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Aus: Ausgabe vom 21.09.2021, Seite 10 / Feuilleton
HipHop

Sanfte Disse

Entschieden optimistisch: Commons neue Platte »A Beautiful Revolution Pt 2«
Von Thomas Salter
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Conscious Rap in seiner harmonischsten Form: Common

Man wird ja noch träumen dürfen, und das tut der Chicagoer Rapper Common auf seiner neuen Platte »A Beau­tiful Revolution Pt 2« ausgiebig: von einer Welt ohne Rassismus, von Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau, von Zufriedenheit. Er hat dafür elf hartnäckig optimistische Songs aufgenommen, produziert von dem Jazzdrummer Karriem Riggins, mit viel Live­instrumentation, die aber immer noch nach HipHop klingen.

Etwa der wunderbare Song »When We Move«: Marschierende Livedrums und ein funky Bass nehmen uns mit auf eine Art musikalischen Demonstrationszug, tighte Bläserlinien und Seun Kutis (Fela Kutis Sohn) Gesang geben dem Ganzen eine Afrobeatnote. Der Text ist getrieben von der Überzeugung, dass wenn wir – das heißt in diesem Fall das schwarze Amerika – uns bewegen, sich die Welt mitbewegen wird. Dabei kann sich selbst der ewig nonkonfrontative Common nicht ein paar Disse verkneifen, zugegeben sehr sanfte: »Picture this country bein’ brave without us / A slave’s nostalgia« – die Vorstellung, die USA könnten ohne Afroamerikaner mutig sein, sei nur die Nostalgie eines Sklaven. Statt dessen: »When we got free, the world moved with us / Now they wanna change their bodies, go figure / Used to call us, now they wanna be niggas.« Die Weißen folgten ihnen, jetzt wollen diese ihre Körper verändern, manche wollen gar schwarz sein. Ein kleiner Seitenhieb gegen die queersexuelle Emanzipation? Gegen »cultural appropriation«?

Einen sanften Diss gibt es auch in »Start of the Gang«, wo Common die unbeholfene weiße Unterstützung für Black Lives Matter thematisiert: »Halfway across the bridge, I saw a couple of kids / Who yell ›Black lives‹, but ain’t know where Blacks live / It’s okay, if you for it, you ain’t against / You and your white pickets can help paint the fence.« Übersetzt: »Halb über die Brücke, sah ich einige Kids / die riefen: ›Black ­Lives‹, wussten aber nicht, wo die Schwarzen leben / Das ist okay, wenn du dafür bist, bist du nicht dagegen / Du und deine weißen Streikenden könnt uns helfen, den Zaun zu streichen«, ein Wortspiel auf »picket line«, die Streikfront, und »white picket fence«, der getünchte Gartenzaun als Sinnbild weißer Spießbürgerlichkeit.

Bis auf diese leicht bitteren Stellen ist »A Beautiful Revolution Pt 2« wie der Vorgänger wieder ein entschieden optimistisches Album geworden, eins das Kämpfe und Trauer ausblenden will und an die Macht der eigenen Gedanken glaubt. Conscious Rap in seiner harmonischsten Form. In einem Interview mit einer englischen Zeitung sprach Common über seinen Revolutionsbegriff: »Wenn wir an Revolutionen denken, denken wir an Waffen oder die Übernahme der Regierung.« Er hingegen meine damit etwas Spirituelles, das in Liebe seinen Ursprung hat, womit wir aus uns heraus die Welt verbessern können. Ein schöner Traum.

Common: »A Beautiful Revolution Pt 2« (Concord)

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