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Aus: Ausgabe vom 18.09.2021, Seite 8 / Ansichten

Kreuzritter des Tages: Éric Zemmour

Von Raphaël Schmeller
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Kein Witz: Laut Zemmour sollte Frankreichs größter Fußballer nicht »Zinédine«, sondern »Jean« Zidane heißen

Frankreichs Faschistenführerin Marine Le Pen bekommt Konkurrenz: Rund ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen bringt sich der ultrarechte Publizist Éric Zemmour in Stellung. Zwar hat der seine Kandidatur noch nicht offiziell verkündet, wenn er die dafür nötigen 500 Unterschriften von Mandatsträgern einsammelt, wird es aber mit großer Wahrscheinlichkeit dazu kommen. Zemmour, der aus einer jüdisch-algerischen Familie stammt, will das »katholische Frankreich« vor dem angeblich von Migranten, Juden und Sozialisten vorangetriebenen »großen Austausch« verteidigen. Seine jüngste Idee dafür: Nichtfranzösische und nichtkatholische Vornamen verbieten und ein Gesetz von 1803 wiedereinführen, das die Namensgebung unter der Herrschaft von Napoleon regelte.

Ein Beispiel gefällig? Nach dieser Vorschrift müsste laut ­Zemmour Frankreichs größter Fußballer nicht »Zinédine«, sondern »Jean« Zidane heißen. Um besser durchzublicken und herauszufinden, ob der eigene Vorname ab 2022 möglicherweise verboten wird, ist nun die satirische Seite vitemonprenom.com (schnellmeinvorname.com) online gegangen. Hier erfährt man, dass der aktuell beliebteste französische männliche Vorname »Léo« nicht regelkonform wäre; die betroffenen Personen müssten sich in »Léon« umbenennen. Auch der meist vergebene weibliche Vorname »Jade« wäre verboten und müsste in »Aude« geändert werden. Klingt alles nach einem Witz, ist es aber nicht. Denn laut einer aktuellen Umfrage würden elf Prozent der Franzosen bei den Präsidentschaftswahlen für Zemmour stimmen; für einen offenen Rassisten, der wegen Volksverhetzung bereits mehrfach verurteilt wurde und die Deportation von fünf Millionen französischen Muslimen begrüßen würde.

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