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Aus: Ausgabe vom 06.10.2021, Seite 5 / Inland
Immobilienmarkt

»Die Grenze des Bezahlbaren«

Neue Studie: Mietpreise in deutschen Großstädten stagnieren. In Berlin geht der Wahnsinn weiter
Von Alexander Reich
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Für manche Investoren ist es ein Spiel, für viele Mieter einfach nur existenzbedrohend

Der stetige Anstieg der Mietpreise in deutschen Großstädten könnte ein vorläufiges Ende erreicht haben – zumindest da, wo längst schon völlig astronomische Summen aufgerufen werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Immobilienportals »Immowelt«, über die Tagesschau.de am Montag berichtete. Untersucht wurden Angebotsmieten in 14 Großstädten mit jeweils mehr als 500.000 Einwohnern. Verglichen wurde das dritte Quartal dieses Jahres mit dem zweiten. In fünf Städten kletterten die Preise demnach weiter nach oben, im Vorjahreszeitraum sei das noch in acht Städten der Fall gewesen, so die Autoren der Studie. »Die Preiskurven flachen in immer mehr Städten ab.«

In sechs der 14 untersuchten Ballungsräume blieben die Preise annähernd konstant, allerdings auf zum Teil schwindelerregendem Niveau. Für 80 Quadratmeter – drei Zimmer, zweiter Stock – wurden in München beispielsweise wie gehabt durchschnittlich 1.320 Euro fällig, in Hamburg blieb es bei gut 870 Euro. Dabei wurden nur Bestandswohnungen berücksichtigt. Eine vergleichbare Neubauwohnung war in München zum Beispiel noch einmal deutlich teurer: 19,79 Euro pro Quadratmeter.

Zu den drei Städten, in denen die Mietpreise leicht nachgaben, gehören Frankfurt und Stuttgart. Am Main sanken die Preise das zweite Quartal in Folge um jeweils ein Prozent auf nunmehr 11,60 Euro, am Neckar sanken sie sogar das fünfte Quartal in Folge um jeweils ein Prozent auf mittlerweile 11,07 Euro pro Quadratmeter.

»Die Grenze des Bezahlbaren ist mancherorts erreicht«, erkannte Studienmitautor Jan-Carl Mehles an, was auf der Hand liegt. »Viele Mieter haben bereits jetzt große Probleme, sich eine Wohnung im Stadtgebiet zu leisten.« Zuletzt hatte DIW-Präsident Marcel Fratzscher am 1. Oktober im Deutschlandfunk mit Blick auf die stetig wachsende Zahl von Familien, die mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens fürs Wohnen ausgeben, gesagt: »Das ist wirklich das große soziale Thema«. Weiterhin größer wird dieses Thema übrigens laut Immowelt-Studie in Berlin, wo die Mieten – wie auch in Köln und Düsseldorf – wieder um zwei Prozent gestiegen sind. So war es in der Hauptstadt auch vor drei Monaten schon. Inzwischen liegt die Durchschnittsmiete hier bei 9,39 Euro. Die Initiative »Deutsche Wohnen & Co. enteignen« will diesen Schnitt auf 4,04 Euro senken. Angesichts der forcierten Verdrängung kann das nicht schnell genug gehen.

»In Berlin geht der Mietenwahnsinn weiter«, sagte Jonas Becker von der Initiative am Dienstag mit Blick auf die Immowelt-Studie gegenüber jW. »Das beste Mittel ist Vergesellschaftung, deshalb hat die überwältigende Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner dafür gestimmt. Damit das Votum des Volksentscheids respektiert und umgesetzt wird, werden wir den Druck auf die an den Koalitionsverhandlungen beteiligten Parteien aufrechterhalten und sie genau beobachten.«

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