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Aus: Ausgabe vom 20.09.2021, Seite 10 / Feuilleton
Krautrock

Resonanzen

Das Berliner HAU ehrt das sagenumwobene »Zodiak Free Arts Lab« mit Konzerten und Installationen
Von Markus von Schwerin
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Experimentierfreudig: »Zodiak Free Arts Lab«-Initiatoren Conrad Schnitzler (r.) und Wolfgang Seidel

Als 1967 der Beuys-Schüler Conrad Schnitzler (1937–2011) vom Gastronomen der Berliner Schaubühne am Halleschen Tor (dem heutigen Gebäude des HAU 2) das Angebot bekam, im Untergeschoss zwei Räume multimedial zu nutzen, etablierte sich das nur anderthalb Jahre währende »Zodiak Free Arts Lab« bald als interdisziplinäre Spielwiese, auf der vor allem musikalisch experimentiert werden konnte.

Das unterschied das »Zodiak« vom Düsseldorfer »Creamcheese«, in dem zwar Bildende Künstler wie Heinz Mack und Günther Uecker die Einrichtung gestalteten, bei der Beschallung indes wurde lieber auf etablierte Psychedelia-Bands gesetzt. In jenem Genre hatte sich im »Zodiak« auch Edgar Froese (1944–2015) mit der ersten Tangerine-Dream-Besetzung versucht, bevor er sich mit Schnitzler und Klaus Schulze in eine »Electronic Meditation« begab. Ganz auf die Resonanz gutturalen Gesangs und spontan auserkorener Perkussionsobjekte setzte hingegen eine AG namens Human Being, der die Malerin Elke Lixfeld und das spätere Kluster-Mitglied Hans-Joachim Roedelius (der damals noch als Masseur für Wohlbefinden sorgte) angehörten. Und das ohnehin spärliche »Zodiak«-Mobiliar kam bei einer Fluxus-Performance des seinerzeit noch jugendlichen Alfred Harth mit dem schwedischen Schlagwerker Sven-Åke Johansson unter die Säge.

Wenn nun einige dieser Akteure beim Festival »Bildet Nischen!« wieder zusammentreffen, muss der Hausmeister des Hebbel-Theaters (alias HAU 1, wo die Veranstaltungen wegen des noch anhaltenden HAU-2-Umbaus stattfinden) wohl nicht um die Sitzpolster fürchten. Zumal der heute in Seoul lebende Multimediakünstler Harth beim Auftaktkonzert mit Schnitzlers langjährigem Kooperationspartner Wolfgang Seidel (Synthesizer), dem Schweizer Schlagzeuger Günter Müller und dem Faust-Mitbegründer Hans-Joachim Irmler (Keyboards) nur zugeschaltet sein wird. Und was die Rückkoppelungen in die musikalische Gegenwart betrifft, zeigt das von Tobias Schurig kuratierte Programm mit u. a Nika Son (die in Hamburg mit dem Festival »Eruption« selbst eine Schnitzler-Hommage initiierte), der »Monika Werkstatt« um Gudrun Gut, der Electropop-affinen Belarussin Galina Ozeran und dem Trio Contagious (das mittels Field Recordings, verfremdeter Trompete und präpariertem Klavier Klanglandschaften kreiert), dass diese Impulse inzwischen ausgewogen am Wirken sind.

»Bildet Nischen!«: Di., 21.9. bis So., 26.9., Berlin-Kreuzberg, HAU 1; www.hebbel-am-ufer.de

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