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Aus: Ausgabe vom 14.10.2021, Seite 16 / Sport
American Football

Der eklige Alte

American Football: Raiders-Trainer Jon Gruden hetzte in Mails. Nun ist er seinen Job los
Von Rouven Ahl
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Neuer Posterboy der US-amerikanischen Rechten? Footballtrainer Jon Gruden

Jon Gruden ist nicht länger Trainer des NFL-Teams Las Vegas Raiders. Der 58jährige trat am Montag von seinem Posten zurück. Die New York Times hatte zuvor Inhalte aus Grudens Mailverkehr mit dem ehemaligen Präsidenten des Washington Football Teams, Bruce Allen, veröffentlicht, in denen er verschiedene Personen aus dem NFL-Umfeld auf rassistische, sexistische, frauenfeindliche und homophobe Art beleidigt.

»Ich bin als Head Coach der Las Vegas Raiders zurückgetreten. Ich liebe die Raiders und möchte keine Last sein. Danke an alle Spieler, Coaches, den Trainerstab und die Fans der Raiders Nation. Es tut mir leid, ich wollte nie jemandem weh tun«, so Gruden in einem Statement am Montag abend.

Das darf durchaus bezweifelt werden: Wie die New York Times berichtete, hatte sich der nie um einen deftigen Spruch verlegene Gruden u. a. abschätzig über die Ernennung von Frauen als Schiedsrichterinnen, den Protest von Spielern für mehr soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung sowie die Verpflichtung von schwulen Spielern geäußert. Mit Carl Nassib ist der erste aktive und offen homosexuelle Spieler der National Football League im Team der Raiders.

In den Mails lässt Gruden, der schon länger ein Image als harter Hund alter Schule kultiviert, seinem Ressentiment die Zügel schießen: den NFL-Präsidenten Roger Goodell bezeichnet er als »Schwuchtel« und behauptet, dieser hätte die Los Angeles Rams 2014 gezwungen, mit Michael Sam einen schwulen Spieler zu verpflichten. Auch kritisiert er das Vorhaben der Liga, Gehirnerschütterungen im Spiel zu reduzieren. Über den ehemaligen Boss der Spielergewerkschaft DeMaurice Smith, einen Schwarzen, schrieb Gruden, er habe »Lippen so groß wie Michelin-Reifen«. Ein Spieler, der während der Nationalhymne protestiere, solle gefeuert werden. Zudem wurden Nacktbilder von Cheerleadern ausgetauscht.

Die Korrespondenz stammt aus den Jahren 2011 bis 2018 und wurden im Zuge einer Untersuchung der NFL zum toxischen Arbeitsumfeld beim Washington Football Team entdeckt. Gruden war zu diesem Zeitpunkt beim US-amerikanischen Fernsehsender ESPN angestellt. Dieser bezeichnete die Äußerungen als »abscheulich«.

Mark Davis, Besitzer der Las Vegas Raiders, akzeptierte laut einem Statement den Rücktritt des Coaches. Er hatte Gruden 2018 mit einem Vertrag über zehn Jahre und einem Gesamtvolumen von 100 Millionen US-Dollar ausgestattet – auch im Millionenspiel American Football eine Seltenheit. Davis hatte die Verpflichtung damals noch »als Traum, der wahr wird,« bezeichnet.

Auch sportlich verlief die Zusammenarbeit bis dato wenig erfolgreich. Gruden gelang es in seiner Amtszeit nicht einmal, die Raiders in die Play-offs zu führen. Mit den Tampa Bay Buccaneers hatte er 2002 noch den Superbowl gewonnen. Das Franchise aus Florida hat den Extrainer wegen der Mails mittlerweile aus dem »Ring of Honor«, einer Art Ruhmeshalle, entfernt.

Unvermeidlicherweise hat derweil ein Teil des ultrarechten Amerikas Gruden als eine Art Märtyrer für sich entdeckt, er sei ein Opfer der »Cancel Culture«. Damit hat er ein Umfeld gefunden, in das er hervorragend passt. In der NFL dürfte er sobald keinen Job mehr finden.

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