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Aus: Ausgabe vom 27.09.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Kurs Untergang

Zu jW vom 17.9.: »Militärpakt gegen China«

Jawoll, genau das brauchen wir heute: einen weiteren Kriegspakt. In einer Zeit, in der alle menschlichen, materiellen und technischen Ressourcen dieser Welt für die Verhinderung der Klimakatastrophe benötigt werden. Wie gemeingefährlich sind die für ihren Profit keine Grenzen kennenden Kapitalisten? Und warum sind die Menschen nicht zu einem Systemwandel bereit? Vermutlich, weil in jedem von uns ein kleiner Kapitalist steckt: Solange ich zu essen und zu trinken habe und mir meine kleinen Vergnügungen gegönnt werden, solange mucke ich nicht auf und begnüge mich mit den Brosamen vom Tisch der Reichen. Und genau mit dieser Haltung mache ich eine weitere Eskalationsstufe in Richtung der Selbstausrottung der Menschheit möglich. (…)

Sam Schiebert, Potsdam

Unfassbarer Leichtsinn

Zu jW vom 21.9.: »In die Luft, Proleten«

(…) Die Themen Großchemie, Düngerherstellung mit Bezug auf Sprengstoffe und überhaupt alle hochgefährlichen und problematischen Nebenwirkungen verdienen eine breitere Betrachtung. Schon allein deswegen, weil vor einem Jahr der Hafen von Beirut mit demselben Zeug in die Luft geflogen ist wie damals Oppau, nämlich Ammoniumnitrat. In Beirut waren es angeblich einige tausend Tonnen mehr als 1921, eine halbe Großstadt liegt seitdem in Trümmern. Es gab noch einige weitere katastrophale Ereignisse mit Ammoniumnitrat in den USA, wenn ganze Schiffe in die Luft flogen. Für mich als Chemiker unfassbar, wie offenbar immer noch unbekümmert mit diesem Explosivdünger umgegangen wird. Außerdem gibt es Parallelen zwischen der großindustriellen Kunstdüngerherstellung und ihren tödlichen Nebenwirkungen (Sprengstoffe, Militär, Katastrophen, langfristige Zerstörung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit, Kriege um Phosphat) und der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomkraft mit ihren ebenfalls tödlichen Nebenwirkungen. Wir hatten Großkatastrophen mit Wind­scale, Three Miles Island, Tschernobyl, Fukushima, wir haben die militärische »Nutzung«, wir haben die Jahrtausende währende Verstrahlung ganzer Landstriche und schließlich die ungelöste »Entsorgung« gewaltiger Mengen Strahlenmülls. Kunstdünger versprach das Ende allen Hungers auf der Welt, er könnte langfristig mit seinen Brüdern aus der Pestizidchemie dafür sorgen, dass irgendwann nichts oder nichts Gesundes mehr zum Essen heranreifen kann. Über die sehr unfriedlichen Folgen der Atomkraft, die uns einst als quasi ewige Lösung aller Energieprobleme angedreht wurde, dürfte nirgends auf der Welt noch Unwissen bestehen.

Emmo Frey, Dachau

Freiheit erkämpfen

Zu jW vom 21.9.: »In die Luft, Proleten«

Die verheerenden Folgen der Katastrophe von Oppau 1921 spürten die Proletarier noch lange. Es gab mehr als 7.000 Obdachlose. Viele Jahre litten sie in Behelfsbehausungen. Invaliden, die Familien in schwerster Not. Als im Winter die Frierenden Abfallholz sammelten, wurden sie von Justitia verurteilt. Die Kapitalisten erhöhten ihre Dividende und das Aktienkapital. »Proleten fallen – die Aktien steigen«, berichtete drei Jahre nach der Explosion die KPD-Betriebszeitung in der »Explosions-Gedenknummer Mörder Kapital«. Und weiter: »Kollegen, wer gibt euch die Gewähr, dass sich diese Katastrophe nicht wiederholt? Das Antreibersystem wird weiter auf die Spitze getrieben.« Es kam wie befürchtet. 1943: Explosion mit 70 Toten, viele Zwangsarbeiter; 1948: Explosion mit 210 Toten usw. »Chemie ist, was stinkt und kracht.« Es stinkt immer und kracht häufig. Meistens kann die betriebseigene Feuerwehr Schlimmeres verhindern. Aber nicht nur, was stinkt und kracht, ist gefährlich. Viele Beschäftigte der Chemieindustrie sind Dioxin und anderen Giften ausgesetzt, was Krankheits- und Krebsrisiken erhöht. Die Firmengeschichte durchzieht eine lange Blutspur mit vielen Toten. Rücksichtslose Ausbeutung, Zwangsarbeit, Giftgasproduktion sowohl für den Krieg als auch für die KZ-Krematorien unter dem Mantel der IG Farben sind Beispiele. Die nach 1945 verurteilten Konzernverbrecher saßen bald wieder in den Chefsesseln. Den Toten der Explosion von 1921 widmete die BASF ein Denkmal. Und die KPD-Betriebszeitung schrieb dazu erhellend: »Dem lebenden Arbeiter hilft aber weder ein Denkmal für die Toten, noch wird er eine große Freude darüber empfinden, dass auch er eins bekommen soll, wenn er in der Gifthölle umgekommen ist. Von den Anilinkönigen darf er sich nicht Steine schenken lassen, sondern muss sich seine wirtschaftliche Rechte und politische Freiheit erkämpfen.« Na klar!

Niki Müller, ehemaliger BASF-Jugendvertreter, Friedrichstadt

Notwendiger denn je

Zu jW vom 11./12.9.: »Kampf um die ­Pressefreiheit«

An Unverschämtheit sind die Aktionen seitens des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und des Innenministeriums Euch gegenüber nicht mehr zu überbieten. Es wird wieder einmal ganz deutlich, dass diese Institutionen Wahrheiten, die Ihr ansprecht, nicht ertragen können. Fakten Eurer Artikel werden staatlicherseits nicht widerlegt (weil es nicht möglich ist), sondern falsch interpretiert – oder es wird gelogen, was hier gang und gäbe ist. Ich habe das Gefühl, man will seitens dieser Institutionen einfach nicht begreifen, dass es in der DDR gegenüber der Gegenwart auch Vorzüge gab. Weiterhin bin ich der Meinung, im Geschichtsbewusstsein dieser Leute vom Schlage eines Herrn Horst Seehofer fehlt so einiges – falls dieses bei ihnen überhaupt vorhanden ist. Liebe Freunde! Lasst Euch bloß nicht kleinkriegen, steckt ja nicht zurück und macht weiter so! Die jW ist für die tägliche Agitation notwendiger denn je. In meinen Gesprächen mit unseren Bürgern als Stadtrat beziehe ich mich stets auf Eure Artikel. Wertvoll sind für mich auch die Beiträge zu geschichtlichen Vorgängen sowie die über Kuba und China. Ich drücke Eurer Redaktion und dem Verlag beide Daumen, dass dieser Prozess zu Euren Gunsten ausgehen wird!

Frank Schubert, Jahnsbach

Wie gemeingefährlich sind die für ihren Profit keine Grenzen kennenden Kapitalisten? Und warum sind die Menschen nicht zu einem Systemwandel bereit?

Zeitung für das Recht auf Wohnen

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  • Leserbrief von Andre’Moussa Schmitz aus Berlin (29. September 2021 um 21:58 Uhr)
    Es wäre geschafft, SPD. Jetzt könnt Ihr Eure Missetaten aus den Zeiten von »Rot-Grün« wiedergutmachen! Hanrtz IV abschaffne, dann eine Einheitsrente! Vom Mindestlohn über den Wohnungsbau bis zur Drogenpolitik – allein die Freigabe von Marihuana und für die Langzeitkonsumenten, die zehn bis zwanzig Jahre in Haft waren, auch von Heroin bis Kokain würde die Kriminalität um 40 bis 50 Prozent senken, so dass zwei Drittel der Gefängnisse geschlossen werden könnten und dann auch eine Resozialisierung stattfinden kann! Allein die Steuereinnahmen aus dem Marihuanahandel würden Milliarden bringen! Ein bis zwei Millionen Arbeitsplätze – SPD, Ihr könntet alles wiedergutmachen, und CDU und CSU würden weinen, doch ich bin mir sicher, dass Ihr wieder eine Koalition des Stillstands bilden werdet, die Ärmeren noch ärmer werden und die Kapitalisten sich weiter ihre Taschen vollstopfen lasst.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (28. September 2021 um 10:01 Uhr)
    Armin Laschet betreibt Autosuggestion und wird immer peinlicher. Autosuggestion ist eine tückische Fähigkeit. Wer sie beherrscht, redet sich so lange etwas ein, bis er selbst daran glaubt. Als Spitzenkandidat der Union hat er die Bundestagswahl brutal verloren, seine persönlichen Umfragewerte sind noch viel schlechter als die seiner Partei – trotzdem redet er sich selbst ein, dass er doch einen prima Kanzler abgeben könnte. »Wenn Armin Laschet Anstand und Haltung hat, muss er zurücktreten«, klingt eindeutig die mediale Urteil. Aber wann hatten schon Berufspolitiker Anstand und Haltung? Und noch eine persönliche Bemerkung: Wie kann es sei, dass Leute mit solchem Urteilungsvermögen in der Politik so weit kommen?