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Aus: Ausgabe vom 22.09.2021, Seite 1 / Titel
Arbeitskampf

Schraube locker bei IKEA

Tarifrunde Einzelhandel: Verdi bestreikt zahlreiche Filialen der Möbelhauskette
Von Ralf Wurzbacher
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Ärgernis für Beschäftigte: IKEA macht mit bei der bundesweiten Blockadehaltung der Unternehmer im Einzelhandel

Entdecke die Möglichkeiten. Zum Beispiel: Wie wäre es, wenn IKEA seine Mitarbeiter so bezahlte, dass sie ein gutes Leben führen können? Am Dienstag setzten Hunderte Beschäftigte der schwedischen Möbelhauskette an mehreren Standorten in Norddeutschland mit einem eintägigen Streik ein Zeichen im festgefahrenen Tarifkonflikt des Einzelhandels. Betroffen waren nach Verdi-Angaben unter anderem die Filialen in Hannover Expo-Park, Bremerhaven, Osnabrück und Braunschweig. Obwohl der Konzern im Vorjahr trotz Coronakrise seine Erlöse steigern konnte, beteilige er sich an der »bundesweiten Blockadehaltung« des Unternehmerlagers, beklagte Sabine Gatz, die für die Dienstleistungsgewerkschaft die Verhandlungen im Landesbezirk Niedersachsen-Bremen führt.

Die Aktionen waren auch als »Botschaft« in Richtung Nordrhein-Westfalen (NRW) gedacht, wo am Dienstag ein neuer Anlauf unternommen wurde, die verhärteten Fronten in dem seit fünf Monaten andauernden Konflikt aufzulösen. In Recklinghausen trafen Beschäftigten- und Unternehmervertreter zur inzwischen sechsten Gesprächsrunde zusammen, wobei am Morgen eine Ansammlung von Protestierenden vor Ort für Stimmung sorgte. Zeitgleich traten Werktätige im örtlichen IKEA-Markt in den Ausstand. Auch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland kam es am Dienstag zu Arbeitsniederlegungen. Schon in der Vorwoche waren in Berlin und Brandenburg Beschäftigte nicht zur Arbeit erschienen, um für ihre Interessen auf die Straße zu gehen.

Nach Verdi-Auskunft liefern sich Unternehmen und Verbände »bundeslandübergreifend geradezu einen Wettstreit um das dreisteste Angebot«. Auch in NRW, wo in der Tarifrunde 2019 der für die Gesamtbranche bestimmende Pilotabschluss erzielt wurde, hätten die Positionen zuletzt noch »meilenweit« auseinander gelegen. Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit rund 3,1 Millionen Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent sowie ein Plus von 45 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von einem Jahr sowie ein Mindestentgelt für die unteren Lohngruppen von 12,50 Euro pro Stunde. Beim vorangegangen Treffen bot der Handelsverband NRW bei einem Geltungszeitraum von 24 Monaten zwei Prozent im ersten und 1,8 Prozent im zweiten Jahr. Dabei solle das Plus für 2021 auch in Form von vier Urlaubstagen vergolten werden können.

»Den Arbeitgebern bietet sich die Chance, ihrem unwürdigen Schauspiel ein Ende zu bereiten« und mit einem tragfähigen Angebot der »außergewöhnlichen Leistung« ihrer Mitarbeiter gerecht zu werden, äußerte sich Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer im Vorfeld der Zusammenkunft. Ein zentraler Streitpunkt besteht in dem Bestreben der Handelsverbände, eine Differenzierung zwischen den Betrieben, die bisher gut durch die Pandemie gekommen sind, und solchen, die in Schwierigkeiten stecken, durchzusetzen. Für die Belegschaften letzterer sah etwa die jüngste in Rheinland-Pfalz vorgelegte Offerte bei einer Laufzeit von 36 Monaten allein 22 Nullmonate vor. Dagegen will die Gegenseite derlei Spaltungen und Reallohnverluste »nicht hinnehmen«.

Beim IKEA-Möbelriesen hat die Krise besondere Zumutungen gezeitigt. Als Reaktion auf wochenlange Schließungen wurde die Onlinesparte im Hauruckverfahren ausgebaut, wodurch sich die Arbeitsroutinen über Nacht verändert haben. Entsprechend dringt Verdi auf einen separaten »Digitalisierungstarifvertrag«, dessen Ziel unter anderem die »menschengerechte Gestaltung von Technik« sei. Bisher allerdings weigern sich die Konzernbosse, darüber zu verhandeln.

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