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Aus: Ausgabe vom 22.09.2021, Seite 10 / Feuilleton
Film

Von Idealen

So war das 18. Neiße-Filmfestival
Von F.-B. Habel
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Aber was, wenn Jesus Kommunist ist? Michal und Juraj in Gewissensnöten

Das Neiße-Filmfestival (NFF), das sich im Dreiländereck etabliert hat und zum 18. Mal bei den drei beteiligten Nachbarn Deutschland, Polen und Tschechien über die Bühne bzw. Leinwände ging, hatte es pandemiebedingt schwerer als sonst, übergreifend zu wirken. Vom Mai auf den September verschoben und um zwei Tage verkürzt, konnte das Festival keine große Eröffnung feiern. Statt dessen lief der Eröffnungsfilm »Je suis Karl« von Christian Schwochow und Thomas Wendrich, der die Gefahr der neuen Rechten thematisiert, in Sälen der drei Länder. Jannis Niewöhner und Luna Wedler brillierten in dieser beängstigenden, allerdings dramaturgisch nicht zwingenden Vision über rechte Rattenfänger (siehe Seite 15, jW).

Der gegenwärtige Aspekt fehlte weitgehend beim Gewinner des Spielfilmwettbewerbs »Diener« (Sluzobnici) von Ivan Ostrochovsky als Koproduktion mit der Slowakei. Er erzählt von zwei jungen Seminaristen, die 1980 vor die Alternative gestellt werden, an der Seite parteinaher Kleriker den Staat zu verteidigen oder im Sinne des Vatikans Untergrundarbeit zu leisten. Der Jurypreis ist zweifellos für die strenge, stilisierte Bildsprache dieses in Schwarzweiß gedrehten Films angebracht, die Kameramann Jan Chipik in der Tradition des großen Jan Curik (»Der Fall Gleiwitz«, 1961) geleistet hat. Allzu viele Fragen aber blieben offen: Warum entscheiden sich die jungen Männer in der sozialistischen CSSR für eine Priesterlaufbahn? Haben sie Ideale? Wie hatten sie ihre Eltern, die die deutsche Besetzung ertragen mussten, für das Leben in der Nachkriegszeit erzogen? Eine Mutter wird im Film nur erwähnt, weibliche Rollen aber gibt es nicht.

Von Ausländerfeindlichkeit handelt Eline Gehrings Film »Nico«. Sara Fazilat (bekannt aus der TV-Serie »Die Füchsin«) spielt eine Altenpflegerin mit iranischen Wurzeln. Als sie Opfer eines rassistischen Überfalls wird, lernt sie, sich zu verteidigen. Für die beste darstellerische Leistung wurde Fazilat ausgezeichnet. »Durch die ständige Präsenz der Protagonistin entsteht eine emotionale Transparenz, die uns als Zuschauer auch das Innere der Hauptfigur spüren lässt«, hob die Jury besonders hervor.

Den Preis fürs beste Drehbuch konnte Regisseur Marcus Lenz bei der Preisverleihung in der Grenzstadt Ebersbach in Empfang nehmen. In deutsch-ukrainischer Koproduktion entstand seine kammerspielartige Sozialstudie »Rivale« um einen neunjährigen Ukrainer, der zu seiner illegal in Deutschland arbeitenden Mutter kommt.

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