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Frustrierte Löwen

Von Gabriele Damtew
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Wo ist die Wucht? Die 1860-Fans sind ratlos (18.9.2021)

Die Münchner stecken in einer fußballerischen Krise. Freilich ist an dieser Stelle von den Löwen die Rede, die vor Saisonbeginn wegen ihrer herausragenden Offensive in der letzten Spielzeit als sicherer Aufsteiger ins zweite Oberhaus gehandelt worden waren. Coach Michael Köllner war damals trotz verpassten Aufstiegs die Auszeichnung als bester Trainer der 3. Liga zugekommen. Alles beim Alten, mag mancher gedacht haben. Nun sind die Spieler im Sturm zwar dieselben, aber es hapert an gewohnter Treffsicherheit und Durchsetzungsvermögen. Statt dessen teilt sich 1860 momentan die inoffizielle Remismeisterschaft mit dem zuletzt zu empfangenden Gegner Zwickau aus dem Tabellenkeller – fünf Unentschieden in acht Spielen.

Unter die 10.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße hatten sich um die 200 Fans aus Sachsen gemischt, von denen einige ihre entblößten Muskeln in der bajuwarischen Herbstsonne spielen ließen, mit merklich größer werdendem Genuss. Denn die Löwen waren zumeist harmlos. Es fehlte an der berühmt-berüchtigten Wucht, auch in den Zweikämpfen. So gewann Lars Lokotsch vom schottischen Erstligisten FC Livingston sein Kopfballduell (Learning by Doing) zugunsten des jungen Johan Gómez (zuvor FC Porto II), der sich körpergewandt Raum schaffte und seinen ersten Treffer für Zwickau ins Tor ballerte. Auch in der zweiten Halbzeit versagte die Münchner Tormaschine: Sascha Mölders kam zu spät, und Stefan Lex vergab allein vor Torwart Brinkies. Dann Ballgewinn durch Gómez, der den Ball lang auf Innenverteidiger Marius Hauptmann zum Konter auflegte, dieser auf Yannik Möker, der brachial mit links abschloss. Alle drei sind unter 23. Das Heimspiel 0:2 verloren und die Wies’n abgesagt. Mehr Frust geht kaum in Giesing.

Spitzenreiter Magdeburg empfing in ausverkaufter Arena den Vorletzten aus Würzburg. Die Fans hüpften erwartungsvoll auf den Rängen, als schon das erste Gegentor fiel: Die nach einem nicht geahndeten Foulspiel am Strafraum konsternierte FCM-Abwehr ließ einen Konter der Gäste zu, den David Kopacz gekonnt abschloss. Alles Anrennen der vielgelobten offensiven Schlüsselspieler Baris Atik und Luca Schuler blieb in der ersten Halbzeit brotlose Kunst. Der Schiri agierte weiterhin unaufmerksam. Ein Foul am Magdeburger Jason Ceka knapp innerhalb des Strafraums wurde als Freistoß ausgelegt, der nichts einbrachte. Kurz nach der Pause die erneute Schockstarre im Rund. Der Würzburger Mittelfeldmann Robert Herrmann verwertete eine Vorlage seines Kollegen Mirnes Pepic volley in den Kasten. Auch ein Traumtor von Andreas Müller aus über 20 Metern kurz vor Schluss änderte nichts am Sieg der Kickers. Der Arbeitsplatz von Würzburgs Coach Torsten Ziegner ist nach dem ersten Saisonsieg vorläufig gerettet.

Was sonst noch Ungewöhnliches geschah: Kaiserlautern bejubelte den ersten Auswärtssieg der Saison (2:0 gegen Verl), Viktoria Berlin verlor in Freiburg, und Schlusslicht TSV Havelse konnte gegen Viktoria Köln den ersten Drittligasieg verbuchen (1:0).

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