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Aus: Ausgabe vom 08.10.2021, Seite 7 / Ausland
Krieg mit Drohnen

Unbemannt und bewaffnet

Die Menge macht’s: EU und BRD wollen Drohnenschwärme von »Mutterschiff« über Gefechtsgebieten abwerfen
Von Matthias Monroy
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Eine alleine reicht nicht mehr: Test einer Drohne auf dem Bundeswehr-Truppenübungsplatz in Todendorf (4.10.2018)

Die Europäische Union könnte zukünftig weitere Mittel in die Entwicklung von sogenannten Drohnenschwärmen investieren. Das geht aus Dokumenten hervor, die von der britischen Nichtregierungsorganisation Statewatch zur nächsten Finanzierungsrunde der »Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit« veröffentlicht wurden. Diese nach ihrer englischen Bezeichnung als Pesco abgekürzte Initiative fördert die militärische Zusammenarbeit von 25 EU-Mitgliedstaaten. Im Mittelpunkt steht die Finanzierung und Durchführung gemeinsamer Rüstungsprojekte. Eine auf diese Weise anvisierte »Europäische Verteidigungsunion« soll auch verstärkt unbemannte Luftfahrzeuge einsetzen.

Zu den Vorschlägen gehört die Entwicklung einer senkrecht startenden großen Drohne, in deren Innern sich »eine große Anzahl« weiterer, kleiner Drohnen befinden. Diese könnten dann über Gefechtsgebieten abgesetzt werden. Nach ihrem Einsatz sollen sie selbständig zu der Plattform zurückfliegen. Das Projekt trägt den Namen »Drehflüglerandockstation für Drohnen«, federführender Mitgliedstaat wäre Italien mit Frankreich als weiterem Teilnehmer. Die Bundeswehr will daran als Beobachterin teilnehmen. Ob das Vorhaben tatsächlich aus dem Pesco-Programm finanziert wird, entscheiden alle Mitgliedstaaten im Rat der Europäischen Union.

Auch die deutsche Luftwaffe führt Erprobungen mit derartigen Drohnenschwärmen durch. Als Führungsflugzeug fungiert ein kleiner Jet, der von Zieldarstellungsdrohnen begleitet wird. Diese eigentlich für Schießübungen entwickelten, unbemannten Luftfahrzeuge werden von dem deutschen Ableger des europäischen Rüstungskonzerns Airbus hergestellt. Erste Tests erfolgten über der Ostsee und auf einem Übungsplatz in Finnland.

Die Fähigkeit des unbemannten Schwarmflugs mit einem »Mutterschiff« wird als »Manned-Unmanned-Teaming« (MUM-T) bezeichnet. Drohnen können auf diese Weise Kampfjets oder Hubschrauber bei der Aufklärung oder einem Angriff auf Bodenziele unterstützen. Weil es sich dabei um eine hochkomplexe Vernetzung handelt, muss die Steuerung von einer Software unterstützt oder sogar komplett übernommen werden. Daran forscht Airbus im Zusammenhang mit dem »Zukünftigen Luftkampfsystem« (Future Combat Air System – FCAS), das ab 2040 produziert werden soll. Einem Entwurf zufolge wiegen die dafür vorgesehenen Flugdrohnen maximal 200 Kilogramm, verfügen über Tarneigenschaften und können bewaffnet werden. Für ihre Entwicklung will Airbus mit dem europäischen Raketenhersteller MBDA kooperieren. Den Abwurf eines solchen Drohnenschwarms hat Airbus bereits von einem A-400-Transportflugzeug der Bundeswehr simuliert.

Schließlich wünscht sich auch das deutsche Heer Drohnen, die im Verbund mit bemannten Luftfahrzeugen eingesetzt werden. Sie sollen einen Helikopter begleiten und Landeplätze oder ein Gefechtsfeld auskundschaften. Dabei handelt es sich zunächst um ein Assistenzsystem, die Piloten geben also nicht sämtliche Kontrolle an die Drohne ab. Allerdings wird auch hier an der Weiterentwicklung der Technologie mit Hilfe künstlicher Intelligenz geforscht. So arbeitet etwa die Helikoptersparte von Airbus daran, das »Manned-Unmanned-Teaming« mit einem Hubschrauber und einer großen Helikopterdrohne umzusetzen. Airbus zufolge können diese Systeme mit dem höchstmöglichen Grad an Automatisierung fliegen. Der gesamte Flug, einschließlich Start- und Landevorgang, wird durch Computer erledigt.

Laut einem Positionspapier des Amtes für Heeresentwicklungen von 2019 könnten die Drohnenschwärme sogenannte Übersättigungsangriffe durchführen. Auch wenn viele der Luftfahrzeuge von einem Gegner abgeschossen werden, können sie diesen durch ihre schiere Anzahl kampfunfähig machen. Die Bundeswehr soll dafür einen Container entwickeln, der 100 solcher Drohnen enthält. Dorthin kehren die Drohnen automatisch zurück, wenn ihr Akku aufgeladen werden muss. Auch ein etwaiger Kampfeinsatz würde autonom erfolgen.

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