75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Freitag, 3. Dezember 2021, Nr. 282
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 22.09.2021, Seite 8 / Ansichten

Fassungsloser des Tages: Lars von Lackum

Von Jan Greve
8prt Kopie.jpg
Will weiter Gewinne auf Kosten der Mieter machen: Lars von Lackum

Unruhe herrscht in Berlin. Nur noch wenige Tage, und die Revolution wird die Verhältnisse in der Hauptstadt zum Tanzen bringen. Ihr wichtigstes Werkzeug dabei: das Grundgesetz.

Spätestens an dieser Stelle könnte man als halbwegs politisch interessierter Mensch innehalten und sich verwundert die Augen reiben. Klar, das Volksbegehren der Initiative »Deutsche Wohnen und Co. enteignen« stellt nicht irgendeine, sondern die Eigentumsfrage. Andererseits beziehen sich die Aktivisten dabei auf das Grundgesetz, das Enteignungen »zum Wohle der Allgemeinheit« zulässt, solange »Art und Ausmaß der Entschädigung« geregelt sind. Wie radikal ist das denn?

Sehr, findet Lars von Lackum. Der Mann ist Chef des Wohnungskonzerns LEG Immobilien, der Nummer drei auf dem deutschen Markt der Mieterauspresser. Lackum ist angesichts der geplanten Vergesellschaftung von Unternehmen, die mehr als 3.000 Wohnungen besitzen, so aufgebracht, dass er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom Dienstag nach Atem rang. Das Anliegen sei nicht nur falsch, es sei »unfassbar falsch«. Zur Begründung bietet er einen Zirkelschluss an: Weil man im Kapitalismus zum Gewinnemachen verdammt ist, muss man Gewinne machen. Wie sonst, wenn nicht durch steigende Mieten, sollten Wohnungen instand gehalten, modernisiert oder neu gebaut werden, zeigt sich Lackum nachhaltig irritiert von der Vorstellung, dass ein Wirtschaftssystem nicht auf Ausbeutung beruhen könne. Und er prognostiziert: Würde in Berlin Eigentum vergesellschaftet, drohten dort »in einigen Jahren« ähnliche Verhältnisse wie in Kuba.

Die begrenzte Vorstellungskraft des studierten Betriebswirts zeigt eindrücklich, wie verrückt die Profite­macherei mit einem Grundbedürfnis ist. Wer gerne in einer der bald enteigneten 150.000 Wohnungen der LEG günstig zur Miete wohnen will, hebe die Hand.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Mehr aus: Ansichten