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Aus: Ausgabe vom 22.09.2021, Seite 10 / Feuilleton

Gregorek, Lang

Von Jegor Jublimov
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»Ich schleppe eben eine tote Seele in einem lebendigen Rumpf herum« – Alexander Lang als Matthias Clausen in Hauptmanns »Vor Sonnenuntergang« (2004)

Am Sonntag wird sie 80 Jahre alt – der Muse eines großen Schriftstellers, die von den Bühnen des Landes leider Abschied genommen hat, widmete Wiglaf Droste zu ihrem 75. Geburtstag ein Gedicht, in dem es heißt: »Wer will ein Schoß- und Kuscheltier der Mächtigen / wer will schon runter in die Liga der Debilen / Wer möchte bei Opportunisten nächtigen, / der weiß, wie schön es ist, stets Champions League zu spielen? / Mit einer Lederpuppe ein Gespräch zu führen ist kein Klacks / im Hause Goethe über den sehr abwesenden Herrn Peter Hacks.«

Ja, Karin Gregorek, die sich nach ihrem Schauspielstudium in Berlin-Schöneweide erst mal in Altenburg, Dessau und Erfurt ausprobierte, kam 1969 nach Berlin. Ihre Antrittsrolle am Maxim-Gorki-Theater war die »Regina B.« in einem Stück von Siegfried Pfaff, und bei der Defa fiel sie als Krankenschwester in Filmen wie »Dr. med. Sommer II« (1970) und »Einer trage des anderen Last …« (1987) auf. Sie spielte in Fernsehfilmen der »Polizeiruf«- und »Staatsanwalt«-Reihen, aber ihre bleibenden künstlerischen Leistungen bot sie auf dem Theater. Sie glänzte vor allem in Stücken ihres Lebensgefährten Peter Hacks wie »Rosie träumt« (1975) über die mittelalterliche Dichterin Rosvitha (Hrosvith) von Gandersheim oder mit ihrem großen Solo in »Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe« (1976), in dem sie als Frau von Stein eine stumme Puppe anspielte. Dass sie sich seit den 90er Jahren in Serien wie »Tierarzt Dr. Engel« und zuletzt »Um Himmels willen« verdingte, hat mit ihrer Spiellust zu tun, wie auch damit, finanziell sorgenlos zu sein. Sie wusste, dass sie sich eine künstlerische Weiterentwicklung ohne Hacks nicht erhoffen durfte.

In Hacks’ Stück »Der Schuhu und die fliegende Prinzessin« spielte 1966 Alexander Lang seine erste Rolle in Berlin. Ab 1969 wurde er einer der prägenden Darsteller am Deutschen Theater. Dort entwickelte er sich auch mit aufsehenerregenden Inszenierungen mit eigenwilligen Interpretationen von Stücken von Heiner Müller, Lessing, Shakespeare oder Brecht zu einem der erfolgreichsten Regisseure im deutschsprachigen Raum. Dem breiten Publikum wurde er durch einige seiner eher seltenen Film- und Fernsehrollen bekannt, etwa als junger Kriminalist in »Leichensache Zernick« (1972), als Philosoph in Konrad Wolfs »Solo Sunny« (1979/80) und in der Titelrolle der Filmadaption von Stephan Hermlins antifaschistischer Erzählung »Der Leutnant Yorck von Wartenburg« (1981) – aber auch 1980 als Lehrer, der Selbstmord begeht, in dem heute zu Unrecht vergessenen Fernsehfilm »Eine Anzeige in der Zeitung« nach Günter Görlichs Vorlage.

Alexander Lang, der sich aus Gesundheitsgründen zurückgezogen hat und am Freitag sein 80. Lebensjahr vollendet, wurde 2020 der Konrad-Wolf-Preis der Berliner Akademie der Künste verliehen.

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