Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Dienstag, 19. Oktober 2021, Nr. 243
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 21.09.2021, Seite 16 / Sport
Klettern

Nur wenige Zentimenter

Am Ende einer strapaziösen Saison: Die Weltmeisterschaft im Sportklettern in Moskau
Von Florian Osuch
imago1006729337h.jpg
Im Boulder-Finale der Weltmeisterschaften: Natalia Grossman (Moskau, 18.9.21)

Am Dienstag abend enden die Weltmeisterschaften im Sportklettern mit den Finalläufen der Frauen und Männern im Schwierigkeitsklettern am Seil. Seit dem vorigen Donnerstag waren insgesamt 301 Athletinnen und Athleten in drei Disziplinen gegeneinander angetreten. Hinzu kam die Weltmeisterschaft von 114 Sportlern des Parakletterns.

Nach dem Geschwindigkeitsklettern am Donnerstag war das Wochenende von der zweiten Disziplin geprägt, dem populären Bouldern. Bouldern ist Klettern in Absprunghöhe ohne Seil. Ziel ist das vollständige Durchsteigen mehrerer kurzer Kletterrouten mit möglichst wenigen Versuchen. Eine Teilwertung gibt es für das Erreichen eines Zwischengriffs, der sogenannten Zone. Kampfrichter prüfen, ob die Kletterer den Schlussgriff – den sogenannten Top – in sicherer Position einige Sekunden halten können.

Bouldern erfordert ein hohes Maß an Körperspannung, Kraft und Gleichgewicht. Die Sportler müssen zudem dynamische Sprung- und Haltetechniken beherrschen. Bei den Griffen und Tritten geht es zum Teil um nur wenige Zentimeter. In der Regel sind die an natürliche Felsen angelehnten Kletterwände leicht bis steil überhängend. Das Bezwingen einer Schwierigkeit wird so zu einer kräftezehrenden Angelegenheit.

In der Qualifikation bei den Frauen traten 78 Boulderinnen gegeneinander an. Überraschend scheiterten mehrere Athletinnen mit Aussicht auf eine Finalteilnahme bereits in der Vorrunde. So die als Nachwuchstalent geltende 16jährige Oriane Bertone aus Frankreich – immerhin schon achtmal Erste bei Welt- und Europameisterschaften der Jugendlichen – sowie die Olympiafinalistin Chae Hyun Seo aus Südkorea.

Zudem hatten aufgrund einer strapaziösen Klettersaison mehrere Spitzenathletinnen auf eine Teilnahme gänzlich verzichtet. Zu anstrengend seien mehrere Weltcups sowie die Olympischen Spiele samt Vorbereitung gewesen, meldete das kanadische Klettermagazin Gripped. Das Fehlen etwa der Gold- und Silbergewinnerinnen bei Olympia, Janja Garnbret aus Slowenien und Mihou Nonaka aus Japan, machte jedoch Platz für zahlreiche Nachwuchskletterinnen.

Umso spannender war das Finale im vor zwei Jahren eröffneten »Irina Viner-Usmanova Gymnastics Palace« im Olympiakomplex in Moskau. Mit Brooke Raboutou und Natalia Grossman (beide USA) sowie Stasa Gejo (Serbien) hatten es drei Spitzenathletinnen ins Finale geschafft. Dort trafen sie auf Camilla Moroni aus Italien, Elena Krasowskaja aus Russland sowie Andrea Kümin aus der Schweiz.

Nach zwei von vier Bouldern lagen die US-Amerikanerinnen und die Italienerin mit jeweils zwei Tops – also zwei komplett durchstiegenen Bouldern – gleichauf. Sie trennte nur die Anzahl der Versuche. Wie anspruchsvoll der Sport ist und wie vielseitig talentiert die Sportlerinnen sein müssen, zeigte sich bei Boulder drei. Während Natalia Grossmann und Camilla Moroni erneut den Schlussgriff erreichten, schaffte Brooke Raboutou nicht einmal eine Zwischenwertung. Am entscheidenden vierten Boulder zeigte nun auch die Serbin Stasa Gejo ihr Können und erreichte den Schlussgriff. Überragend waren jedoch die Leistungen von Grossman und Moroni. Beide bezwangen alle vier Boulder komplett. Neue Weltmeisterin im Bouldern wurde Natalia Grossmann vor Camilla Moroni; letztlich entschieden die Versuche, und da lag die Amerikanerin vor der Italienerin. Bronze ging an Stasa Gejo. Es folgte Elena Krasovskaia noch vor der Olympafinalistin Brooke Raboutou. Andrea Kümin erreichte Platz sechs. Weltmeister beim Bouldern der Männer wurde Kokoro Fujii aus Japan (ebenfalls mit vier erreichten Tops) vor seinem Landsmann Tomoa Narasaki (drei Tops) und Manuel Cornu aus Frankreich (zwei Tops).

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung. Jetzt an deinem Kiosk!

Die Tageszeitung junge Welt beschreibt in ihrer Berichterstattung die Ausbeutungs- und Machtverhältnisse klar und deutlich. Für alle, die sie verstehen wollen, lohnt sich der Gang zum Kiosk und ein Blick in die  junge Welt!

Mehr aus: Sport