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Aus: Ausgabe vom 23.09.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Rote Karte

Zu jW vom 18.9.: »Flucht aus ›Sahelistan‹«

Die USA hatten russische Söldner der in Hongkong registrierten Wagner-Gruppe am 7. Februar 2018 einfach totgebombt, als sie für den syrischen Staat die östlich von Deir Al-Sor gelegenen Ölfelder von US-gestützten Separatisten zurückerobern wollten. Da ist es durchaus beruhigend, wenn die mehr als 6.000 deutschen und französischen Soldaten vor den angeblich bald eintreffenden 1.000 russischen Söldnern nur die Flucht ergreifen. (…) Dass Kooperationsmöglichkeiten mit dieser Söldnertruppe zum Wohle Malis gar nicht erst ausgelotet werden sollen, spricht Bände. Es geht dem Westen mit seinen Militäreinsätzen in der Welt abseits schöner Sonntagsreden offenbar in der Tat nur um Wahrung der eigenen Macht und um Sicherung des Zugriffs auf Rohstoffe. (…) Wie absurd, erst den islamistischen Aufständischen gegen den später von ihnen ermordeten libyschen Staatschef Muammar Al-Ghaddafi Luftunterstützung zu geben und dann die gleichen islamistischen Aufständischen in Mali zu bekämpfen. Verständlich wird das erst, wenn man unter anderem bedenkt, dass Mali anders als Libyen innerhalb der von Frankreich dominierten CFA-Franc-Zone liegt. Man kann den Doppelstandards des Westens nicht oft genug die gelbe und rote Karte zeigen.

Ulf Gerkan, per E-Mail

Rolle verkannt

Zu jW vom 18.9.: »Mit Marx und Jesus«

Ich lebe seit 1975 in São Paulo und hatte Kontakt zu Paulo Freire. Ich muss leider sagen, dass ich ihn in dem vorliegenden Text kaum wiederkenne. Er war hier dafür bekannt, dass er bei der Alphabetisierung vom konkreten Hauptinteresse, genauer: von den dringendsten sozialen Bedürfnissen der zu alphabetisierenden Erwachsenen, ausging. Bei Wassermangel beispielsweise von »Wasser« als erstem zu schreibenden Wort. Mit dem schriftlichen Fixieren kam das Lesen, mit dem Lesen der Austausch über den eigenen kleinen Lebensbereich hinaus. Mit dem »Aufschreibenkönnen« für sich und andere wurde das Thema vor allem erst mal »gepackt«, Bewusstsein erzeugt und verstärkt. Paulo Freire wollte eine dialektische Beziehung zur Realität, nicht das technizistische Fitmachen (»für die Banken«, wie er mal gesagt hat), das wir heute ja durchgehend erleben. Feststellungen des Autors wie »Von der pädagogischen Teleologie ist es dann nur noch ein kurzer Schritt zur Theologie« oder »mit Marx und Jesus« sind da eher Wortspielerei. »Marx und Jesus« kommen überein im Interesse des Gemeinwohls, unbeschadet dessen, was man posthum mit ihnen angestellt hat. Statt dessen kein Wort darüber, dass – und warum – Freire von der Militärdiktatur verfolgt und exiliert worden ist. Kein Wort über die weltweite Anerkennung seiner »Pädagogik des Unterdrückten«, über seine Rolle in der Arbeiterpartei und vieles mehr. Dafür Relativierung und auch unterschwellige Abwertung. (…)

Wolf Gauer, São Paulo, Brasilien

Wie im Kolonialismus

Zu jW vom 20.9.: »Neue Hackordnung«

Ich stimme teilweise mit Jörg Kronauer überein. Aber man muss auch folgende Fakten sehen, die nicht so günstig für London sind: Auf dem chinesischen Markt (…) sind die Bedingungen für das britische Finanzkapital durch das neue AUKUS-Bündnis zwischen Australien, dem Vereinigten Königreich und den USA auf keinen Fall verbessert worden; auch Südostasien und selbst Süd- und Ostasien dürften das nicht mit großem Enthusiasmus aufnehmen. Das sieht aus wie in der kolonialen Epoche vor 1945. (…) Was kann Großbritannien in so ein Bündnis einbringen? Übernimmt man sich nicht? Prinzipiell ist die Pazifikregion interessanter als Europa. Aber Europa liegt vor der Haustür, und der größte Teil der Londoner City und der britischen Außenwirtschaft war besonders dort tätig. Es gibt zwei britische Großbanken mit starker Präsenz in Hongkong. Die HSBC sehen viele Hongkonger als ihre Bank an. Dito die Standard Chartered. Beide emittieren neben der Bank of China den Hongkong-Dollar! Die Diskussion über eine Verlegung des Hauptsitzes nach Hongkong dürfte wieder Fahrt aufnehmen. Es gibt in der Hongkonger Sonderwirtschaftszone Leute, die ein Bekenntnis von beiden Banken fordern. Ihr Weggang aus London wäre eine herbe Schwächung der City. Australien, das ganz klar imperialistische Ambitionen mit AUKUS äußert, sehen viele als den Agrarexporteur. Aber Australien hat die größte Konzentration an Bergbaukapital weltweit. Dem wird man zukünftig noch genauer auf die Finger schauen. Umweltfreundlich sind die Bergbauindustrien auf keinen Fall! Wer so deutlich eine Dominanz militärischer Sichten in seiner Außenpolitik erkennen lässt wie die AUKUS-Länder, wird kaum mit mehr Sympathien rechnen können.

Achim Lippmann, Shenzhen, China

Goldgrube

Zu jW vom 18.9.: »›Rot-Rot-Grün‹ fördert Immobilienhaie«

(…) Die entscheidende Eigentumsfrage, die Frage danach, wer wie und wodurch Reichtum schafft und mehrt, wessen Arbeit und Leistung dahinterstehen, diese Frage wird nicht einmal mehr von der Linken gestellt. Damit erscheint jede Forderung nach Enteignung ungerechtfertigten Reichtums geradezu als Unrecht (…). Aber was ist ein Volksentscheid über eine angebliche Enteignung, bei der dem Eigentümer oder Besitzer das zu Enteignende abgekauft werden soll? Was ist daran Enteignung, wer wird dabei im Grunde gleich ein weiteres Mal enteignet, zur Kasse gebeten, und wem wird die Nase noch einmal vergoldet? Eigentlich ein Witz, »Enteignung« zu nennen, was, genau besehen, ein Bereicherungsprojekt ist. Berliner Immobilienspekulanten sind nicht die ersten, die ihre Geschäfte mit Kommunen über öffentliche Güter zu Lasten der Bevölkerung höchst profitabel betreiben. (…) Die Mehrer von Eigentum ohne eigene Leistung erklären immer, wie sie dieses angeblich zu Recht erworben haben. Sie verdummen noch alle Welt und behaupten, es gehe um Omas Häuschen, Genossenschaften usw. – nur nicht um ihre eigene Goldgrube zur Ausbeutung öffentlicher Güter mit aktiver Hilfe von Staat und Parlamenten.

Roland Winkler, Aue

Die entscheidende Eigentumsfrage, die Frage, wessen Arbeit und Leistung hinter dem Reichtum stehen, diese Frage wird nicht einmal mehr von der Linken gestellt.

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