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Aus: Ausgabe vom 14.10.2021, Seite 2 / Ausland
Regenerativer Strom

»Das kann alten Dieselgenerator ersetzen«

Verein sammelt Spenden für Projekte mit erneuerbaren Energieträgern in Kuba. Ein Gespräch mit Lothar Reininger
Interview: Gitta Düperthal
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Kabelsalat: Das Thema Energieversorgung mit Energie aus erneuerbaren Quellen ist auf Kuba komplex. Der Wille ist da, aber das Geld fehlt (Havanna, 15.11.2008)

Ziel des Netzwerkes Inter-Red Cooperción e. V. ist es, eine Art Solarkraftwerk in Kuba aufzubauen. Es soll aus Photovoltaikanlagen auf mehreren Dächern bestehen. Wie kamen Sie auf die Idee?

Der kubanische Staat hatte geplant, bis 2030 rund 30 Prozent der Energieversorgung mit regenerativen Energieträgern zu erreichen; unter anderem im Solarbereich. Pläne lagen bereit, es fehlten die Mittel. Durch die Kuba stark treffende Pandemie, weggebrochenen Tourismus auf der Insel und Trumps Sanktionen fehlte es dem sozialistischen Land an Devisen. Der damalige US-Präsident beschränkte Geldüberweisungen, sanktionierte Unternehmen und Schiffe, die Öl nach Kuba liefern. Der neue US-Präsident Joseph Biden nahm nichts davon zurück, verhängte im Gegenteil neue Sanktionen. Wir wollen zeigen, dass wir an die Zukunft Kubas glauben.

Welche Probleme hat Kuba bei der Energieversorgung?

Wir wollen Solarpaneele auf Dächern von Betrieben installieren, die Medikamente und Impfstoffe für die kubanische Bevölkerung herstellen. Kuba hat zu wenig regenerative Energie. Da es Wasserkraft nur in kleinem Umfang gab, unterstützte Inter-Red bereits seit 1995 seine kubanischen Partner mit dem Verlegen von Leitungen, Umspann- und Steuerungstechnik, um entlegene Dörfer mit Strom zu versorgen. Unter dem Aspekt der Klimakrise ist die Solarenergie für Kuba interessant: Eine Anlage, die in Deutschland 950 Kilowatt Stromertrag im Jahr bringt, kann auf Kuba 1.400 KW erzeugen, also rund 50 Prozent mehr, weil die Sonne dort intensiver scheint. Dies kann einen alten Dieselgenerator ersetzen, der viele CO2-Emissionen ausstößt.

Geht es Ihnen mit Ihrem Projekt darum, zu einem Ausgleich für die Folgen der Coronapandemie und der Wirtschaftsblockade in Kuba beizutragen?

Trumps Einschränkungen sind kaum auszugleichen, weil sie das Land milliardenschwer treffen. Wir wollen ein Zeichen unserer Unterstützung setzen, weil wir finden, dass das kubanische Volk es verdient, unter besseren Umständen zu leben. In Zeiten der Coronapandemie ist es wichtig, dass Impfstoffe hergestellt und gekühlt werden können. Dafür muss es Energiesicherheit geben.

Wie groß könnte die Leistung eines solchen Kraftwerks sein?

Wir wollen etwa 200 Kilowatt peak liefern, das ist eine Jahresleistung von 280.000 Kilowatt. Unser Ziel ist es, einen Pharmabetrieb damit zu bestücken. Produktion, Forschung und Lagerung setzen gekühlte Räume voraus. Die Installation der Solaranlage mindert den Wärmeeintrag ins Gebäude und erzeugt gleichzeitig Strom, der vollständig, auch an Wochenenden, vor Ort benötigt wird. Stromspeicher werden nicht gebraucht, das öffentliche Netz wird so entlastet.

Gibt es bereits ähnliche Projekte für die Energiewende?

Im Bereich Photovoltaik hat Kuba mittels Investoren aus China und arabischen Ländern Solarparks mit bis zu vier Megawatt Leistung auf kommerzieller Ebene errichten lassen. Wir werden dagegen bescheidene 0,2 Megawatt beisteuern: Unter anderem durch Spenden des Frankfurter Arbeitervereins »Leben und Arbeiten im Gallus und Griesheim« (LAGG) und vieler Kuba- und Klimafreunde kamen bis zum 10. Oktober mehr als 60.000 Euro zusammen.

Wie ist Inter-Red Cooperción e. V. entstanden?

Das Frankfurter Netzwerk gibt es seit 1992. Wir belieferten die Werkstatt des Behindertenverbands »Asociación Cubana des Limitados Físicos-Motores « (jW: Kubanischer Verband der körperlich und motorisch Behinderten) mit Ersatzteilen und Werkzeug zur Fertigung und Reparatur von Rollstühlen sowie mit gebrauchten Exemplaren. 1993 konnten wir – mit Unterstützung des hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Technologie – Materialien dafür nach Kuba liefern. Gemeinsam mit den kubanischen Partnern bauten wir Biogasanlagen. Für uns ist es ein großer Antrieb, die karibische Inselrepublik, die sich seit 60 Jahren gegen das US-Embargo zur Wehr setzt und neuerlich auch kein Öl mehr aus Venezuela beziehen kann, in der Weise zu unterstützen, dass sie eine gesicherte Stromerzeugung hat. Wir hoffen auf Unterstützung des Landes Hessen sowie auf Spenden.

Lothar Reininger ist stellvertretender Vorsitzender des Netzwerkes Inter-Red Cooperción e. V.

Spendenkonto unter: https://interred-org.de/ein-solarkraftwerk-fuer-cuba/

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