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Aus: Ausgabe vom 07.10.2021, Seite 6 / Ausland
Schlacht um Marib

Angriffskrieg geht weiter

Saudische Militärkoalition intensiviert Aggressionen gegen Ansarollah in Jemen. Blockade der Versorgungswege dauert an
Von Wiebke Diehl
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Vom Krieg gezeichnet, in Trauer um die Opfer: Ein Unterstützer der Ansarollah auf einem Friedhof in Sanaa (29.9.2021)

Immer weiter rücken die Ansarollah (»Huthis«) auf die Provinzhauptstadt Marib im gleichnamigen öl- und gasreichen Gouvernement im Nordjemen vor. Die demokratisch seit sechs Jahren nicht mehr legitimierte »Regierung« von »Präsident« Abed Rabbo Mansur Hadi und die ihn unterstützende Kriegskoalition unter Führung Saudi-Arabiens könnten die wirtschaftlich und strategisch bedeutende Stadt und damit langfristig den Krieg verlieren. Denn Marib gilt als »Tor« für weitere Eroberungszüge im von Hadi und den Separatisten des Südübergangsrats kontrollierten Süden des Landes.

Marib liegt etwa 120 Kilometer östlich der jemenitischen Hauptstadt Sanaa, die die Ansarollah zusammen mit großen Teilen des Nordjemens 2014 eingenommen haben und seither kontrollieren. Seit Anfang des Jahres haben die Kämpfer ihre Offensive auf die Provinzhauptstadt verstärkt. Riad, die Vereinten Nationen, die US-Administration und andere westliche, die »Regierung« Hadi anerkennende Staaten haben seither ihre Bemühungen um einen Waffenstillstand erhöht. Trotz anderslautender Behauptungen hat die Militärkoalition ihren Angriffskrieg aber nicht eingestellt. Im Gegenteil: Raketen- und Artillerieangriffe insbesondere auf die Provinz Hodeida, deren gleichnamige Hauptstadt gemäß einem 2018 unter Ägide der Vereinten Nationen ausgehandelten Abkommen als neutrale Zone gilt, sind zuletzt verstärkt worden – nur Tage nach einer Reise von Jacob Sullivan, dem nationalen Sicherheitsberater des US-amerikanischen Präsidenten Joseph Biden, nach Riad. So meldete der Ansarollah-Sender Al-Masirah am 29. September rund 60 Luftangriffe in der Region Marib innerhalb von 48 Stunden. Das von Biden im Januar gegebene Versprechen, keine »Angriffshandlungen« der Kriegskoalition mehr zu unterstützen, entpuppt sich damit ein weiteres Mal als Farce.

Ebenfalls nicht erfüllt worden ist die von der UN-Sicherheitsratsresolution 2451 aus dem Jahr 2018 gedeckte Forderung der Ansarollah, den für die Versorgung von Millionen Jemenitinnen und Jemeniten essentiellen Hafen Hodeidas sowie den Flughafen in Sanaa freizugeben. Seit fünf Jahren wird die Einfuhr von Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten erheblich erschwert und so das Leben von 26 Millionen Menschen aufs Spiel gesetzt. Erst am 1. Oktober lief ein Tanker mit 8.473 Kubikmetern Gas in Hodeida ein, nachdem er fast drei Monate lang von saudischen Behörden festgehalten worden war. Der am Boden liegenden jemenitischen Wirtschaft ist durch die Blockade ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden, und allein über 30.000 Menschen können nicht für lebensnotwendige medizinische Behandlungen ausgeflogen werden. Zudem wird das Recht auf Reisefreiheit beispielsweise zu touristischen, Studien- oder geschäftlichen Zwecken sowie zu Familienbesuchen verwehrt.

Dass ein Flug nach Sanaa nicht möglich ist, kostete am 9. September den 30jährigen Studenten und US-Staatsbürger jemenitischer Abstammung, Abdul Malik Al-Sanabani, das Leben. Er war nach zehn Jahren im Exil am Flughafen von Aden gelandet, kurz darauf wurde er von mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbündeten Banden, von denen seit Jahren bekannt ist, dass sie geheime Foltergefängnisse im Südjemen unterhalten, grausam gefoltert und getötet – weil sie ihn für ein Mitglied der Ansarollah hielten. Al-Sanabani ist kein Einzelfall: Übergriffe gegen Zivilistinnen und Zivilisten, Folter, »Verschwindenlassen« und Morde sind genau wie die gewaltsame Zerschlagung von Demonstrationen in Aden und Umgebung an der Tagesordnung. Die »Sicherheitskräfte« des Südübergangsrats, die von Abu Dhabi mit Waffen auch aus Deutschland ausgerüstet werden, bleiben in den allermeisten Fällen straflos.

Am Sonnabend sind bei Kämpfen zwischen Mitgliedern des Südübergangsrats, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit ihren nominellen Verbündeten der »Regierung« Hadi bekriegt haben, mindestens vier Separatisten getötet worden. Die Bewohnerinnen und Bewohner des zentralen Kraterviertels in Aden, in dem sich auch die Zentralbank der »Regierung« Hadi und das Regierungshauptquartier befinden, wurden am Sonnabend aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. Nur mit Hilfe gepanzerter Fahrzeuge konnte die Fehde beendet werden.

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