkrieg. Doch dabei müssen sie sich beharrlich abgrenzen von der Perfomance jener neueren Querfront, die den marxistisch begründeten Klassenkampf durch einen allgemeinen Widerstand gegen Die-da-oben zum Wohl einer vagen »Zielgruppe Mensch« ersetzt hat. Und bei dieser Abgrenzung wiederum dürfen sie nicht in die Spur jener bloß noch Kritik treiben wollenden Postlinken geraten, die, unrettbar geblitztdingst vom liberalen Denken, diese Abgrenzung gegen die Querfront für den Hauptkampf, die Freiheit des Westens für die Hauptsache und die NATO für so was wie ein Instrument der globalen Emanzipation halten.

So erhellend der im Juni dieses Jahres erschienene ARD-Podcast »Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?« war, weil er die Agitation der Querfront als Instrument der Vermögensbildung beschreibt, so sehr verkörpert er seinerseits eine sich als Gesellschaftskritik verstehende Haltung, aus der sämtliche Gesellschaftskritik verschwunden ist: Wo kommt bloß all der Hass her? An uns kann es doch nicht liegen. Er wird herbeiorganisiert von wütenden Wortkriegern und aus Moskau gelenkten Trollen. So oder so ähnlich salbadert die Mehrheitsgesellschaft vor sich hin, sobald sie der Querfront ansichtig wird. Nicht in politischen Missständen, in der falschen Kritik dagegen macht sie das Grundübel der Zeit aus. Wir alle gegen Ken. Der konveniente Spott über das alternative Denken, von den Spiegelfechtern der Kulturindustrie entfaltet – sie mögen Niggemeier heißen, Böhmermann, Lobo, Reschke, Walulis, Welke, Ehring oder Bosetti –, lässt sich als Apologie verstehen, die von sich nichts wissen will: Wenn sie den wütenden Weltverbesserern nachweisen, wieviel Quatsch in ihrem Glauben steckt, brauchen sie den eigenen Glauben nicht mehr zu prüfen. Das ist praktisch, weil man auf diese Weise zugleich kritisch handeln und affirmativ leben kann.

Schiefe Metapher

Zum Leitmotiv des Jebsen-Podcasts wurde folgerichtig die Metapher vom »Rabbit Hole«, denn dieser Zugriff steht geradezu idealtypisch für eine unpolitische Weise, sich mit Politik zu befassen. Der Ausdruck stammt in seiner neueren Bedeutung – ursprünglich findet man ihn natürlich bei Lewis Carroll – vom New York Times-Kolumnisten Kevin Roose und soll die Wirkung von Internet­algorithmen auf das politische Bewusstsein bildlich machen. Dabei geht es um Verknüpfung ähnlicher und Herausfilterung nicht passender Inhalte durch den Anbieter, eigentlich zum pekuniären Zweck, den Konsumenten möglichst lange an das Angebot zu binden. Der politische Effekt ist kollateral. Menschen, heißt das, die sich auf Youtube Verschwörungsgefasel in Kette anschauen, weil sie stets mit einem passenden Anschlussfilm versorgt werden, können der Welt wie in einem langen Tunnel, einem Kaninchenbau, verloren gehen. Der Gedanke ist nicht dumm, Marc-Uwe Kling hat ihn in »Qualityland« (2017) vorgeformt, ebenso die HBO-Produktion »Brexit: The Uncivil War« (2019) oder die Netflix-Dokus »The Great Hack« (2019) und »The Social Dilemma« (2020). Die rechte Hysterie während der sogenannten Flüchtlingskrise, der Wahlsieg Donald Trumps, das EU-Votum der Briten und der Skandal um Cambridge Analytica werden als Etappen kenntlich.

Die Sache nämlich wächst weiter. Heute, da Unlust zu solidarischem Handeln und kleinbürgerlicher Trotz gegen Staatlichkeit eine Negativkoalition aus Coronanarren konstituiert und die vorher lose verknüpfte Querfront unter dem Etikett »Querdenker« auch im Wortlaut zu sich gefunden hat, könnte wohl jeder wenigstens ein bis zwei Bekannte aufzählen, die sich in einem dichten Netz alternativer Informationen verloren haben, offenkundig für immer. Sie sind, wie der urbane Jargon es ausdrückt, lost. Das scheint in der Tat von den Mechanismen des Internets abzuhängen. Spinner mit dem Bedürfnis, sich eine Gegenwelt zu bauen, gab es schon immer, doch es fehlte vormals an medialem Material und sozialen Kontakten. Durch das Internet kann heute jeder eintauchen in eine kaum noch durchlässige Blase, deren Informationen nur aus einer Richtung kommen und von einer Nischenindustrie am Fließband produziert werden. Digitale Vernetzung ermöglicht zudem Milieubildung. Menschen, die einst einsam ihr TV-Gerät beschimpften, erfahren heute voneinander. Und die ersponnene Gegenwelt, nicht länger eingepfercht in Kopf und Wohnzimmer der Befallenen, weitet sich im Milieu der Spinner zur wirklichen Welt. Als Theorie zum Scheitern verurteilt, erlangt sie durch kollektive Praxis eine Art Vorhandensein. Sie wird wahr, weil Leute sich danach verhalten. Man darf hier durchaus an das Ende des »Foucaultschen Pendels« denken. Was 1988 noch irgendwie Blödsinn war, bekam durch die Erfindung des Web 2.0 nachträglich einen Sinn.

So weit, so schief. Technisch scheint die Metapher vom Rabbit Hole adäquat. Dass sie zur Erklärung gesellschaftlicher Probleme nicht taugt, liegt an ihrer politischen Indifferenz. Indem das Gegenbild, das die Spinner sich von der Welt machen, als falsch identifiziert wird, bekommt das geläufige Weltbild, ohne dass irgendwas weiter geschehen musste, den Anschein der Wahrheit. Wenn ich behaupte, dass die »Querdenker« im Kaninchenbau verlorengegangen sind, rufe ich zugleich die Vorstellung auf, dass wir hier draußen in der wirklichen Welt stehen. Alle Versuche der Mehrheitsgesellschaft, die schmuddeligen Abweichungen von ihr zu fassen, langen ins Leere, weil sie andernfalls Fragen zulassen müsste, durch die sie sich selbst in Frage stellte. Weil sie die eigenen Anteile an der Misere identifizieren und einen Blick aufs Ganze gewinnen müsste, den sie als gleichfalls Involvierte nicht haben kann. Wer vom Kaninchenbau redet, fällt selbst hinein.

Mythen der Mehrheitsgesellschaft

Zunächst schon im Faktischen. Wer hier draußen über die Wiesen hoppelt, findet die nämliche Versammlung aus Hörensagen, halbgaren Ableitungen, nützlichen Narrativen und ordinären Lügen wie unten bei den Karnickeln. Die Leute hier lachen gern über Chemtrails, Mondlandungstheorien und das »9/11-Truth Movement«. Rudolf Scharpings Hufeisenplan, die China-Märchen der Falun-Gong-Sekte oder die These vom RAF-Mord an Detlev Rohwedder halten sie für wahr. Es klingeln die Alarmglocken bei der »jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung«, während der »Holodomor« bis heute als wenigstens diskutierbar gilt. Man denkt bei Breitbart und RT Deutsch an Desinformation, doch bei Bellingcat und Bild TV an investigative Recherche. Man hält Julian Assange für durchgeknallt, Alexej Nawalny aber für einen Ehrenmann. Und wenn der Putin-Beißer Boris Reitschuster bei seinen Leisten geblieben wäre, statt sich mittels Coronaspinnereien ins Abseits zu manövrieren, gälte er nach wie vor als seriöser Journalist und nicht als die Springer-kompatible Variante Daniele Gansers. Auch die Mehrheitsgesellschaft hat eine Kultur von Mythen, die man nicht glaubt, weil ausgemacht viel für sie spräche, sondern für wahr hält, weil sie den politischen Gegner treffen.

Doch da liegt mehr im Pott als bloß die Fakten. Dieses Draußen hier ist nicht die wahre Welt, es ist die erscheinende. Von Wahrheit geht erst zu sprechen, wo ein Begriff gebildet wurde. Die Erscheinungen stellen dazu lediglich das Material. Und da muss, hinsichtlich der Menge des sich darbietenden Materials, gelernt werden, zwischen nackten Umständen, ideologischen Eintrübungen und schnödem Trug zu unterscheiden. Die Eintrübungen besitzen ihrerseits etwas wie Wahrheitscharakter, weil sie nicht beliebig passieren, sondern in der Art, in der eine Gesellschaft sich über sich selbst täuscht, die Art der Gesellschaft widergespiegelt wird. Das Falsche ist am falschen Bewusstsein das Wahre. Gleichwohl kann, wer Materialismus und Ideologiekritik für identisch hält, nie materialistische Analyse und immer bloß Ideologiekritik treiben. Und daher schlechte Ideologiekritik, die kein Gramm mehr wiegt als der Jargon, in dem sie sich darbietet. Auch hier draußen also bedeutet die Überwindung der naiv-empiristischen Affirmation nicht zwingend gleich einen Zugang zur Wahrheit, auch hier kann man sich in esoterische Konstruktionen einspinnen, was übrigens nicht nur die Vernunftkiller des späten Bürgertums betrifft – Lyotard, Adorno, Popper, Hayek, Fukuyama usf. –, selbst marxistisches Denken kann den materialistischen Zugriff unterlaufen (wenngleich es dazu, anders als die Strömungen des bürgerlichen Niedergangs, noch denaturiert werden muss).

Folglich besteht zunächst einmal nicht mehr als ein Konkurrenzverhältnis zwischen etabliertem und alternativem Denken. Und obgleich sich das Machtverhältnis der beiden nie umkehren wird, da das alternative, stets hermetische Denken allein in der Enge des Kaninchenbaus betriebsfähig bleiben kann, steigt die Angst der Mehrheitsgesellschaft, die Kontrolle zu verlieren über das, was allgemein für wahr gehalten wird. Denn in der Tat haben die beschriebenen Mechanismen des Internets dem alternativen Denken erstmals eine Art Waffengleichheit ermöglicht. Es kann sich ausweiten und dennoch hermetisch halten. Aber eben nur im eigenen Bereich, dem Kaninchenbau.

Das alternative Denken bezahlt seine Festigkeit mit einem Mangel an Reichweite. Das etablierte Denken bezahlt seine Reichweite mit der stets dräuenden Unsicherheit, dem Gefühl, angreifbar zu sein. Seine Welt ist weit, aber es muss sie sich teilen. Zugleich erwächst daraus eine sekundäre Sicherheit: Der weltanschauliche Unrat kann im weiten Raum besser versteckt werden. Und diese Welt draußen bleibt, im Gegensatz zur rein ersponnenen Gegenwelt, durchaus noch mehr als bloß ein gedankliches Konstrukt. Sie enthält nicht nur Spinnereien, sondern immer auch die Stoffe, aus denen Begriffe gebildet werden können. Aber das, wie gesagt, passiert nicht von selbst, weil Wahrheit eine Sache ist, die erarbeitet werden muss.

Auftritt der »Veritaten«

Zum einen nämlich ist Wahrheit als Kategorie des Politischen nicht fassbar, zum andern zeigt sich der Wahrheitsbegriff, so wie er im politischen Geschäft von heute umläuft, als fruchtlose Setzung. Die Rede vom Rabbit Hole verdeckt den politischen Charakter der stattfindenden Kämpfe, doch sie kann das nur, weil in diesen Kämpfen gar kein politischer Charakter steckt. Sie ist eine Lüge über eine Lüge. Paradoxerweise hat die Wahrheit in dem Moment verloren, wenn geglaubt wird, es gehe in der Politik eigentlich um Wahrheit. Passenderweise wird von Wahrheit in der Politik immer dann gesprochen, wenn in ihr kein politischer Gehalt und also auch keine Wahrheit mehr steckt.

Ich habe 2014, als die »Querdenker« noch nicht »Querdenker« hießen – während der Ukraine-Krise und des ersten großen Pushs der heutigen Querfront, die in sich selbst eine »neue Friedensbewegung« zu erblicken meinte –, den Ausdruck »Veritaten« benutzt. Damit sollte eine bestimmte Art, Politik zu treiben, bezeichnet sein. Eine Nichtpolitik recht eigentlich, die dorthin, wo vorher politischer Inhalt saß, nun die Wahrheit stopfte. Was mir damals noch fehlte, das ist die Beobachtung, dass dieser Vorgang nicht auf die Nischen der politischen Topographie beschränkt bleiben, sondern universell werden wird. Wahrheit scheint heute zum Code aller Parteien geworden. Beide Frontseiten innerhalb des bürgerlichen Komplexes – die dunkle (Pegida, AfD, »Querdenker«, Verschwörungsideologen) ebenso wie die helle (»Groko«-Deutschland, Grün- und Gelbliberale, EU-Patrioten, NATO-Linke) – hantieren mit adäquaten Begriffen: Mut zur Wahrheit, Lügenpresse, Truth Movement, Infokrieg, Trollfabriken, Fake News, Faktencheck, Filterbubble, Verschwörungsdenken, Populismus und letzthin eben auch – Rabbit Hole. Man definiert sich nicht mehr über Klasse, Milieu, Lobby oder Weltentwurf, sondern darüber, dass man im Gegensatz zu den anderen die Wahrheit besitze.

In der Politik aber geht es um Interessen, um die Frage, wie die Welt eingerichtet sein soll. Will ich Wachstum oder Umweltschonung, Reichtum oder Gleichheit, Akkumulation oder soziale Gerechtigkeit, Arbeit oder Genuss, Emanzipation oder Tradition, Freiheit oder Demokratie, Planung oder Spontaneität, Frieden oder Intervention? Jeder, der politisch denkt, muss auf diesen Skalen seine Punkte setzen. Die erste Frage, die sich danach stellt, ist, ob sich meine politischen Ziele innerhalb der vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen umsetzen lassen. Davon hängt die zweite Frage ab, wie ich die Umsetzung meiner Ziele konkret angehen kann. Nicht früher als an dieser Stelle kommt die Wahrheit ins Spiel, denn List der Vernunft hin oder her: Wenn ich die Welt verändern will, schadet es nicht, ein weniges von ihr begriffen zu haben. Wahrheit ist Mittel, nicht Zweck der Politik. Wo das genuin politische, also sittliche Interesse der Politik geleugnet wird, ist die erste Lüge erzählt, und auf dem Grund dieser Lüge kann nichts Wahres mehr wachsen. Es wäre also nicht nach der wahrheitlichen, sondern der sittlichen Differenz der kämpfenden Parteien zu fragen, aber gerade hier wird die Antwort peinlich.

Tatsächlich haben die gegeneinander prallenden Strömungen – die Spinner also und die Mehrheitsgesellschaft – keine grundlegenden Meinungsverschiedenheiten. Zwischen Wolfgang Wodarg und Karl Lauterbach, Ken Jebsen und Angela Merkel, Jens Berger und Claus Kleber liegen keine Welten. Sie stehen sämtlich auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaft, fühlen demokratisch und handeln liberal, alles innerhalb der vorherrschenden Rechts- und Wertekoordinaten. Hier mag einem Freuds Figur des Narzissmus der kleinen Differenzen einfallen: Gerade, wo Unterschiede zwischen Gruppen kaum vorhanden sind – Österreicher und Deutsche, Schalker und Dortmunder, Pokemon und Digimon –, muss eine tiefe Kluft inszeniert werden. Das geschäftige Herbeireden der Wahrheit ist Flucht vor der Wahrheit. Der nämlich, dass man sich lediglich in der Frage des Personals uneinig ist. Nicht im Ob, und nicht einmal im Wie.

Wo Wahrheit zum Ziel des Politischen erklärt wird, vollzieht sich aber nicht nur eine Entpolitisierung der Politik im Namen der Wahrheit, sondern auch eine Entwahrheitung der Wahrheit aus Gründen der Politik. Für Veritaten aller Richtungen gilt: Ihre Wahrheit hat wenig mit Theorie zu schaffen. Es bedarf bei ihnen weder besonderer Anstrengungen noch weiterer Fähigkeiten, die Dinge zu durchsteigen. Wichtig ist zu wissen, wo der Gegner steht. Ideologiekritik und Psychologie, sofern überhaupt bemüht, bleiben volkstümlich. Argumentative Strukturen sind eigentlich nur in dem Sinne vorhanden, als die Text- und Redebeiträge der Veritaten sich wie Panoptiken klassischer Fehlschlüsse ausnehmen. Reflexion und methodologische Überlegungen werden grundsätzlich gemieden. Politische Ökonomie findet allenfalls in vulgärer Form statt: Folge dem Geld oder so. Eigentlich geht es immer bloß darum, irgendwelchen Hintermännern auf die Schliche zu kommen.

Damit hängt die Ausprägung eines emphatischen Wahrheitsbegriffs zusammen. Es kommt, heißt das, kaum mehr darauf an, Gedanken zu entwickeln. Erkenntnis ist hier Besitz, nicht Arbeit. Eine so erlangte Wahrheit muss man schon glauben, um sie zu glauben. Sie erhält, mit einem Wort, den Charakter der Offenbarung. Und wenn sie einmal geglaubt wird, ist sie unangreifbar geworden, kann nicht von Wissenschaft falsifiziert noch von Philosophie im Höheren aufgehoben werden. Ich mache es anschaulicher.

Eine Frage der Entscheidung

Bevor Todd Philipps’ »Joker« 2020 die »Querdenker« in Verzückung setzte – wir erinnern uns, wie Jebsen nach Alex Jones sich das Gesicht bepinselte –, war wohl »The Matrix« (1999) der wichtigste filmische Bezugspunkt des alternativen Denkens. Darin bietet der Adept Morpheus seinem Rekruten Neo, der übrigens einem Kaninchen folgend in die alternative Welt gerät, eine rote Pille und eine blaue Pille an. Schluckt Neo die blaue Pille, wird er erwachen und die Welt wieder so sehen wie je. Schluckt er die rote, wird er sie sehen, wie sie wirklich ist. In diesem Motiv haben wir einen exakten Ausdruck des emphatischen Wahrheitsbegriffs. Da nach der Erzählung des Films die Gegenwelt hinter der Erscheinungswelt nicht eingebildet sein soll, lässt sich das Motiv der roten und blauen Pille nicht als Ideologiekritik oder dergleichen interpretieren. Es bedeutet, was es bedeutet: Um die Welt zu erkennen, muss man sich von einer chemischen Substanz abhängig machen, muss eine Droge nehmen.

Die chemische Substanz ist natürlich ihrerseits Metapher. In »Matrix« war es die Pille, in Carpenters »They Live« (1988) noch eine Brille. Beide Tools stehen für Geistiges: einen bestimmten Gehalt, den man sich vorab eingeflößt hat, eine Erkenntnis vor der Erkenntnis. Das Denken kann, so die Botschaft, aus sich selbst heraus und lediglich mit dem ihm angebotenen Weltstoff die richtige Erkenntnis nicht erreichen. So legt es, von außen angestoßen, einen Schalter um, wonach nichts mehr scheint wie vorher. Kurzum, der Schwerpunkt der Welterkenntnis wandert von der Ableitung in die Prämisse. Wahrheit – seit Thomas von Aquin als Übereinstimmung von Sache und Definition definiert, womit gefordert war, dass sie am Ende der Erkenntnisarbeit stehe, nicht an deren Anfang – wird hier zu einer Frage der Entscheidung.

Das fühlt sich radikal an, vor allem für den Betroffenen selbst. »Querdenkende« verstehen sich als Zeitgenossen, die nicht alles schlucken, denen man nicht alles auftischen kann. Sie haben ihre Wahrheit von außen erhalten, doch ab dort jeglichem Zugriff von außen entzogen. Ihre Radikalität ist ein Disclaimer: »Dem, der es nicht sieht, kann ich es nicht erklären.« Das schwache Kalkül wird durch die starke Prämisse ausgeglichen. Und psychologisch besehen funktioniert die Abhängigkeit in beide Richtungen: Wer in der Theorie schwach ist, muss das durch starke Prämissen kompensieren; wer starke Prämissen bevorzugt, braucht sich in der Theorie nicht mehr das Äußerste abzunötigen. Der emphatische Wahrheitsbegriff soll die politische Überzeugung unangreifbar machen. Sie braucht diesen Schutz, weil sie ständig bedroht wird – von neuen Informationen, Weiterentwicklungen der Lage usf. Politik, die sich als Äußerung sittlicher Substanz versteht, kann sich leisten, auf Veränderungen zu reagieren. Wo der theoretische Gehalt dagegen selbst Inhalt der Politik geworden ist, wird er, der eigentlich absichern soll, selbst der Absicherung bedürftig.

Veritable Erkenntnisarbeit hat kaum je an der Prämisse stattzufinden, sondern im Kalkül: darin, wie der Verstand abläuft, in seiner Art, das Material zu verarbeiten. Der Anspruch, bereits die Wurzel, das Material selbst prüfen zu müssen, ist nur scheinbar besonders gründlich. Es fällt aus der Gleichung, dass in einer komplexen und immer schon medial vermittelten Welt ernstliche Falsi- oder Verifizierung des Überlieferten so gut wie nie möglich ist. Auch die Vertreter der Gegenwahrheit glauben irgendwelchen Quellen, Daten, Zeugen, auf deren Prüfung sie dann bloß weniger Eifer anwenden als bei denen der offiziellen Lesart. Zum anderen folgt aus der Suche, wer da jetzt wirklich wann genau welchen Knopf gedrückt hat, so gut wie nie was von Belang. Materialistische Analyse fragt nach geostrategischen und ökonomischen Interessen, nächsthin nach Ideologie und kulturellen Mechanismen, die Wer-wann-was-Ebene benötigt sie kaum. Bei der Bestimmung zum Beispiel des NATO-Feldzugs in Afghanistan spielt keine Rolle, ob irgendwann am Anfang mal eine False-Flag-Operation stand oder die US-Regierung lediglich eine günstige Gelegenheit genutzt hat. Es ändert nichts an der Struktur des Konflikts, nichts an seinem imperialistischen Charakter. Drittens ist die Vorstellung, man könne so etwas wie eine unbefleckte Situation der Erkenntnis schaffen – eine Prüfung der blanken Fakten, bevor dann die Erkenntnisarbeit beginnen kann –, irgendwas zwischen naiv und ihrerseits korrupt. Denn diese Fakten sind nicht nur von den Quellen abhängig, sondern auch vom Subjekt, das sie bewertet. »Querdenker« selektieren und gewichten wie jeder andere auch. Sie denken – ihre an sich bekloppte Selbstbezeichnung ist hier seltsam ehrlich – nicht besser, bloß schief.

Man stürzt sich also nicht deswegen nicht in den Kaninchenbau, weil hier draußen die Wahrheit schon längst am Tage liegt, sondern deswegen nicht, weil sie allein hier draußen gefunden werden kann. Mit der Flucht in die Gegenwelt werden nur die alten Unzulänglichkeiten auf engerem Raum wieder hergestellt. Die Ableitung ist der Star, nicht die Prämisse. Wer einen Begriff von der Welt erhalten will, bleibe am Tageslicht.

Platoniker von heute

Hierhin gelangt, könnten wir die Sonne sinken und den Abend bei Kaninchen in Weißweinsauce ausklingen lassen. Die Story des alternativen Denkens mag weniger öde sein als ein »Tatort« aus Münster, doch sie ist auserzählt: Bei der Politik tritt die Erkenntnis an die Stelle der Entscheidung, bei der Wahrheit die Entscheidung an die Stelle der Erkenntnis. Alles steht kopf. Bizarrerweise drängt sich gerade dort Platon ins Spiel. Die »Querdenker« werden es nicht wissen, aber er ist ihr Stammvater. Sein »ethischer Intellektualismus«, ausgebreitet in den Dialogen »Menon« und »Philebos«, deutet gesellschaftliches Handeln zu einer Frage der Erkenntnis um, und in seiner berühmtesten Metapher, dem Höhlengleichnis aus der »Politeia«, findet eben jener Transfer von der Ableitung in die Prämisse statt, den wir heute bei den Erleuchteten der Querfront beobachten. Der Autor der »Politeia« empfiehlt, direkt ins Licht zu schauen, wobei man zuerst einmal gar nichts sehe. Die Augen, disclaimt er, müssen sich ans Licht gewöhnen, also daran, bald alles ganz anders zu sehen. Wie das Kennzeichen der Platonischen Philosophie überhaupt die schroffe Entgegensetzung von Wesen und Erscheinung ist. Für Platon kann das Phänomen nichts Wahres enthalten, auch nichts dialektisch Vermitteltes, es scheint bei ihm immer bloß Täuschung. Er muss eine dieser roten Pillen eingeworfen haben; irgendwann hörte die Gedankenwelt auf, Gedankenwelt zu sein, und trat an die Stelle der wirklichen Welt. Zwar beschreibt das Höhlengleichnis einen Gang hinauf, während der Kaninchenbau hinab reicht, doch nimmt ja ein jeder »Querdenker« sein Hinab als Hinauf wahr. Platon verbildlicht exakt den tiefen Fall ins Rabbit Hole, nur aus der Perspektive des Betroffenen. Sein Höhlengleichnis ist bei Lichte besehen ein Höllengleichnis. Vielleicht gewährte man den »Querdenkern« etwas mehr Respekt als verdient, wenn man sie als Platoniker unserer Tage bezeichnete, doch dann hätten sie wenigstens einen akkuraten Namen.

Felix Bartels schrieb an dieser Stelle zuletzt am 22. Mai 2021 über Marxismus und Verfassungsfeindlichkeit.

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  • Leserbrief von Enrico Mönke (22. Oktober 2021 um 13:27 Uhr)
    Das Leitmotiv einer ARD-Sendung hat es zur Schlagzeile einer Themenseite bei der jungen Welt geschafft. So funktioniert Hegemonie. Die Demontage linker Kritik schreitet voran. Felix Bartels philosophisch anmutender Versuch einer Analyse der »Querdenker« scheitert. Denn der Grundfehler der ARD ist auch der seinige: Mit der forschen Aburteilung der »Querdenker« als »Coronanarren« und »Spinner« mit »schmuddeligen Abweichungen« wird der Eindruck erweckt, als wäre damit »das alternative Denken« insgesamt abgehandelt. Stimmt aber nicht. Mit der Behandlung der Ludditen hat man ja auch nicht die Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts beschrieben. Es ist ein Trick aus dem Mittelalter: Jeder Kritiker außerhalb des ausgesuchten Prügelknaben wird als »Spinner« mit »Verschwörungsgefasel« vorverurteilt. Bartels ignoriert mit dieser ARD-Einstellung der Ketzerverfolgung nicht nur die Tausenden Coronademonstranten in Frankreich oder Italien. Er übersieht auch die Falange fundierter Kritiken zur kapitalistischen Krise in Zeiten der Pandemie. Andrea Komlosy, Professorin an der Uni Wien, hat z.B. durchaus eine »materialistische Analyse« geschrieben. Der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring, die Präsidentin von »Brot für die Welt« Cornelia Füllkrug-Weitzel, Prof. Dr. Sven Armbrust (Chefarzt), Werner Rügemer, Professor Thomas Aigner (Leopoldina), Dr. Andreas Bermpohl, Kinder-Infektiologe Dr. Johannes Hübner, Dr. med. Peter Liese, Hans-Jürgen Papier, Manfred Lotze und Ekkehard Basten vom IPPNW - Ärzte in sozialer Verantwortung denken auch quer. Christian Dettmar, Richter in Weimar, gründet sein Urteil gegen Coronamaßnahmen am 8.4.2021 (Az. 9 F 148/21) auf die Gutachten von Prof. Ines Kappstein (TU München), Prof. Christof Kuhbandner (Uni Regensburg) und Prof. Ulrike Kämmerer (Uni-Klinik Würzburg). Alles Spinner? Felix Bartels mag mit feuilletonistischen Geschwurbel über die »Querdenker« herfallen. Auf dem Niveau der Falange von Komlosy bis Kämmerer trägt er nichts bei.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Tibor V. aus Hamburg (21. Oktober 2021 um 15:24 Uhr)
    Felix Bartels’ Beiträge in der jW sind destruktiv für linke Bündnisse, die nötiger denn je wären, aber danach strebt er eher nicht. Umso mehr frönt FB geschraubter Intellektualität und der Lust, jene, die politisch bäh seien, abzustempeln. Diesmal traf es den reflektierenden Jens Berger, der sich in einer Ecke mit Lobbyist Karl Lauterbach wiederfand. Beide stünden »auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaft«, ergo trachten nicht nach der Diktatur des Proletariats. Tja, willkommen im Prinzipienkuckucksheim! Mehr Glück haben ausreichend für links Befundene wie Moshe Zuckermann, der mit blauem Auge davonkommt: »Dieser nicht dumme Marxist hat ein unglückliches Händchen für übelriechende Bündnispartner«, lautet die Notenvergabe auf FBs Website. Ärgerlich, dass jW solcher Holzhämmerei wiederholt Seiten einräumt. So wird die scharfzüngige Lisa Eckhart, die des Philosophen Humor nicht trifft, als »nicht witzig« abgetan, der Kabarettistin »feister Hass« attestiert und sie mit Nuhr versippenhaftet: »eine ausgeprägte Neigung zur politischen Rechten«. In Sahra Wagenknecht sieht FB die ewige Sucherin nach der Mehrheitsströmung, was angesichts ihrer Stellung in der Linkspartei bizarr wirkt. Wobei: Gut, dass Letztere ihre Genossin bisher nur mit Torten bewirft oder, da argumentativ schwer greifbar, eben dauermobbt; und gut, dass sich FB auf sein »Journal für die elegante Welt« beschränkt, dort Wagenknecht mit Frauke Petry als »Rechtspopulistin« gleichzusetzen. Man mag sich nicht vorstellen, unter einer Diktatur linkester Weisheitslöffel zu leben, die Berger und Wagenknecht dann als Volksfeinde isoliert. Bartels beweist: Philosophischer Feinsinn und politischer Grobgeist schließen sich eben nicht aus, wenn er mit Verve etikettiert: Querdenker, Spinner, Unfreunde Israels, Veritaten allüberall! Wer sich am Austeilen so gütlich tut, ist sich selbst genug; der braucht keine Hand auszustrecken. Noch weniger wird er die soziale Basis erreichen, um den beanspruchten Marxismus umzusetzen.
  • Leserbrief von Richard Netlef (18. Oktober 2021 um 18:39 Uhr)
    Wieso müssen »Linke« sich unbedingt »beharrlich abgrenzen« von gesellschaftlichen Gruppierungen, denen »allgemeiner Widerstand« näher liegt als »marxistisch begründeter Klassenkampf«? Da lacht sich das Kapital mal wieder ins Fäustchen! Dabei wäre auch Widerstand in Vielfalt denkbar – und wegen Synergieeffekten womöglich effektiver! Das Abgrenzungsgehabe der »reinen Lehre« dagegen hat schon oft genug in Zersplitterung und Unglück geführt …
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Johannes W. aus Göttingen (21. Oktober 2021 um 10:27 Uhr)
      Wissen Sie überhaupt was das Kapital ist von dem Sie da reden? Wie kommen Sie eigentlich auf die Idee, wir würden alle das gleiche wollen und es gäbe eine gemeinsame Grundlage für ein Bündniss? Ich würde glatt behaupten, die meisten Linken haben sehr unterschiedliche Vorstellungen, was sie wollen, auch wenn sie die gleichen Vokabeln benutzen. Zum Beispiel wenn von »herrschaftsfreien Räumen« die Rede ist, dann meinen die meisten Linken vor allen Dingen die Dominanz ihrer Gruppe gegenüber konkurrierenden Gruppierungen. Dabei ist die Weltanschauung der »Querdenker« übrigens genausoweit von der Wahrheit entfernt wie die vieler Linker auch. Die meisten Linken können »Querdenker« auch nicht kritisieren, weil sie selber über kein Wissen über diese Gesellschaft verfügen, sondern die Beschäftigung mit Theorie für Zeitverschwendung halten bzw. es ihnen einfach zu anstrengend ist. Wenn ihr Studium vorbei ist, sind sie dann auch in der Regel mit Politik nicht mehr beschäftigt, sie haben ihre Zeit auf Demos und Konzerten vergeudet und ihnen fehlt dementsprechend auch das Wissen über diese Gesellschaft, was aber leider die Vorraussetzung ist, um selbige zu verändern.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Johannes W. aus Göttingen (16. Oktober 2021 um 17:44 Uhr)
    Der Artikel selbst errinnert an eine Art Brainstorming zum Umgang mit den Geschichten der Querdenker. Ich habe mit den Querdenkern eine längere Diskussion über die Zentralbank geführt, die sie für die Wurzel allen Übels hielten und wohl leider immer noch halten. Die Querdenker reden andauernd in Konjunktiven. »Es könnte doch sein …« – und dann kommt eine Räuberpistole. Und es geht ihnen nicht um die Wahrheit über die Zentralbank oder irgend etwas anderes, sondern darum Fantasien und Märchen auszutauschen und beharren dabei gerne darauf, dass sie sich ihre krumme Meinung nicht verbieten lassen wollen. Meine Empfehlung: Wer mit Querdenkern diskutiert, sollte sich zuerst weigern, »Gedankenexperimente« und andere Fantastereien als Argument zu akzeptieren.
    • Leserbrief von Jons aus Karlsruhe (18. Oktober 2021 um 17:15 Uhr)
      Während sich auf Seiten, die eigentlich links sind, Leute Sorgen machen, dass jemand die Zentralbank für die »Wurzel allen Übels« halten könnte, arbeitet diese mit ihrer Politik an der Enteignung der geringen Einkommensklassen und an einer Flurbereinigung unter den Banken, über die sich letztlich nur die Großbanken freuen. Falls es darüber hinaus noch etwas über ihre Motive zu spekulieren gibt, scheint mir das doch sehr angebracht angesichts der Tatsache, dass es wohl keine »demokratische« Institution gibt, die sich so sehr der Offenlegung seiner Ziele und der demokratischen Kontrolle entzieht. Der EuGH macht’s möglich. Die Querfront ist deshalb eine Querfront, weil von den offiziell verbrieften linken Gruppen sich kaum jemand mehr die Blöße gibt, den 1 Prozent auf die Finger schauen, die in dieser Welt das Kapital und damit die Macht besitzen. Statt dessen immer schön nach unten treten, auf die Leute, die eh am Arsch sind. Der Kommentar des Vorredners ist symptomatisch dafür (sorry).
      • Leserbrief von Onlineabonnent/in Johannes W. aus Göttingen (21. Oktober 2021 um 12:06 Uhr)
        Sie scheinen nicht begriffen zu haben, dass demokratische Institutionen, die sie mal in Anführungsstriche setzen und mal nicht, überhaupt nicht dafür da sind, den »1 % auf die Finger zu schaun«. Demokratie ist die perfekte Form bürgerlicher Herrschaft, deren Ziel allein das Wirtschaftswachstum ist, also eben genau dass die Akkumulation des Kapitals gelingt. Das geht eben dann auf Kosten der 99 % und nicht erst seit Corona. Erst recht nicht können Sie und Ihre Querdenkerfreunde das tun, dafür fehlt es Ihnen nämlich an Macht, das Gewaltmonopol hat hierzulande der Staat. Kommunisten haben sich in grauer Vorzeit deswegen mal zum Ziel gesetzt, diesen Apparat zu zerschmettern und nicht ihn zu verbessern, durch etwas demokratische Kontrolle, so wie sie es vorschlagen. Auch bei Ihnen kann ich leider einen Unwillen beobachten, sich mal mit den Zwecken dieser Gesellschaft zu beschäftigen. Statt dessen leben Sie lieber in Ihren Idealen, in der auch »untere Einkommensklassen« irgendetwas besitzen sollten, wenn es auch nicht gerade viel ist. Sie glauben wohl an einen guten Kapitalismus ohne zuviel Finanzkapital, so wie ein gewisser deutscher Kanzler in den 30ern. Das ist kein moralischer Vorwurf, ich möchte Ihnen nur zeigen, dass mich und Sie offensichtlich keine politische Gemeinsamkeit verbindet, es also nicht an meiner Arroganz liegt, dass ich Anliegen nicht unterstütze. Mit Ihrem beleidigten Rechtsbewusstsein unterstellen Sie mir dann auch noch »nach unten zu treten«, so als ob jeder, der Ihre falschen Urteile nicht teilt, ein Profiteur des Systems sei. So ist es natürlich schwer, mit Ihnen zu diskutieren, wenn Sie mich für einen Agenten halten.

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