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Aus: Ausgabe vom 25.09.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Chinakohl mit Erdnusssauce

Von Maxi Wunder

»Astern – schwälende Tage, / alte ­Beschwörung, Bann. / Die Götter halten die Waage / eine zögernde Stunde an. //

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Noch einmal die goldenen Herden, / der Himmel, das Licht, der Flor. / Was brütet das alte Werden / unter den sterbenden Flügeln vor?«

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Gute Frage, gestellt von Gottfried Benn im Jahr 1935 in seinem Gedicht »Astern«. Doch was nützt es, Sonntag abend »gebannt« auf das mediale Ausbrüten der Wahlergebnisse zu lauern? Die SPD wird die soziale Frage nicht lösen, die Grünen keinen NATO-Austritt fordern, und die CDU wird weiterhin christliche Werte verraten. Statt auf Hochrechnungen zu starren, empfiehlt sich die weitere Lektüre:

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»Noch einmal das Ersehnte, / den Rausch, der Rosen Du – / Der Sommer stand und lehnte / und sah den Schwalben zu.«

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Aus dem Schwalbenflug das politische Wetter vorauszusagen, ist mir nicht gegeben, ich kenne nur die alte Bauernregel: »Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich’s Wetter, oder es bleibt wie’s ist.« Letztere Option scheint mir die Wahrscheinlichere, egal, wie sich der geschäftsführende Ausschuss der herrschenden Klasse diesmal zusammensetzt.

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»Noch einmal ein Vermuten, / wo längst Gewissheit wacht: / Die Schwalben streifen die Fluten / und trinken Fahrt und Nacht.«

Wir trinken lieber Bier und knuspern China­kohl mit Erdnusssauce:

Einen halben Chinakohl vierteln, putzen und die Viertel in sehr dünne Streifen schneiden. Eine Paprikaschote putzen und in feine Streifen schneiden. Vier Frühlingszwiebeln putzen, das Weiße und das helle Grün in dünne, schräge Ringe schneiden. 200 g Möhren schälen und grob raspeln. Gemüse in einer Schüssel mischen, etwas Frühlingszwiebelgrün beiseite legen. Eine Knoblauchzehe und 25 g Ingwer schälen und grob hacken. Mit drei EL Sojasauce, zwei EL Ahornsirup, fünf EL Limettensaft und etwas Wasser in einem Blitzhacker sehr fein zerkleinern. Ein EL Erdnussbutter, ¼ TL Chiliflocken und vier EL Öl zugeben und nochmals kurz mixen. Dressing evtl. mit Salz nachwürzen. Das Dressing über das Gemüse geben, gut durchmischen und 20 Minuten ziehen lassen. Erdnüsse grob hacken. Den Salat mit Erdnüssen und dem restlichen Frühlingszwiebelgrün bestreut servieren.

Seit den 20er Jahren gilt der Arzt und Dichter Gottfried Benn (1886–1956) als Meister der expressionistischen Lyrik, die vielfach die Schattenseiten seines Berufes darstellt (»Gedichte aus der Morgue«, erstmals erschienen 1912). Nach anfänglich treuer Gefolgschaft zu Hitler wandte er sich Mitte der 30er Jahre vom Faschismus ab. Er wurde im SS-Organ »Das schwarze Korps« denunziert, der Völkische Beobachter bezeichnete ihn als »Schwein«, Schriftstellerkollege Börries von Münchhausen versuchte ihm zu schaden, indem er ihn fälschlicherweise als Juden bezeichnete. Um weiterer Verfolgung zu entgehen, bemühte sich Benn um einen Posten als Militärarzt bei der Wehrmacht, den er auch erhielt. 1938 wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und bekam Schreibverbot. Nach dem Krieg arbeitete Benn wieder als Arzt in seiner alten Praxis in Berlin. 1951 wurde ihm in der BRD der Georg-Büchner-Preis verliehen. Er starb mit 70 Jahren.

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