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Aus: Ausgabe vom 27.09.2021, Seite 8 / Ansichten

NZZ-Ableger des Tages: »Liberethica«

Von Jan Greve
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Die Blätter aus dem Hause der NZZ-Mediengruppe eignen sich bei richtiger Faltung hervorragend als Türstopper

Bei Thilo Sarrazin heißt es »Tugendterror«, der deutsche Durchschnittsfaschistoide spricht von »linksgrün versifft«. In der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag wird nun der »Gesinnungsdruck« gegeißelt, der von »Linken, Kirchen und Hilfswerken« ausgehe. Das messerscharf erkannte Problem: Es gibt (immer noch) zuviel Humanismus auf dieser Welt. Folglich wird der Finger in unser aller Wunde gelegt: In dem »moralisch aufgeladenen Diskurs« über das Wirtschaftssystem dominierten »Slogans wie ›Menschlichkeit statt Profit‹«. Die Redaktion zeigt sich betroffen.

Doch Rettung naht: Eine Denkfabrik namens »Liberethica« soll künftig »liberale Perspektiven auf ethische Fragen in Wirtschaft und Politik« erarbeiten. In einem jW nicht vorliegenden internen Arbeitspapier könnte das mittelfristige Ziel wie folgt formuliert sein: Wer trotz Vollzeitmaloche, Netflix-Serien und Glyphosatgemisch auf dem Teller immer noch halbwegs klare Gedanken und eine Vorstellung davon hat, was vernünftig ist (Solidarität statt Konkurrenz) und was nicht (Arbeiter und Natur ausbeuten, bis nur noch Burnout und Erderhitzung bleiben), der soll in seiner verbliebenen Freizeit von Peter Wuffli (Foto) zugetextet werden. Der war Chef der für allgemeine Wohltaten bekannten Schweizer Großbank UBS, schrieb einst als freier Journalist für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und hat die Gründung von »Liber­ethica« mitverbrochen. Im aktuellen Artikel heißt es, der »philantropische Investor« wolle mit seinen Mitstreitern wie Gerhard Schwarz, einst stellvertretender NZZ-Chefredaktor, »wirtschaftsliberale Akteure dabei unterstützen, im ethischen Diskurs aus der Defensive auszubrechen«.

Wer je geglaubt hat, sich durch moralische Windungen aus dem Würgegriff des Kapitals befreien zu können, war ohnehin verloren. Kein Wunder, dass NZZ-Größen bei diesem niedrigen Argumentationsniveau in Stimmung kommen.

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