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Aus: Ausgabe vom 09.10.2021, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Bildreportage

Der Ozean kommt näher

Steigender Meeresspiegel und Übersalzung: Verlorener Lebensraum am Pangani-Fluss in Tansania
Von Federico Romano/Parallelozero
Nahrungsquelle und Einkommen: Für junge Menschen bietet der Pangani kaum noch eine Zukunft
Trinken sollten sie das Wasser nicht: Fischer kehren zurück von ihrer Arbeit
Sind auf die Lebensader angewiesen: Bewohnerinnen eines einsamen Dorfes am Ufer des Pangani
Von Fischen zu Kokosnüssen: Arbeiter laden große Säcke der Frucht auf Boote
Zwei Fahrer warten mit ihren Pikipikis (Suaheli für Motorrad) in Pangani auf Kundschaft
Auch Krabben gibt es im sumpfigen Uferbereich des Pangani
Verbindung zwischen den Ufern: Die Pangani-Fähre befördert meist Einheimische und Straßenhändler
Nicht gesund, aber alternativlos: Der Pangani als Frischwasserquelle

An der Mündung des Pangani-Flusses in Tansania ist die globale Erwärmung etwas ganz Reales: Man kann sie buchstäblich trinken. Der Meeresspiegel des Indischen Ozeans steigt seit Jahrzehnten an, entzieht dem Fluss Süßwasser und lässt Salzwasser in Grundwasserleitungen und Brunnen eindringen. Jetzt beschleunigt sich dieser Prozess: Ein Liter Wasser aus dem Fluss kann bis zu 2.000 Milligramm gelöste Feststoffe (TDS) enthalten, während der akzeptable Wert für sicheres Süßwasser nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 800 Milligramm nicht überschreiten sollte. Sogar der Geschmack ist unangenehm, aber die Einheimischen, vor allem die Fischer, trinken es langsam wie eine schlechte, gefährliche Medizin. Immer häufiger landen sie aufgrund des verunreinigten Grundwassers mit Dehydrationsproblemen im Krankenhaus.

Die Regierung hat ihre eigenen Parameter für die Definition von Süßwasser festgelegt, fordert aber die Einheimischen auf, das Gebiet zu verlassen und weiter im Landesinneren zu leben. In der Stadt Pangani und in der Flussregion wachsen der Unmut und die Konflikte, denn im Landesinneren kann ein Fischer seiner Arbeit nicht nachgehen, und auch die Bauern und Viehzüchter haben ihre Probleme mit dem Wasser. Viele von ihnen können es sich einfach nicht leisten, wegzuziehen, und Pläne für den Schutz der Brunnen vor salzigem Wasser mit Hilfe von Barrieren sind noch nicht ausgereift, da die notwendigen Mittel dafür anscheinend nicht zur Verfügung stehen.

Pangani erscheint wie ein Paradies, mit Palmen und einem entschleunigten Leben. Aber der Sand schimmert jetzt farbig und glänzt – es gibt immer mehr Mineralien im Boden. Ein unsichtbarer Feind geht um in diesem schönen Teil der afrikanischen Küste, der Zeichen seiner Anwesenheit hinterlässt, die nur wenige lesen können, aber jeder zu hassen beginnt.

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