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Aus: Ausgabe vom 18.09.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Rote Suppe

Von Maxi Wunder

Die Plauener Kommunenküche ist zum Bersten voll, Leute sitzen auf dem Boden, auf dem Herd. Udo schlägt mit einem Löffel gegen sein Bierglas: »Alle mal herhören! Was ist das Wählen einer Partei gegen die Gründung einer Partei?« Gejohle. »Wir beschließen heute einstimmig die Gründung der Arbeiterpartei ›Coole Wampe‹. Und einstimmig heißt: Es reicht eine Stimme, und zwar meine!« Gejohle. Udo hat seine alten Fans aus »Udo’s Probierstübchen« eingeladen. »Das Motto der Partei liegt auf der Hand.« Er hält seinen dampfenden Teller hoch: »Erst kommt das Fressen, dann die Moral!«

Rote Suppe:

500 g Rote Bete schälen, in kleine Stücke schneiden, zwei säuerliche Äpfel vierteln, entkernen und würfeln. Eine Zwiebel fein hacken. Alles mit Olivenöl in einem Topf scharf anbraten und mit 500 ml Kokosmilch und 200 ml Apfelsaft ablöschen. Das Ganze aufkochen und so lange köcheln lassen, bis die Rote Bete weich ist. Suppe fein pürieren und mit Salz und Pfeffer würzen. 100 g Mais mit Öl, Salz und Pfeffer vermischen, auf ein Backblech geben und für 20 Minuten bei 180 °C Umluft knusprig backen. 100 g Reispasta nach Packungsanweisung kochen. Suppe in eine Schüssel geben, mit Pasta, Mais, einer Handvoll schwarzen Sesamkörnern und Salbei servieren.

»In dem Borschtsch ist ja gar kein Schweinefleisch drinne!« beschwert sich Camouflage-Torben. »Ich sag’s dir ins Gesicht: Ich esse meine Freunde nicht!« kontere ich barsch. – »Ach, deine Freunde sind Schweine!« Gelächter. Aber ich weiß mich zu wehren: »Udo, hier ist ein Nazi an Bord! Wir sind schon unterwandert.« – »Oh, den kauft man sich einfach, pass auf: Na, Torbi, du liebst doch den deutschen Wald. Und die deutschen Blumen und Bienchen, die deutsche Erde, was?« Torben nickt verbissen. »Du wirst unser Umweltminister! Klima und so. Hübsche Mädchen in Naturwolle!« Torben grinst.

»So. Weitere Posten: Roswitha, du übernimmst die Wirtschaft.« Rossi erhebt sich gewichtig: »Wenn wir bei der nächsten Wahl 0,5 Prozent kriegen, was wir spielend schaffen – pardon, DKP –, erhalten wir bei maximaler Wahlbeteiligung und 86 Cent pro Stimme vom Bund 259.720 Euro Parteienfinanzierung. Aber laut unserem Wahlomat wählen uns sowieso 90 Prozent. Danke!« Frenetischer Applaus.

»Ruhe bitte!« brüllt Udo. »Es gibt noch mehr Ämter. Ich, Udo, stelle mich hiermit zur Wahl als Chef für Agitation und Propaganda.« Die Menge tobt. »Danke, Genossen.« Udo verneigt sich gerührt. »Und nun zum Ressort ›Alles andere‹. Muss jemand sein, der von allem ein bisschen versteht und von nichts so richtig. Wer will das machen?!« – »Ihr habt doch keine Ahnung«, werfe ich ein, »wir müssen parteinahe Stiftungen gründen! Die kriegen dreimal soviel Förderung wie die Parteien … oder 30mal?« – »­Gewählt für ›Alles andere‹!« gröhlt die Menge. »Millionen Staatsknete, einfach so, Maxi?« fragt mich einer mit glänzenden Augen. »Ich füll’ gleich ’n Mitgliedsantrag aus. Wird auf uns verteilt, die Kohle, ne?« – »Auf uns? Äh ja, gute Idee«, antworte ich unsicher. »Maxi!« zischt mich Roswitha an, »misch dich nicht in mein Ressort! Alles, was du hier verteilst, ist Suppe!«

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