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Aus: Ausgabe vom 20.09.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Mehr Macht

Zu jW vom 15.9.: »Hampelmänner«

Diese Polemik ist brandgefährlich. Der Bundestag hat durchaus politische Macht, weit mehr als der Reichstag zur Zeit Rosa Luxemburgs. Er dient als Austragungsort von Konflikten zwischen verschiedenen Kapitalfraktionen. Und es ist eben überhaupt nicht egal, welche Kapitalfraktion hier gewinnt. Die Kapitalfraktion hinter Union und FDP will nicht investieren, sondern mit schon abgeschriebenen Fabriken solange wie möglich dieselben »Cash cows« produzieren. Das soll so billig wie möglich sein, einen Sozialstaat braucht man dafür nicht. Soziale Spaltung wird in Kauf genommen, bis hin zu Bürgerkrieg (im Falle der AfD-Finanziers). Nach einem Verschleiß des Landes gedenkt man ohnehin, seine Milliarden woanders zu investieren. Die Kapitalfraktionen hinter SPD und Grünen sehen Profitchancen durch Technologieexport. Dafür braucht es ein zumindest im naturwissenschaftlichen Bereich funktionsfähiges Bildungssystem und ein stabiles Sozialgefüge, das das Land auch für hochqualifizierte Einwanderer attraktiv hält. Der Umstieg auf klimaneutrale Produktion ist dabei auch ein nötiger Schritt zu mehr Autarkie: Die billigen Energie- und Rohstoffimporte sind spätestens dann vorbei, wenn das Pro-Kopf-Einkommen Chinas das deutsche überholt. Den Eindruck zu erwecken, es sei egal, von welchem dieser Kapitalisten wir demnächst ausgebeutet werden, ist falsch und hochgefährlich. Auch eine sozialistische Gesellschaft müsste genau jetzt die massiven Investitionen in emissionsfreie Produktion stemmen. (…) Die beste Friedenspolitik gegenüber Russland bestünde darin, es weiter im Wirtschaftsgefüge zu halten, indem man »türkisen Wasserstoff« aus Erdgas (recht emissionsarm) als Brückentechnologie fördert. Denn die Frage, gegen wen gerüstet oder Krieg geführt wird, die wird tatsächlich nicht politisch, sondern ökonomisch entschieden.

Hagen Radtke, Rostock

Haut zeigen

Zu jW vom 15.9.: »Blenderin des Tages: Alexandria Ocasio-Cortez«

Über den Auftritt von Alexandria Ocasio-Cortez ist in allen Medien weltweit berichtet worden! Bei einem Treffen der Reichen mahnte sie: »Tax the rich!« (Besteuert die Reichen!) Das kann deutsche »sozialistische« Mentalität nicht kapieren: Die demokratische US-Abgeordnete hätte wohl in Bluejeans mit einem Schild vor der Oper erscheinen sollen! (…) Ocasio-Cortez wirkt für soziale Reformen. (…) Sie ist übrigens »Boricua« (stammt aus Puerto Rico): Wir »Boricuas« sind exhibitionistisch (…) – Haut ist immer in Mode in Puerto Rico! (…)

Itaia Muxaic de Ricart, San Juan/Puerto Rico

Hirn für alle

Zu jW vom 16.9.: »Keine Impfung, kein Geld«

(…) Die Impfungen sind kostenlos, an vielen Stellen wird ohne viel Aufwand geimpft, Aufklärung gibt es laufend. Wo werden Arme benachteiligt? Steht das Recht der Impfunwilligen über dem der übrigen Gesellschaft? Soll die Impfkampagne ein Teil des Klassenkampfes sein? Da gibt es wohl wichtigere Themen. Die Impfunwilligen werden für eine endlose Pandemie sorgen, für deren Folgen auch die Geimpften aufkommen müssen. Im Wahlkampf werden die Lebensorte mit vielen sinnlosen Plakaten verschandelt. Als eine der wenig sinnvollen Losungen las ich: »Bedingungsloses Mindesthirn für alle!« Da wäre schon viel geholfen. Die Pocken wurden vor Jahrzehnten weltweit ausgerottet. Wäre dies heute noch möglich?

Jürgen Powollik, Rudolstadt

Zukunft verraten

Zu jW vom 14.9.: »Linke zeigt Zähne«

Auf vielen Toiletten findet sich das Hinweisschild: »Bitte hinterlassen Sie diesen Raum, wie Sie ihn vorfinden möchten.« Unserer Generation, und das sind vor allem die Älteren, ist es aber völlig egal, wie es nach ihr auf unserem Planeten aussieht. Sie hat die Rohstoffe der Erde geplündert, hinterlässt den kommenden Generationen Müll für Jahrmillionen, betreibt die Ausrottung der Tier- und Pflanzenarten mit immer schnellerer Geschwindigkeit und hat die Aufheizung des Klimas verursacht. Der Leitsatz, der über Generationen hinweg galt, wird dadurch als Lüge entlarvt: »Unsere Kinder sollen es einmal besser haben als wir!« Die abtretende Generation sorgt noch einmal dafür, dass die Politik alles tut, dass dies nicht eintritt. Die Alten haben den Generationenvertrag einseitig aufgelöst: Hauptsache, die Jungen zeigen Solidarität mit den Älteren. (…) Die Älteren werden wieder diejenigen Parteien wählen, welche die Wende zu einer nachhaltigen Marktwirtschaft blockieren. Nehmen wir den Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet, die FDP oder die AfD, welche die aktuellen Krisen leugnet. Laschet proklamiert »die Entfesselung der Wirtschaft«. Das bedeutet Turbokapitalismus pur, der schon seit vielen Jahrzehnten die Welt zerstört und unsere sozialen Netze zerreißt. Dabei stellen sich heute schon verantwortliche Wirtschaftsunternehmen die Frage: Haben wir es mit der Deregulierung der Wirtschaft übertrieben? Der Neoliberalismus, der in den 90er Jahren noch als Heilslehre galt, ist inzwischen zur politischen Außenseiterideologie degeneriert. Trotzdem wird sie permanent wiederholt und ist auch Leitlinie für viele Alte, die zur Wahlurne gehen und ihr Kreuzchen für das »Weiter so« machen, zum Nachteil der Jungen und kommender Generationen.

Conrad Fink, Freiberg am Neckar

Falsche Seite

Zu jW vom 16.9.: »Märchenonkel des Tages: Armin Laschet«

Man kann die Wahlverzweiflung der Union nur ahnen, wenn man Armin Laschets Satz auf dem CSU-Parteitag am 11. September gehört hat: »In allen Entscheidungen der Nachkriegsgeschichte standen die Sozialdemokraten immer auf der falschen Seite.« Auch die anschließende Relativierung, gemeint sei die »Wirtschafts- und Finanzpolitik«, macht die Sache nicht besser. Schließlich wurden alle von der Schröder/Fischer-Regierung eingerammten Wirtschaftspflöcke (Steuerreformen, Schaffung eines Niedriglohnsektors, Hartz-IV-Gesetze u. v. m.) von der Union mit Inbrunst mitgetragen. Demnach standen also die CDU/CSU (auch die FDP) mit der SPD und den Grünen stets »auf der falschen Seite«. (…)

Hans Schoenefeldt, per E-Mail

Den Eindruck zu erwecken, es sei egal, von welchem Kapitalisten wir demnächst ausgebeutet werden, ist falsch und hochgefährlich.

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  • Leserbrief von Dr. Irene Wagner aus Berlin (21. September 2021 um 10:02 Uhr)
    Der Leserbrief »Zukunft verraten« bezieht sich angeblich auf den Artikel »Linke zeigt Zähne« vom 14.9.21. Inhaltlich habe ich da keinen Zusammenhang erkannt, nehme also den Leserbrief so, wie er dasteht.
    Conrad Finks kühne Wahlprognose, seine indirekte Wahlempfehlung und die groben Unterstellungen lassen aufhorchen. Endlich sind die Schuldigen für die massiven Umweltprobleme gefunden. Es sind die Älteren bzw. die Alten, die die Rohstoffe geplündert haben, die Ausrottung der Tier- und Pflanzenwelt betreiben und Müll hinterlassen haben, der noch Jahrtausende kommende Generationen belasten wird. Diese plakative Darstellung übersieht, dass die hier verteufelte Generation noch Bescheidenheit, Sparen und Verzicht gelernt hat, während die Jungen aus dem Vollen schöpfen konnten und geradezu zur Verschwendung animiert wurden. So entstanden die Wegwerfgesellschaft und die Spaßgesellschaft: Don’t worry, be happy! (Mach dir keine Sorgen, sei glücklich!) Der Führerschein mit 18 und bald darauf das Auto wurden selbstverständlich. Das Auto wurde aber nicht nur von den Konsumenten zum Fetisch, die Politik hat erheblich dazu beigetragen.
    Es wären natürlich noch viele Versäumnisse und Fehlentscheidungen der verantwortlichen Politiker zu nennen. Trotzdem sollen wir zur Wahl gehen und angeblich etwas für die Zukunft entscheiden.
    Hier haben junge und alte Leute dasselbe Problem, denn es gibt nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Früher hat man oft das vermeintlich kleinere Übel gewählt, wobei sich meistens hinterher zeigte, dass es sich um Wahlbetrug handelte. Die Versprechungen vor der Wahl waren schnell vergessen. So bekamen wir Hartz IV, das gerade großzügig um drei Euro aufgestockt wurde (Ironie!), unbezahlbare Mieten für viele und ein verscherbeltes Gesundheitssystem, das nur auf Profit setzt. Die soziale Spaltung ist nicht mehr zu übersehen, die Armen werden noch ärmer, die Reichen noch reicher. Damit die Benachteiligten sich nicht dagegen wehren, werden sie durch Verblödungsprogramme im Fernsehen und durch Massenmedien ruhiggestellt. Und sollten sie doch mal aufmüpfig werden, dann ist vorgesorgt. Harmlose Demonstranten werden wie Verbrecher behandelt, und es wird die Niederschlagung von Aufständen geprobt.
    Herr Fink propagiert die »nachhaltige Marktwirtschaft«. Also eine leichte Korrektur des Turbokapitalismus, aber nichts wirklich Neues. Soll das heißen: wählt »Rot-Grün«?
    Laschet, FDP und AfD schließt er aus. Bleiben also noch der korrupte Scholz, der Demonstranten in Hamburg zusammenknüppeln ließ und sie gerichtlich verfolgen lässt, und die unbedarfte, von den USA präparierte Baerbock, die für die Grünen kandidiert. Die Grünen wurden mal von den jetzt Alten gegründet für Frieden und Ökologie. Daraus wurde eine kriegsfreudige Partei, die nicht wahrhaben will, dass Aufrüstung und Kriege die meisten Umweltschäden verursachen.
    Wie auch immer die Wahl ausgeht, man sollte nicht die Generationen aufeinanderhetzen, sondern solidarisches Handeln fördern und gemeinsame Aktionen unterstützen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Thomas K. aus Seelze (19. September 2021 um 20:49 Uhr)
    Nach der Aussage von Frau Wissler über Putin fällt es mir immer schwerer, am 26. das Kreuz bei der Linken zu machen. Ich werde es aber trotzdem dort machen, weil ich weiß, dass es sehr viele vernünftige Leute bei der Partei die Linke gibt.

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